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Vier Vorrangflächen im Landkreis hat der Rotmilan bereits verhindert. Jetzt rückt er auch den Bardowicker Windparkplanern auf die Pelle. Foto: nh
Vier Vorrangflächen im Landkreis hat der Rotmilan bereits verhindert. Jetzt rückt er auch den Bardowicker Windparkplanern auf die Pelle. Foto: nh

Samtgemeinde Bardowick: Einer flog übers Plangebiet

dth Bardowick. Die Investoren des Bardowicker Bürgerwindparks müssen um Vorrangflächen bangen. Der streng geschützte Rotmilan könnte die Pläne empfindlich stören. Ein Investor der Projektentwicklungsgesellschaft ist die Samtgemeinde selbst. Sie treibt nun, parallel zum Bebauungsplan des Fleckens Bardowick, die Änderung des Flächennutzungsplans (F-Plan) voran. Die dabei zutage geförderten Untersuchungsergebnisse dürften den Verantwortlichen aber nicht schmecken. Bei der Kartierung der Vogelwelt sind bereits mehr Rotmilan-Paare entdeckt worden, als erwartet. „Zwei Nester haben wir bereits gefunden“, sagte Helmut Meier, Umweltfachmann vom Bardowicker Bauamt bei der Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses des Samtgemeinderats am Montagabend im Rathaus.

Die Samtgemeinde spielt in Sachen Bürgerwindpark eine Doppelrolle. Bei der Änderung des F-Plans geht es darum, die Ansiedlung von Windkraftanlagen zu steuern. Mit der Änderung des F-Plans wollen die Bardowicker eine weitere Absicherung einbauen, sollte das Regionale Raumordnungsprogramm (RROP) des Landkreises, in dem sämtliche Vorrangflächen für Windenergie im Kreis festgelegt sind, vor Gericht scheitern. „Wenn wir das nicht machen, haben wir nachher Wildwest“, sagt Carsten Peters (CDU), Vorsitzender des Planungsausschusses. Dann dürften überall Windräder gebaut werden.

Beim RROP wird mit den Vorrangflächen lediglich die Ansiedlung sogenannter „raumbedeutsamer“ Anlagen gesteuert, also Anlagen, die in der Regel 100 Meter und höher sind. Der Bardowicker F-Plan wird noch konkreter und soll auch Flächen für Anlagen zwischen 25 und 100 Metern regulieren. Bei der Flächenauswahl orientieren sich die Bardowicker Planer an den Tabukriterien des Landkreises. Aber anders als beim Kreis fallen in der Samtgemeinde auch Flächen, die kleiner sind als 30 Hektar, in die Betrachtung. Es könnten also kleinere Teilflächen für kleinere Anlagen hinzukommen.

Das Lüneburger Planungsbüro Stöhr stellte jetzt die ersten Voruntersuchungen vor. Dabei wurden auch zehn Flächenbereiche für „nicht raumbedeutsame“ Windkraftanlagen genauer geprüft. Im Rennen für kleinere Windräder ist in Einheit eine zirka 3,02 und 1,48 Hektar große Fläche im Nordwesten der Samtgemeinde zwischen Rottorf und Bardowicker Bruch. Zudem könnte eine Fläche für nicht raumbedeutsame Anlagen nordöstlich von Bardowick und westlich von Brietlingen beim Gelände des kommunalen Entsorgers GfA ausgewiesen werden. Nach der ersten Einschätzung kämen allerdings die restlichen acht Flächenbereiche nicht als Standort infrage, etwa wegen der Nähe zu Seeadlerhorsten, Nahrungsgründen für Schwarzstörche oder Lebenshabitat des Wanderfalkens. Doch auch bei der vom Landkreis ausgewiesenen Vorrangfläche von 134 Hektar sei im nordwestlichen Teil mit Einschränkungen zu rechnen, sagte Planer Wolfgang Stöhr.

Helmut Meier wurde konkreter. Insgesamt sieben oder acht Rotmilan-Paare sind ihm zufolge gesichtet worden. „Ich gehe davon aus, dass die Vögel bei uns flächendeckend vorkommen.“ Entscheidend ist aber, wo die standorttreuen Greifvögel ihren Brutstandort haben. Zwei Nester seien schon belegt. Meier: „Wir sind auf der Suche nach dem dritten.“

Die Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten empfiehlt, 1500 Meter Abstand zwischen Windrädern und Rotmilanhorsten einzuhalten. Bereits bei den Untersuchungen auf Kreisebene hatten Rotmilan-Vorkommen mehrere Vorrangflächen zu Fall gebracht. Ausschuss-Vorsitzender Peters warnte bei die Sitzung Hobby-Ornithologen davor, im Plangebiet auf die Suche zu gehen: „Es wäre ärgerlich, wenn Bürger loslaufen, um etwas zu finden und dann Brutgebiete stören.“

Der Ausschuss billigte den Vorentwurf des geänderten F-Plans einstimmig. Die Unterlagen sollen mit verlängerter Frist öffentlich zur Stellungnahme ausgelegt werden.

Mäusejäger vereitelt Windparks
Er ist auch unter dem Namen „Gabelweihe“ bekannt, wegen seines gegabelten Schwanzes: Der streng geschützte, zirka 65 Zentimeter große Rotmilan, zieht seine Jungen in hohen Bäumen auf und geht an umliegenden Feldern, Wiesen und Gewässern auf die Jagd, beispielsweise nach Mäusen. Als Beute kommen zudem Vögel, Fische und Reptilien in Betracht. Der Rotmilan ist aber auch ein Aas-Fresser. Das ist ein Grund, weshalb ein großer Abstand von Windkraftanlagen zu den Brutstandorten geboten ist: Der Greifvogel könnte von anderen durch Windräder getötete Vögel angelockt werden und gilt daher selbst als potenzielles Schlagopfer. So haben Rotmilan-Vorkommen schon manches Windpark-Projekt vereitelt.

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