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Ein Vorfall mit einer Pfanne vertrieb die Zwerge vor vielen Jahren vom Schlossberg in Hitzacker. Klaus Lehmann (l.) und Oberzwerg Peter Wieczorek setzen sich für ihre Rückkehr ein. Foto: t&w
Ein Vorfall mit einer Pfanne vertrieb die Zwerge vor vielen Jahren vom Schlossberg in Hitzacker. Klaus Lehmann (l.) und Oberzwerg Peter Wieczorek setzen sich für ihre Rückkehr ein. Foto: t&w

Wo die wilden Wichtel wohnen

emi Hitzacker. Einst hausten Zwerge im Schlossberg von Hitzacker. Doch vor Jahren vergraulte ein Handwerksbursche die fleißigen Wichte in übelster Weise. Mehr als 350 Jahre grollten die kleinen Leute fernab der Heimat, erst in jüngster Zeit fand ein Stimmungsumschwung statt. Peter Wieczorek wurde als ihr Vertreter ausgewählt, um ihre Heimkehr in die Wege zu leiten. Und der erste Vorsitzende des Verkehrsvereins Hitzacker gibt sich redlich Mühe, es den Zwergen so gemütlich wie möglich zu machen im Elbestädtchen. Er lädt zu Zwergentagen in sein Hotel, lässt Bronzewichtel aufstellen und organisiert Veranstaltungen zu Ehren des kleinen Volkes. Gleich mehrere finden in den nächsten Tagen und Wochen statt.

Am Montag, 6. Juli, 16 Uhr werden auf Initiative des Verkehrsvereins zwei Infotafeln — eine über die Geschichte des Weinbergs, die andere über die Zwerge — am Weinbergsportal enthüllt. Am Sonntag, 12. Juli, 11 Uhr werden bei einer Gemeinschaftsveranstaltung von Verkehrsverein und dem Museum Hitzacker um seinen Leiter Klaus Lehmann zwei neue Bronzezwerge, „der Rufende“ und „der Hörende“, auf dem Ostufer (Fähranleger in Herrenhof) und dem Westufer aufgestellt. Von Sonntag bis Sonnabend, 12. bis 18. Juli, werden in der Elbestadt die Zwergentage gefeiert (siehe Text unten).

Die alte Sage von den Zwergen ist eigentlich eine höchst unappetitliche Angelegenheit. Vor langer Zeit halfen die Gesellen vom Schlossberg Bürgern oft und gern mit einer Braupfanne und anderem Hausgerät aus. Wer sich etwas leihen wollte, musste nur am Berg sein Begehren vorbringen und fand am nächsten Morgen das Verlangte an selbiger Stelle vor. Zum Dank stellten die Menschen den emsigen Helferlein Bier und frisches Brot hin.

Das ging so lange gut, bis ein wandernder Handwerker seines Weges kam. Er verputzte die Speisen und verrichtete seine Notdurft in der Pfanne. Erbost verließen die Zwerge daraufhin den Ort und ließen sich sehr lange nicht mehr blicken. Doch dank Peter Wieczorek halten sie jetzt wieder Einzug.

Vier sind bereits zurück in Hitzacker. Sie stehen auf der Treppe vor dem alten Bürgermeisterhaus, vor der Eingangstür zur Biosphärenreservatsverwaltung, am Alten Zollhaus und vor einer Bäckerei. Alle Zwerge sind etwa 30 bis 40 Zentimeter groß und aus Bronze gegossen. Bald sollen zwei weitere am Ost- und Westufer der Elbe hinzukommen.

In Empfang genommen hat sie vor zwei Wochen eine Hitzackeraner Delegation von Bürgermeister bis Weinkönigin bei einer feierlichen Zeremonie in Breslau. In der polnischen Stadt waren die Zwerge schon zu Zeiten des Kommunismus aufgetaucht — als aufmüpfige Gesellen. Mit dem politischen Wandel wuchs ihre Population rasant. Inzwischen sollen schon mehr als 250 Wichtel die Altstadt bevölkern: Sie klettern Laternenpfähle empor, sitzen auf Fensterbänken, hängen an Hauswänden oder lümmeln auf Plätzen herum.

Auch Hitzacker soll noch in diesem Jahr Zuwachs bekommen — insgesamt elf kleine Gesellen sollen es laut Peter Wieczorek noch werden. Die Figuren werden nicht nur an eine alte Sage erinnern, sondern auch neue Geschichte schreiben.

Kinderprogramm

Vom 12. bis 18. Juli finden in Hitzacker die Zwergentage mit Kinderprogramm statt:

Sonntag, 12. Juli, 15 Uhr: Schatzsuche mit der Zauberhexe. Dauer: Etwa 2 Stunden. Treffpunkt: Zwergenbrunnen. Kosten: 5 Euro.

Montag, 13. Juli, 15 Uhr: Mit dem Sofafloß auf die Elbe. Dauer: Etwa 2,5 Stunden. Treffpunkt: Museumshof. Kosten: 7,50 Euro.

Dienstag, 14. Juli, 15 Uhr: Auf die Pferde, fertig, los! Dauer: Etwa 2 Stunden. Treffpunkt: Pferdeschulze Wietzetze. Kosten: 6,50 Euro.

Mittwoch, 15. Juli, 11 Uhr: Mit Zwergen in das Biberlager — Kanufahren und Lagerfeuer. Dauer: Etwa 5 Stunden. Treffpunkt: In Seerau unter der Brücke. Kosten: 9,50 Euro.

Donnerstag, 16. Juli, 15 Uhr: Pusteblume „Löwenzahn“ — Mit der Kräuterfee Yvonne in die Elbwiesen. Dauer: Etwa 2 Stunden. Treffpunkt: Kneippkurgarten. Kosten: 6,50 Euro.

Freitag, 17. Juli, 15 Uhr: Zwergenflohmarkt mit Straßenmusikanten. Dauer: Etwa 2,5 Stunden. Treffpunkt: Am Markt, rund um die Prinz-Claus-Büste. Spende: Unicef.

Sonnabend, 18. Juli, 11.30 Uhr: Lustig ist doch das Zwergenleben — Hüpfburg, Zwergengesang, Speis und Trank. Dauer: Etwa 2,5 Stunden. Treffpunkt: Am Markt, rund um die Prinz-Claus-Büste. Preis nach Verzehr.

Sonnabend, 18. Juli, 14.30 Uhr: Auf dem Pfad der Urahnen — Zwerge bauen Wände aus Lehm und Weidenruten, mahlen Getreide und backen Fladenbrot. Dauer: Etwa 2,5 Stunden. Treffpunkt: Freilichtmuseum. Kosten: 6,50 Euro. 29Für alle Aktionen zusammen gibt es das Zwergenring-Abo.