Aktuell
Home | Lokales | Zusteller hängen am Tropf
Tief durchatmen: Dem ersten Spender Nils Bergeest wird von Postkollegin Heide Jürges gut zugeredet, bevor Krankenschwester Christine Matthias behutsam Blut abzapft. Foto: t&w
Tief durchatmen: Dem ersten Spender Nils Bergeest wird von Postkollegin Heide Jürges gut zugeredet, bevor Krankenschwester Christine Matthias behutsam Blut abzapft. Foto: t&w

Zusteller hängen am Tropf

mm Lüneburg. Durch den Streik bei der Deutschen Post erreichen viele Einladungen zu Blutspendeterminen ihre Adressaten nicht. Das Deutsche Rote Kreuz sorgt sich deshalb: Weniger Spender kämen, die Vorräte an Blutkonserven könnten gerade in den Sommermonaten knapp werden. Dass das Spenderblut ihretwegen ausgehen könnte, wollen die Post-Angestellten nicht auf sich sitzen lassen, einige hängen sich nun selbst an den Tropf.

Glockenhaus, 15 Uhr: Drinnen herrscht Hochbetrieb, ein warmes Buffet ist vorbereitet, Frucht-Cocktails stehen bereit, die Entnahmestellen sind anzapffertig. Draußen stehen rund 20 Postzusteller aus Lüneburg und Adendorf, wollen kollektiv den Spendetermin besuchen. Denn sie mögen nicht Schuld sein, dass zu wenige Spender kommen, weil Einladungen nicht wie gewohnt im Briefkasten stecken.

„Wir wollen zeigen, dass wir zwar einen Arbeitskampf führen, der aber sauber ist“, sagt ver.di-Streikführer Robert Kesslau. Schließlich könnten „eigene Maßnahmen nicht unterlaufen werden“, sprich die Zustellung wieder aufzunehmen, solange zwischen Arbeitgeber- und nehmerseite keine Einigung im laufenden Tarifkonflikt, bei dem es um Lohnsenkungen durch Ausgliederung von Post-Mitarbeitern in Tochtergesellschaften geht, erzielt werden konnte.

Die spontane Spendenaktion freut die ehrenamtliche DRK-Geschäftsführerin des Ortsverbands, Sabine Reckermann: „Tolle Aktion.“ Sie verdeutlicht: „Die Zahlen an Blutkonserven müssen möglichst gleichbleiben, Blut ist nicht lange haltbar“. Zum vorangegangenen Spendetermin seien, wohl durch fehlende Einladungen, zu wenige Spender erschienen. Jetzt kommen mehr. Spontan hat sich auch Polizeikommissar Christian Runne entschieden, zu kommen, er konnte weitere Kollegen aus seiner Abteilung motivieren. Runne spendet bereits zum 60. Mal.

Höher als erwartet ist auch das Spenderaufkommen einen Tag zuvor in der Grundschule Kirchgellersen. Mit 241 Spendern wird ein neuer Rekord aufgestellt: „Damit haben wir überhaupt nicht gerechnet“, sagt die DRK-Ortsvereinsvorsitzende Wildtraud Harbarth. Denn auch in der Samtgemeinde Gellersen konnten Einladungen nicht zugestellt werden. Die Ehrenamtlichen vom DRK wurden selbst aktiv: Verteilten Sonderfaltblätter in Briefkästen, veröffentlichten Zeitungsanzeigen.

Wer Blut spenden möchte, hat in Lüneburg die nächsten Gelegenheiten dazu im Schützenhaus Ochtmissen am Dienstag, 28. Juli, 16 bis 20 Uhr, sowie im Glockenhaus, am Mittwoch, 12. August, von 15 bis 20 Uhr.