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Stefan, der seinen Nachnamen unwichtig findet, steigt beim Strandkorb-Taxi in die Pedale. Laura Gehrke und Martin Dittrich gefällts. Das Paar informiert sich auf der Messe über die Angebote verschiedener Firmen. Foto: t&w
Stefan, der seinen Nachnamen unwichtig findet, steigt beim Strandkorb-Taxi in die Pedale. Laura Gehrke und Martin Dittrich gefällts. Das Paar informiert sich auf der Messe über die Angebote verschiedener Firmen. Foto: t&w

Messe für die Umwelt – Mit Witz und Technik Ressourcen schonen und neue Wege gehen

ca Lüneburg. Die erste Überraschung steht am Eingang: ein Porsche. Umweltmesse, da denkt man — vorurteilsbeladen — eher an Jutetaschen und Körnermüsli. Doch das war gestern. Der Porsche und andere Fahrzeuge werden mit Batterien betrieben, ganz modern. „Wir müssen die Elektromobilität verbessern, das Stationsnetz zum Aufladen der Batterien muss enger werden“, sagt Joachim Hackradt. Er ist 1. Vorsitzender des Vereins Technik Umwelt Natur, kurz TUN. Und genau darum geht es ihm, ums Tun. „Das war 1984, als sich der Verein gründete und die erste Messe veranstaltete, schon der Grundgedanke: Nicht nur reden, sondern handeln“, sagt der Ingenieur. Und daher veranstaltet der Verein zum 20. Mal die Messe, die jetzt Lütopia heißt.

Allerdings hatten die 45 Aussteller mit der Hitze zu kämpfen. „Das Wetter drückt die Besucherzahl“, bedauerte Hackradt. Doch wer kam, konnte eine Menge erfahren. Etwa zum Thema Bauen und Energie. Wie kann ich mein Haus dämmen? Welche Heizsysteme machen Sinn? Wie nutze ich dabei etwa die Sonne? Ein anderer Bereich war die Ernährung. Welche Alternativen haben Verbraucher in Zeiten von Massentierhaltung und Gentechnologie? Wie können Interessierte in der Stadt gärtnern?

Die Fragen stellen Politik und Gesellschaft vor Herausforderungen. So gab es neben Informationsständen von Firmen und Organisationen auch ein Diskussionsprogramm. Am Freitagabend war zur Eröffnung etwa der Umweltchemiker Michael Braungart zu hören.

Dessen Gedanken beeindruckten auch Hackradt. Ein Grundansatz ist das englische „Cradle to Cradle“, übersetzt etwa von Wiege zu Wiege. Vereinfacht gesagt bedeutet es, schon bei der Produktion vom Fernseher bis zum Handy sollte bedacht werden, wie die Inhaltsstoffe wieder zu verwenden sind, sodass quasi ein Kreislauf der Rohstoffe möglich ist.

Auf der Messe stellte sich eine Spielart dieser Idee vor: das Repair-Café. Das gibt es nicht nur regelmäßig im Lüneburger Lokal Mondbasis im Wasserviertel, sondern auch in Scharnebeck, Reppenstedt und Adendorf. Manfred Nitschke und Timm Born warben dafür. Sie wollen, dass ein Wasserkocher mit verschmutzten Kontakten nicht auf dem Müll landet, sondern instand gesetzt wird. Die Idee transportieren sie bei Kaffee und Kuchen. „Im Gespräch gibt es einen Erfahrungsaustausch“, sagt Nitschke. Und dabei werden eben auch Alternativen zur Wegwerfgesellschaft entwickelt.

Eine asiatisch anmutende Stadtrundfahrt bietet Trimo-Tours an: Mit einem Fahrrad-Taxi können sich Interessierte von Marco Janssen und seinen Kollegen durch die Stadt strampeln lassen. Besonders gefragt sei das Angebot aktuell bei Hochzeitspaaren.

Unter den Gästen war auch Bürgermeister Andreas Meihsies. Als Politiker der Grünen war es ihm eine Herzensangelegenheit, die Messe zu eröffnen. Im Gespräch mit der LZ sagte er: „30 Jahre Umweltmesse verdienen Respekt für das ehrenamtliche Engagement.“

Darüber hinaus gehen von der Umweltbewegung und ihren Mitstreitern Impulse aus. Meihsies nennt Beispiele: Die Stadt und der Rat treibt die Frage um, wo Lüneburg wachsen könne angesichts des Landschafts- und Naturverbrauchs. Ein weiteres Thema sei der Umgang mit wachsendem motorisiertem Verkehr. So gelte es beispielsweise, das Angebot für Radler noch attraktiver zu gestalten und den Busverkehr in den Abendstunden in die Randgemeinden zu verbessern. Doch bei allem Ideenreichtum müsse auch die Finanzierung bedacht werden: „Wir diskutieren das vor dem Problem leerer Stadtkassen.“