Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Ab sofort darf sich Ellringen offiziell Bioenergie-Modelldorf nennen. Seit 2013 versorgt die örtliche Biogasanlage die Ellringer Haushalte mit günstiger Bioenergie. Foto: cw
Ab sofort darf sich Ellringen offiziell Bioenergie-Modelldorf nennen. Seit 2013 versorgt die örtliche Biogasanlage die Ellringer Haushalte mit günstiger Bioenergie. Foto: cw

Ellringen ist erstes „echtes“ Bioenergiedorf

cw Ellringen. In Ellringen redet man nicht viel man macht es einfach. Seit 2013 hat der kleine Ort ein Nahwärmenetz, das von der Biogasanlage betrieben wird. Doch richtig offiziell wurde das erst jetzt, weil sich der Ort mit diesem Projekt beim Ideenwettbewerb „Dörfliche Energieprojekte der Bioenergie-Region Wendland-Elbetal“ beworben und gewonnen hat. Mit dem Gewinn finanzierten die Ellringer eine Informationstafel im Ort, die nicht nur das sichtbar macht, was unter der Erde ist, sondern auch das Dorf vorstellt. Gleichzeitig erhielten sie die offiziellen Ortschilder „Modelldorf für Bioenergie“.

Bei einer kleinen Feierstunde mit vielen Bürgern und allen Beteiligten dankte Biogasanlagenbetreiber Thomas Koch vor allem dem Vorsitzenden des Ellringer Sportvereines, Herman Kraake, und dem Ortsbrandmeister und Ratsmitglied, Ulrich Schulz, die das Ganze möglich gemacht hatten. „Ich freue mich, dass heute so viele hier sind“, sagte Koch bei der feierlichen Enthüllung des Schildes. „Es zeigt doch, dass dieses Projekt von den Bürgern mitgetragen wird.“

Nach Ellringen gekommen war auch Lüneburgs Kreisrätin Monika Scherf, um das Engagement der Einwohner zu würdigen. „Ein Schild klingt erst einmal nicht nach viel, aber es steckt eben richtig viel dahinter“, sagte sie. „Nämlich die Abwärme der Biogasanlage für das ganze Dorf zu nutzen.“ Das sei der richtige Weg für das Leben im ländlichen Raum.

Die Regionalmanagerin der Bioenergie-Region, Dorothea Angel, freute sich ganz besonders über das erste echte Bioenergiedorf im Landkreis Lüneburg. „Bioenergie lebt immer von den Menschen vor Ort“, lobte sie. Zusätzlich zu dem Info-Schild haben die Ellringer noch Unterstützung für die Öffentlichkeitsarbeit bekommen und sind auf Bundesebene offiziell als Bioenergiedorf gelistet.

Christoph Maltzan, Bürgermeister der Samtgemeinde Dahlenburg, die ebenfalls etwas Geld beigesteuert hatte, zeigte sich begeistert: „Als der Zuschussantrag auf meinen Tisch kam, haben wir gar nicht lange überlegt und gleich zugesagt“, erklärte er. Er dankte Koch, Kraake und Schulz für ihren Einsatz. „Es zeigt, dass man mit Zusammenarbeit viel erreichen kann.“

Der Weg zur Auszeichnung

Ellringen hat schon seit Jahren eine Biogasanlage. Ein Landwirt hatte sich mit der Anlage ein zweites Standbein erschlossen. Doch die Betreibergesellschaft gab auf. Der große Umbruch kam 2012, als mit Thomas Koch ein neuer Betreiber für die Biogasanlage ins Dorf kam. Er sah sich nicht nur als Unternehmer, sondern investierte auch in den Ort, wurde Mitglied beim Förderverein der Feuerwehr. Seine Idee: Ein Netz, das Ellringen mit günstiger Nahwärme versorgt. Bei einer Informationsveranstaltung waren die Ellringer schnell überzeugt, zumal ihnen kaum Kosten entstanden. Koch baute das Netz auf eigene Kosten und ließ gleich Leerrohre für künftige Glasfaserkabel mit verbauen. Nur die Kosten für den Wärmetauscher im Haus mussten die Bürger selbst übernehmen. Seit 2013 ist das Wärmenetz in Betrieb und versorgt mit rund 50 Haushalten fast alle Ellringer. Dazu kommt noch das Tagungshotel Ellernhof, das Kochs Frau Christine Hamester-Koch 2014 kaufte und zur Akademie für Natur und Business umgestaltete. Auch der Islandpferdehof und die Schweinezucht beziehen ihre Wärme von der Biogasanlage sowie eine Trocknungsanlage für Holzhackschnitzel. Derzeit wird über eine unterirdische Güllepipeline zur Bundeshydridzucht nachgedacht. Koch bekommt Gülle für seine Biogasanlage, die Schweinezüchter haben eine einfache Entsorgung und der Ort wird verkehrlich entlastet.↔cw