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Mit einem ähnlichen Metalldetektor hat ein Hobby-Archäologe in Lüneburg das NS-Gold gefunden. Foto: A/t&w
Mit einem ähnlichen Metalldetektor hat ein Hobby-Archäologe in Lüneburg das NS-Gold gefunden. Foto: A/t&w

Rätselhafter Schatzfund

kre Lüneburg. Es ist der wohl wertvollste Fund, der je in Lüneburg entdeckt wurde: 217 Goldmünzen hat ein Sondengänger mit seinem Detektor aufgespürt. Ein Schatz, offenbar verbuddelt in den Wirren der letzten Kriegstage 1945, verpackt in zwei versiegelten Beuteln, gesichert mit Plomben der Berliner Reichsbank mit Reichsadler und Hakenkreuz.
Den Fundort verschweigen die Denkmalschutzbehörden: Aus Sorge, dass illegale Schatzjäger das Areal heimsuchen. Bei den Münzen handelt es sich zu einem Großteil um französische und belgische Goldmünzen — möglicherweise deutsche Kriegsbeute. Alleine der aktuelle Goldwert der Münzen dürfte bei über 150000 Euro liegen.

Doch von wem wurde er vor mehr als 70 Jahren vergraben? Und wer hatte überhaupt Zugriff auf das Reichsbankgold? Und die Macht und die Gelegenheit, sich das Gold anzueignen? Heinrich Himmler — einer der Hauptverantwortlichen für den Holocaust, für die Ermordung von Millionen in Konzentrationslagern — kommt wohl nicht in Frage: Die Flucht des Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei endete zwar in Lüneburg, wo er sich durch Selbstmord der Verantwortung entzog. Doch in britische Gefangenschaft war er bereits an der Elbe geraten. Er hatte also keine Chance, sein Fluchtgeld vorher noch in Sicherheit zu bringen.

Anders als der NSDAP-Gauleiter Otto Telschow. Als Statthalter der Nazis und mächtigster Mann in Lüneburg hätte er wohl die Möglichkeit gehabt, sich des Goldes zu bedienen, um sein Leben nach Kriegsende abzusichern. Als die britische Armee 1945 in Lüneburg einmarschierte, versteckte Telschow sich als Holzarbeiter in einer Hütte bei Sommerbeck. Als ihn dort britische Soldaten gefangennahmen, unternahm er einen Suizidversuch und starb kurz darauf. Nahm er also sein Geheimnis über den NS-Goldschatz mit ins Grab?
Oder ist alles doch ganz anders gewesen? Möglicherweise hatte sich auch ein Besatzungs-Soldat nach Kriegsende an den Gold-Beständen im Tresor der Lüneburger Reichsbank-Filiale bedient. Für diese Theorie spricht, dass die Beutel noch original verplombt aufgefunden wurden.

Fragen über Fragen — die die Archäologen am Dienstag während einer Pressekonferenz zumindest in Teilen beantworten wollen. Dann soll nicht nur der Goldschatz der Öffentlichkeit präsentiert, sondern auch erläutert werden, wie die niedersächsische Denkmalpflege mit solchen Zufallsfunden von landesgeschichtlicher Bedeutung umgeht.

Im Fall des rätselhaften Schatzfundes greift das sogenannte Schatzregal — das heißt: Herrenlose, bis zum Zeitpunkt des Fundes verborgene Schätze werden mit ihrem Auffinden Eigentum des Staates, ohne dass dazu ein weiterer Übertragungsakt notwendig ist. Trotzdem dürfte auch der Hobby-Archäologe zufrieden sein, der die Münzen mit Hilfe seines Detektors gefunden hatte. Denn auch er geht nicht leer aus, hat einen ,,Finderlohn“ erhalten.

3 Kommentare

  1. Wenn es überwiegend 20 Francs Münzen aus der lateinischen Münzunion waren, ist der Wert deutlich niedriger…

    • Wenn der Goldwert, wie im Artikel beschrieben bei 150000 Euro liegt, dann dürfte es wohl egal sein was es für Münzen sind, den aktuellen Goldpreis sind sie immer wert.

    • Vielleicht die Verkaufspreise bei einem großen Münzversender als Materialwert genommen…