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Für Rolf Stucke, Annika Stein, Svenja Eisel, Sabine Pluskat (v.l.) und ihre Vierbeiner sind die Tage auf dem Gelände des Hundekindergartens im Indus-triegebiet Hafen gezählt. Foto: t&w
Für Rolf Stucke, Annika Stein, Svenja Eisel, Sabine Pluskat (v.l.) und ihre Vierbeiner sind die Tage auf dem Gelände des Hundekindergartens im Indus-triegebiet Hafen gezählt. Foto: t&w

Aus für Bellos Paradies

us Lüneburg. Das Paradies liegt etwas abseits, dem Besucher eröffnet es sich erst nach Passieren zweier etwas klobiger Holzpforten. Dann aber geht der Blick ins Weite, kleinere Pfade wechseln sich mit Rasen- und Blumenflächen ab, die wiederum von Busch- und Baumgruppen unterbrochen sind. 35000 Quadratmeter umfasst das Areal, das sich schlicht „Hundekindergarten“ nennt, in Wirklichkeit aber ein riesiger Auslaufpark für die Vierbeiner ist. Seit vier Jahren gibt es ihn in Lüneburg, doch seine Tage sind gezählt.

„Am 30. September ist definitiv Schluss“, sagt Rolf Stucke. „Der bisherige Eigentümer hat das Gelände verkauft, der neue will es gewerblich nutzen.“ Seit 2011 ist Stucke als „Dog-Walker“, wie er sich selbst bezeichnet, auf dem Gelände, dort betreut er tagsüber anderer Leute Hunde. Morgens holt er sie per Transporter von zu Hause ab, mittags oder auch am Abend bringt er sie wieder zurück. Die Geschäftsidee, die er „mobile Hundebetreuung“ nennt, floriert. Auf einen Kundenstamm von 250 Hundehaltern bringen er und seine drei Mitstreiterinnen es inzwischen, die wie er die professionelle Hundebetreuung selbstständig betreiben. Rund 1500 Hunde werden von den vier Dog-Walkern pro Monat betreut, hinzu kommt noch einmal etwa die gleiche Anzahl von Besuchern, die mit ihren Tieren das Gelände an der Zeppelinstraße aufsuchen.

Viele Jahre lag die Fläche ungenutzt brach zwischen Gewerbe- und Produktionshallen der Betriebe an der Zeppelinstraße im Lüneburger Industriegebiet. Die Carlsen-Brauerei, bis vor kurzem noch Eigentümerin, hatte das Grundstück im Zuge der Übernahme von der Holsten-Brauerei, diese wiederum von der Lüneburger Kronen Brauerei erworben. Neuer Eigentümer ist das Lüneburger Speditions- und Logistikunternehmen Hiller.

Rund 10000 Euro hat Dog-Walker Stucke in den Hundekindergarten investiert, hat Unterkünfte errichtet, das Gelände aufbereitet und Zäune gesetzt. Zwar hat er das Grundstück angemietet, die Hunde-Kita aber betreibt er nicht allein. Auch Annika Stein („Walk your Dog“), Svenja Eisel („Lüneburger Hunderunde“) und Sabine Pluskat („Leinenlos“) nutzen das Areal, die laufenden Kosten werden gemeinschaftlich geteilt. Dass die vier Hunde-Sitter nicht dauerhaft bleiben konnten, sei ihnen bewusst gewesen, „nun kommt es aber doch etwas plötzlich“, sagt Stucke.

Auch Wiebke Linke bedauert das nahe Ende des Idylls. Sie ist gerade von Wolfsburg nach Lüneburg umgesiedelt und war froh, für ihren Saarloos Wolfhund eine Betreuung gefunden zu haben. „Ich habe hier eine neue Arbeitsstelle und kann ihn tagsüber nicht allein lassen.“ Auch Ria Prey aus Vögelsen schwärmt von der Anlage: „Hier kann man seinen Hund frei laufen lassen, ohne Angst haben zu müssen.“

Wie es jetzt weitergehen soll, wissen die vier Dog-Walker noch nicht. Zwar habe es ein paar Angebote gegeben, doch die waren mit rund 5000 Quadratmetern deutlich zu klein. „Wir brauchen ja nicht unbedingt wieder 3,5 Hektar, aber zwei sollten es mindestens sein.“ Und: Nur ein Grundstück in Lüneburg oder im nahen Umfeld komme in Frage, „sonst sind die Anfahrten zu lang“. Dass es obendrein nicht viel kosten darf, macht die Suche vermutlich auch nicht leichter.

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