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Heftige Diskussionen ausgelöst haben in Radbruch die Pläne für das Baugebiet „Hofkoppeln II“. Gleichwohl hat der Rat die entsprechende Satzung jetzt einstimmig beschlossen. Der Entscheidung vorausgegangen war ein Treffen von Ratsfraktionen, Verwaltung und Anwohnern, bei dem ein Kompromiss erzielt wurde. Foto: uk
Heftige Diskussionen ausgelöst haben in Radbruch die Pläne für das Baugebiet „Hofkoppeln II“. Gleichwohl hat der Rat die entsprechende Satzung jetzt einstimmig beschlossen. Der Entscheidung vorausgegangen war ein Treffen von Ratsfraktionen, Verwaltung und Anwohnern, bei dem ein Kompromiss erzielt wurde. Foto: uk

Das Ringen hat ein Ende

uk Radbruch. Durchbruch im zweiten Anlauf: Bei der jüngsten Sitzung brachte der Rat der Gemeinde Radbruch den Bebauungsplan Hofkoppeln II mit dem Satzungsbeschluss nun doch noch vor der Sommerpause unter Dach und Fach. Zuvor hatte der Rat die Entscheidung nach zähem Ringen vertagt, Grund war der heftige Widerstand von Anwohnern aus dem Nachbargebiet Hofkoppeln I. Ebenso bemerkenswert: In allen Punkten der Tagesordnung waren sich die Ratsmitglieder ungewohnt einig, fassten alle Beschlüsse ohne Gegenstimmen.

Es war tatsächlich ein seltenes Bild der Harmonie, das sich den Zuhörern im Gasthaus Sasse bot. Den Durchbruch in Sachen Hauskoppeln hatte offenbar ein Treffen erzielt, das auf Anregung der CDU nach der jüngsten Ratssitzung anberaumt worden war, um mit Anwohnern, Verwaltung und Ratsfraktionen zum letzten Mal nach einer einvernehmlichen Lösung zu suchen. Wie berichtet, hatten Anwohner der Gemeinde mit Klage gedroht, sollte das neue Baugebiet wie geplant realisiert werden. Hauptkritikpunkt war dabei der Standort für das geplante Mehrgenerationenhaus, aber auch Regelungen für den Baustellenverkehr.

Ergebnis der erneuten Beratung war ein gemeinsamer Antrag aller Ratsmitglieder, in dem die Verwaltung beauftragt wird, einzelne Punkte verbindlich festzusetzen. So soll die Firsthöhe des Mehrgenerationenhauses von elf auf neun Meter reduziert werden, statt eines massiven Baukörpers sollen möglichst mehrere einzelne Gebäude entstehen. „Der Gemeinderat verfolgt das Ziel, bei der Beratung über Realisierungskonzepte die reklamierten Beeinträchtigungen zu reduzieren“, heißt es in dem Beschluss.

Der Verkehr für die Erschließungsarbeiten soll aus dem Gebiet Hofkoppeln I herausgehalten und über den Wittorfer Weg und die Baustraße für das dritte Gleis der Bahn erfolgen. Allerdings: Am Standort des Mehrgenerationenhauses ändert sich nichts. „Wir hatten eine andere Erwartung“, räumte Rolf Semrok (CDU) ein, „aber eine Verlegung würde der Erschließungsträger nicht mitmachen.“ Der Rat lege nun verbindlich Regularien fest, an denen sich die Verwaltung orientieren müsse. „Unter diesen Umständen war es das, was wir erreichen konnten.“

Auch die Gruppe SPD/Grüne zeigte sich zufrieden: „Dieser Kompromiss ist für alle tragbar“, sagte Gruppensprecher Michael Stolze (SPD). Bürgermeister Achim Gründel (SPD) ergänzte, dass es wohl kaum einen Bebauungsplan im Kreis gebe, „an dem Bürger so stark mitgewirkt haben“. Man habe bereits im Vorfeld der öffentlichen Auslegung Gespräche mit Anwohnern geführt. Bei der CDU gab man sich auch selbstkritisch: „Ich ärgere mich, dass wir Anregungen zu spät aufgenommen haben“, sagte Semrok. „Das wird uns nicht mehr passieren.“ Der Konflikt habe aber auch eine positive Seite gehabt: „Endlich ist es uns als Rat gelungen, mal etwas gemeinsam auf den Weg zu bringen.“

Ebenso einstimmig sprach sich der Rat für die Rückübernahme des alten Klärwerk-grundstücks aus. Das 6000 Quadratmeter große Gelände war im Zuge der Gebietsreform 1974 an die Samtgemeinde Bardowick übertragen worden und geht nun an die Gemeinde Radbruch zurück. Nach Abriss der alten Pumpstation und des Überlaufbeckens soll das Grundstück den Flächenpool der Gemeinde für Ausgleichsmaßnahmen erweitern, teilte Gründel mit.