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Für den Stadtjugendring mussten sie manchen Kraftakt stemmen, dabei stützten sie sich stets gegenseitig: Die scheidenden Vorsitzenden Jannis Gerling (vorne) und Björn Adam. Foto: t&w
Für den Stadtjugendring mussten sie manchen Kraftakt stemmen, dabei stützten sie sich stets gegenseitig: Die scheidenden Vorsitzenden Jannis Gerling (vorne) und Björn Adam. Foto: t&w

Die Zufallskämpfer – Mit Björn Adam und Jannis Gerling verliert der Stadtjugendring seine Doppelspitze

mm Lüneburg. Eigentlich sollte seine Aufgabe eine ganz andere sein: Jannis Gerling bewarb sich im Jahr 2011 beim Stadtjugendring als Büromitarbeiter — er landete im Vorstand. Das verdankt er vor allem einem Mann: Björn Adam, damals schon Vorsitzender, er führte mit Gerling das Vorstellungsgespräch. Auch Adams Berufung in den Vorstand, einige Monate zuvor, war eher dem Zufall überlassen. Was dann geschah, wie Adam und Gerling ihren Verband wachrüttelten und eine Erfolgsgeschichte schrieben, ist wohl einmalig. Jetzt treten beide ab — am Höhepunkt ihres Engagements angelangt. Für die LZ ziehen sie eine persönliche Bilanz.

Treffen im Straßencafé, die beiden Gesprächspartner eröffnen: Nicht weil sie es wollten, sondern weil sie müssen, verließen sie den Vorstand. Der eine, Björn Adam, soll nach zwei Amtsperioden nicht mehr antreten, so steht es in der Satzung, der andere, Jannis Gerling, baut im wahrsten Sinne an seiner Zukunft. Zusammen mit drei Weggefährten von den Pfadfindern, die sich nach der Schule durch Zivil- und Freiwilligendienste über Deutschland verteilt haben, zieht er zurück in seine Heimat Marburg, dort haben die jungen Erwachsenen ein altes Fachwerkhaus gekauft, in dem sie wohnen und das sie wieder herrichten wollen.

Angst, das Projekt könnte scheitern, hat Gerling, 24 Jahre alt, nicht. Denn wenn er und der etwas ältere Björn Adam (26) ihre jetzige Rolle im Vorstand des Stadtjugendrings mit einem Prädikat versehen sollten, trüge es dieses: „Große Verantwortung“, die sich manchmal auf über 50 ehrenamtliche Arbeitsstunden summiert — in einer Woche. Sie sind Studenten, wollen „die Stadtgesellschaft mitprägen“. Gerling ist am Ende des Bachelors Umweltwissenschaften, Adam im Master Wirtschaftsrecht, zudem Ratsherr der Grünen.
Sie arbeiten nicht nur zusammen, sie wohnen auch im gleichen Haus, jedoch in getrennten Wohnungen, in zwei WGs. Das Haus ist Anlaufstelle für Food-Sharer aus Lüneburg, Menschen, die unverdorbene Lebensmittel aus Müllcontainern einsammeln und dort im Regal lagern, an dem sich auch andere bedienen können.

Eine Art Sammelstelle ist auch der Stadtjugendring als Interessenvertretung der jungen Leute in Lüneburg, auch mit zwei Sitzen im Jugendbegleithilfeausschuss ausgerüstet. 50 Mitgliedsverbände zählt die Dachorganisation. Bei dieser beachtlichen Anzahl ist es nicht immer einfach, Interessen zu bündeln und gegenüber der Stadt zu vertreten.

Etwa im vergangen Jahr: Lange kreiste die Diskussion darum, inwieweit der Stadtjugendring eigentlich legitimiert ist, mit einer Stimme für seine Mitglieder zu sprechen. Adam und Gerling wollten es ganz genau wissen, sie telefonierten, sprachen mit jedem, stellten fest: Die Mitglieder hätten nicht die Zeit, sich wie der Stadtjugendring auf der politischen Bühne zu tummeln. Der Stadtjugendring ist umso präsenter, stellte im vergangenen Jahr die erste Jugendversammlung im Rathaus auf die Beine, zog das Bundesförderprogramm „Demokratie leben!“ an Land, bis 2019 gibt es jährlich 25000 Euro, in diesem Jahr sogar 30000 Euro. Langfristiges Ziel: Einen Jugendrat in der Stadt etablieren.

Und auch mit anderen Zahlen können die scheidenden Vorsitzenden beeindrucken, die Haushaltsmittel hätten sich unter ihrer Ägide „verzehnfacht“ — Geld, das jedoch nicht auf Abruf bereitsteht, sondern an Projekte gekoppelt ist.

Jetzt hoffen Adam und Gerling, dass jemand ihre erfolgreiche Vorstandsarbeit fortführt, „die Rahmenbedingungen sind so gut wie nie: Geld, Personal, ein neues Büro, alles ist da“. Dafür haben die beiden ihre Amtszeiten lang gekämpft, obgleich sie erst hingeführt werden mussten. Denn auch die Berufung von Björn Adam in den Vorstand war eher Zufall als ein geplantes Vorhaben: Seine Wahl wurde erst nach drei Mitgliederversammlungen abgeschlossen, vorher hatte sich kein geeigneter Kandidat gefunden, Adam wurde nach dem zweiten Anlauf angefragt.

Vielleicht passiert das jetzt wieder, immerhin: Es gebe schon Gespräche mit potenziellen Kandidaten. Und eventuell geht es dann zügiger und ein Nachfolger steht schon am Mittwoch, 8. Juli, fest. Dann ist die öffentliche Wahlmitgliederversammlung um 18.30 Uhr im DLRG-Vereinshaus, Friedrich-Ebert-Brücke 1, anberaumt. Schon vorher wird Sommerfest gefeiert: Der Stadtjugendring lädt ein zur Kanufahrt, Start ist um 16 Uhr, ebenfalls am Vereinshaus.