Aktuell
Home | Lokales | Grünflächen- und Forstausschuss startet jährliche Rundreise durch die Kleingartenkolonien + + + Mit LZplay-Video
Heinrich Knust (r.) freut sich über die unangekündigten Gäste. Seit fünfzehn Jahren bewirtschaftet er seine Parzelle in der Kolonie Am Pferdeteich. Deshalb kann der 71-Jährige manchen Experten-Tipp geben. Foto: t&w
Heinrich Knust (r.) freut sich über die unangekündigten Gäste. Seit fünfzehn Jahren bewirtschaftet er seine Parzelle in der Kolonie Am Pferdeteich. Deshalb kann der 71-Jährige manchen Experten-Tipp geben. Foto: t&w

Grünflächen- und Forstausschuss startet jährliche Rundreise durch die Kleingartenkolonien + + + Mit LZplay-Video

ahe Lüneburg. Heinrich Knust ist ein Kleingärtner wie er im Buche steht. Mit kurzer Sporthose, Sandalen und freiem Oberkörper steht er zwischen Johannisbeeren, Löwenmaul und Zucchini. Um seinen braungebrannten Hals eine Goldkette, unter seinen schlohweißen Haaren ein breites, freundliches Lächeln. Der 71-Jährige hat unerwartet Besuch bekommen. Eine ganze Horde ist bei ihm eingefallen, schaut sich um, was da auf seinem kleinen Stückchen Land in der Kolonie Am Pferdeteich alles wächst und will wissen, was gegen Wühlmäuse hilft. Bereitwillig gibt der Rentner Auskunft. Es ist der Grünflächen- und Forstausschuss des Rates, der auf seiner jährlichen Rundreise durch die Lüneburger Kolonien bei ihm Halt gemacht und den Weg durchs Gartentor genommen hat.

17 Kolonien an vier Tagen stehen auf dem Tourneeplan der Politiker und Verwaltungsmitarbeiter. Nach dem Auftakt auf der Anlage des Vereins Auf den Sandbergen an der Dahlenburger Landstraße ist die wenige Meter weiter an der Bleckeder Landstraße gelegene Kolonie Am Pferdeteich die zweite Station. Der Ausschuss will sich ein Bild davon verschaffen, wie es um die „grünen Oasen“ Lüneburgs bestellt ist, die es zusammen auf stolze 112 Hektar Fläche bringen. Das hat Tradition, seit 1956 gibt es die jährliche Rundreise, an deren Ende eine Bewertung und schließlich — im Herbst — eine Prämierung steht.

Diesmal will sich das Gremium ganz auf den Kern der Kolonien konzentrieren, ihre „kleingärtnerische Nutzung“ in Augenschein nehmen. Joachim Roemer, Vorsitzender des Kleingärtner-Bezirksverbandes, dem die Vereine angehören, erklärt: „Dabei geht es weniger um den einzelnen Garten als vielmehr um die Gesamtheit der jeweiligen Anlage.“ Wie gepflegt die Gärten in der Gesamtheit sind, spielt dabei aber schon eine Rolle. „Dabei müssen wir akzeptieren, dass die Verhältnisse unterschiedlich sind, schon aufgrund des unterschiedlichen Alters der Pächter, ihrer unterschiedlichen Lebensumstände und des unterschiedlichen Wissensstandes. Wir können zum Beispiel jemanden, dessen Garten mal etwas ungepflegt aussieht, nicht gleich rausschmeißen. Möglicherweise gibt es ja gesundheitliche Gründe dafür. Aber das ist auch eine Aufgabe des Vorstandes, darauf zu achten, dass die Faulen nicht mit denen gleichgestellt werden, die nicht können.“ Ihm pflichtet Renate Thielbörger, stellvertretende Ausschussvorsitzende, bei: „Zu erwarten, dass immer alles tipptopp ist, wäre lebensfremd.“ Roemer verdeutlicht auch: „Die kleingärtnerische Nutzung ist vielfältiger geworden. Hier die Bohnen und der Kohl, da die Stiefmütterchen, diese klare Trennung gibt es nicht mehr überall. Heute steht der Mangold auch mal im Blumenbeet.“

Roemer und seine Mitstreiter liefern auch beeindruckende Zahlen: Mehr als 57000 Euro haben die Vereine in diesem Jahr schon auf ihren Anlagen in Gemeinschaftseinrichtungen investiert und mehr als 11600 Stunden Arbeitszeit geopfert. Von den 2130 Gärten stünden aktuell nur etwa 82 frei. Und die 14 Spielplätze stehen auch Nachbarn aus den Wohngebieten zur Verfügung.

Zurück zu Heinrich Knust. In seinem Garten gibt es für den Ausschuss nichts auszusetzen. Von Stachelbeeren über Ginsterbüsche bis zur Fetten Henne — es fehlt an nichts. Über eine Auroria hat er ein Netz gespannt — als Schutz vor den Vögeln. „Die Pflanze kommt aus Polen. Die Früchte schmecken etwas säuerlich, ein bisschen wie schwarze Johannisbeere. Hilft gegen Herzinfarkt.“ Auf der anderen Seite des Weges hat er schon geernet. „Erdbeeren. Die hatte ich dieses Jahr reichlich“, erzählt der ehemalige Friedhofsgärtner. „Ich habe meinem Nachbarn — der kommt aus dem Libanon — 50 Stauden gegeben.“ Die Besucher staunen über seine Kornblumen. „Wie die hergekommen sind, weiß ich gar nicht so genau“, sagt Knust. Eine Ausnahme, denn sonst kennt er sich bestens aus. Was ihm am liebsten sei in seinem Garten? Der Rentner lacht: „Meine Kanarienvögel, ich habe 13 Stück hinten bei meiner Laube.“ Und für FDP-Ratsfrau Birte Schellmann, die wissen will, was denn gegen Wühlmäuse helfe, hat er am Ende noch einen Tipp parat: „Gartengloxinien, ja, vielleicht ein bisschen. Letztlich ist eine Katze aber das einzige wirksame Mittel.“

VIDEO