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Nicht nur bei der Online-Vermittlung freier Zimmer haben die Amelinghausener Touristiker so ihre Schwierigkeiten. Foto: dth
Nicht nur bei der Online-Vermittlung freier Zimmer haben die Amelinghausener Touristiker so ihre Schwierigkeiten. Foto: dth

Amelinghausen: Touristik vor Neustart?

dth Amelinghausen. Miteinander reden hilft: Gemeinsam könnte nun ein Neustart des Amelinghausener Eigenbetriebs „Tourismus, Marketing und Wirtschaftsförderung“ gelingen. Die Samtgemeinde Amelinghausen ist, neben der Hansestadt Lüneburg, die einzige Kommune im Landkreis, die sich einen Betrieb zur eigenen touristischen Vermarkung leistet. Doch bei den Heidjern steckte zuletzt offenbar der Wurm drin. Im Vorfeld hatte die Teamleiterin Sonja von Reden nun öffentlich das drohende Aus für die „Krone der Heide“ an die Wand gemalt, um möglichst viele Partnerbetriebe aus der Samtgemeinde zur Hauptversammlung zu locken. Die Rechnung ist aufgegangen. Zumal nun auch Amelinghausener Kommunalpolitiker die Forderung nach einer stärkeren finanziellen und personellen Ausstattung unterstützen.

Noch nie zuvor war die Veranstaltung so gut besucht, rund 60 Interessierte nahmen teil, und einige nutzten gleich die Gelegenheit, um ihrem Ärger Luft zu machen. Dabei wurde auch deutlich, warum einzelne Bettenbetriebe nicht mehr bereit sind, die Marketing-Umlage an den Eigenbetrieb zu zahlen.

Ein Kritikpunkt war die jüngste Einführung des neuen Buchungssystems bei der Online-Vermarktung. Das Problem sitzt aber offenbar in Lüneburg und nicht in Amelinghausen.

Ulrich von dem Bruch, Geschäftsführer der Lüneburger Heide GmbH, nahm die Amelinghausenerin Sonja von Reden aus der Schusslinie. Wegen „schlechter Buchungsperformance“ hatte die regionale Tourismusagentur beschlossen, zum 1. Juni die Pferde zu wechseln, das Online-Buchungssystem zu tauschen, „und zwar heideweit“, sagte von dem Bruch: „Als die Entscheidung fiel, hatte aber die Lüneburger Stadtmarketing gerade keinen Geschäftsführer.“

Die wolle nun im Herbst mit der Systemumstellung nachziehen. Solange müssten auch die Amelinghausener Bettenbetriebe, die auch über die Lüneburger Stadtmarketing vernetzt sind, sowohl das alte als auch das neue System parallel bespielen.

In seinem Impulsvortrag legte von dem Bruch den Amelinghausener Touristikern zudem nahe, sich auf eine neue Zielgruppe einzustellen, die alten typischen Heidetouristen würden in den kommenden zehn Jahren wegsterben.

Sonja von Reden, die erst im vergangenen Herbst die Teamleitung der Amelinghausener Tourist-Info übernommen hatte, hat bereits erste Schritte für eine Neuausrichtung unternommen, etwa den Herbstmarkt auf neue Füße gestellt, vor allem auf das Amelinghausener „Wir-Gefühl“ gesetzt. Nur beim Eigenbetrieb und den Partnern selbst hapert es noch damit. Zumal die Skepsis groß scheint.

Eine Vermieterin sagte etwa: „Wir können die neuen Gesichter in der Tourist-Info nicht mehr zählen. Erst knien sich die Neuen rein und im Herbst gibt es von der Rathausverwaltung wieder einen zwischen die Hörner.“ Von Reden zeigte sich aber der Rückendeckung von Betriebsleiter und Samtgemeindebürgermeister Helmut Völker sicher und verteidigte die Verwaltung vor Vorwürfen, sich nicht selbst der Versammlung gestellt zu haben. Und: „Ich bleibe mit Herzblut dabei.“

Von Reden warb bei den Gastbetrieben für ein gemeinsames Miteinander, betonte aber auch, dass eine Neuausrichtung mehr Geld, mehr Mitgliedsbeiträge bedeuten könne. Bei der Abstimmung hielten, wie bei der WDR-Fernsehsendung „Zimmer frei!“, die Teilnehmer zahlreiche grüne Karten hoch und keine roten.

Detlev Schulz-Hendel (Grüne), Vorsitzender des Eigenbetriebs-Ausschusses der Samtgemeinde, schlug vor, bei der Tourist-Info „zusätzlich eine Voll- und eine Teilzeitstelle zu schaffen und die Betriebsleiterstelle neu zu besetzen“. Die nächste öffentliche Sitzung des Ausschusses ist am 28. Juli.