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Rechtsanwalt Christian Lange (l.) und sein Mandant Torben Janze stehen vor einer der ausgebrannten Hallen. Auch wenn das Verfahren eingestellt sei, glaube mancher, er sei der Täter, sagt Janze. Mit einer Belohnung hofft er, den wirklichen Täter ermitteln zu können. Foto: ca
Rechtsanwalt Christian Lange (l.) und sein Mandant Torben Janze stehen vor einer der ausgebrannten Hallen. Auch wenn das Verfahren eingestellt sei, glaube mancher, er sei der Täter, sagt Janze. Mit einer Belohnung hofft er, den wirklichen Täter ermitteln zu können. Foto: ca

Brandstiftung in Bütlingen: Verfahren eingestellt, aber der Verdacht bleibt

ca Bütlingen. Von der Veranda blicken Herbert und Torben Janze auf ihr Schicksal: abgebrannt. Zwei Ruß geschwärzte Ruinen erinnern Vater und Sohn an das Feuer in der Nacht zum 21. Januar dieses Jahres. Ein Brandstifter hat die Hallen mitten in Bütlingen angesteckt. Wochenlang galt Torben Janze als verdächtig. Die Polizei durchsuchte Haus und Büro. Anfang Mai teilte die Staatsanwaltschaft Lüneburg mit, dass sich der „Anfangsverdacht“ gegen Janze nicht bestätigt habe. Einen anderen Täter habe die Polizei nicht ermitteln können. Akte zu.

Für den 36-Jährigen und seinen Vater ist nichts zu Ende. Auch wenn es idyllisch wirkt auf der Veranda des Bauernhauses. Kaffee und Wasser auf dem Tisch, Schokokekse schmelzen in der Sonne, Vögel geben ein beschauliches Sommerkonzert. Sie haben mit ihrem Hamburger Anwalt Christian Lange zum Gespräch eingeladen. Die beiden Janzes blicken auf die Ruine. Der Senior sagt: „Ich habe mich völlig zurückgezogen. Mir reichen die Blicke, und dass man mir ausweicht.“ Immer wieder dreht der 71-Jährige Kringel in seinen mächtigen weißen Bart. Er wirkt hilflos und resigniert.

Seinem Sohn geht es kaum anders. Abwechselnd wippen die Beine im Stakkato, wenn er erzählt: „Meine Arbeit habe ich verloren.“ Er habe für eine große Firma als Vertreter im Außendienst Saatgut verkauft, doch auf manchem Hof habe er nach den Vorwürfen Hausverbot erhalten. „So ist der Vertrieb unmöglich.“ Schließlich hätten die Firma und er einen Aufhebungsvertrag geschlossen. Und auch den eigenen Hof mit 134 Hektar eigenem und gepachtetem Land könne er kaum bewirtschaften. Seine Verpächter würden überlegen, ob sie Verträge verlängern. Ihm fehlen Maschinen, um sich um Raps, Weizen, Mais und Grünland zu kümmern. Denn einiges an Gerät ist im Januar abgebrannt.

Die Versicherung zahle nicht, klagt Janze. Sein Anwalt Lange sagt, man habe Unterlagen eingereicht. Trotzdem hieße es, es würde dies und das fehlen. Für den Hamburger Strafrechtler ist die Sache hingegen klar: Sein Mandant sei unschuldig, die Staatsanwaltschaft habe das Verfahren eingestellt, die Assekuranz solle zahlen. Es dreht sich laut Janze um 600000 Euro für die Scheunen, 70000 fürs Inventar. Ohne das Geld könne es nicht vorangehen. Der Junior sagt: „Meine Existenz ist bedroht.“ Und eine der beiden abgebrannten Scheunen sei nicht einmal im Besitz der Familie gewesen: „Die haben wir gepachtet.“

Ende Januar hatte es aus Kreisen der Polizei geheißen, finanzielle Motive könnten das Motiv der Brandstiftung gewesen sein. Janze hatte damals sofort bestritten, das Feuer gelegt zu haben. Sechs Pferde seien verendet. Er habe noch versucht, die Tiere aus dem Stall zu holen. Vergeblich. Die Tiere seien nicht versichert gewesen. Senior Janze sagt jetzt: „Ich bin Pferdewirt, ich habe die Tiere zur Welt gebracht und aufgezogen. Ich habe sie verbrennen sehen.“ Er ringt mit der Fassung, blickt auf den Stall, knetet den Bart. Abgebrannt. Nicht nur der Stall, sondern ein Teil seines Lebens.

Der Junior fühlt sich genauso geschnitten wie der Senior. Das habe mit dem Feuer begonnen. Im Dorf sieht man das anders. Da erzählt man sich, dass Torben Janze kürzlich bei der Geburtstagsfeier eines Feuerwehrmannes dabeigewesen sei. Da sei er „ganz normal behandelt worden“. Es sei eher so, dass die Familie schon früher als eigenbrödlerisch galt. Einig ist sich mancher aber mit Vater und Sohn, dass es gut wäre, wenn der Brandstifter noch gefasst würde und dass die Scheunen neu aufgebaut würden. Denn der Schandfleck, der immer einen Schatten auf die Familie werfe, solle verschwinden.

Im Ort ist die Brandserie aus dem September 2013 unvergessen. Ein Jugendlicher wurde verurteilt, weil er wie berichtet unter anderem drei Häuser angezündet hatte. Aber immer wieder ist Gemunkel zu hören: „Der war das nicht alleine.“ Doch die Polizei geht weiter von einem Alleintäter aus.

Janzes und ihr Anwalt Lange empfinden die Arbeit der Polizei zumindest in ihrem Fall als „schlampig“, viel zu früh hätten sich die Ermittler der Kriminalpolizei auf Torben Janze festgelegt, andere Spuren nicht ausreichend verfolgt. So seien in der Tatnacht zwei Jugendliche in der Nähe das Brandortes gesehen worden. Auch ein Auto habe angehalten, jemand aus dem Wagen habe auf das Anwesen gedeutet. Und wie gesagt, der Brandstifter der ersten Serie könne ja Komplizen gehabt haben. Deshalb haben Janzes und Freunde zusammengelegt: 7500 Euro sollen helfen, den wahren Täter zu ermitteln und vor Gericht zu bringen.

Die Polizei nimmt keine Stellung. Die Staatsanwaltschaft erklärt: Es habe Verdachtsmomente gegeben. Die habe man aber nicht ausreichend belegen können. Daher sei das Verfahren eingestellt worden. Anderen Hinweisen seien die Ermittler nachgegangen: „Aber es hat sich kein konkreter Anfangsverdacht ergeben.“

So eine Bilanz überzeugt nicht jeden. „Es bleibt doch immer etwas hängen“, sagt Torben Janze mit dumpfer Stimme, auch wenn die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen ihn eingestellt habe. Und dann die Sorge um Betrieb und Wiederaufbau der Scheunen: „Es geht um unsere Existenz.“ Sein Vater nickt und sagt: „Jeden Morgen gucke ich auf die Ruinen. Die Erinnerung geht nicht weg.“ Es klingt, als empfinde er den Blick auf verkohlte Mauern und Balken wie ein Symbol für die seelische Lage der Familie. Abgebrannt.

Wer Hinweise geben möchte, wendet sich an die Hamburger Kanzlei von Christian Lange: Tel.(040)52906661188.