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Gerstenernte auf einem Feld bei Kirchgellersen. Seit einigen Tagen rollen die Mähdrescher wieder, nun hoffen die Landwirte auf trockenes und beständiges Erntewetter. Foto: t&w
Gerstenernte auf einem Feld bei Kirchgellersen. Seit einigen Tagen rollen die Mähdrescher wieder, nun hoffen die Landwirte auf trockenes und beständiges Erntewetter. Foto: t&w

Giganten im Kornfeld – Getreideernte im Kreis angelaufen

off Kirchgellersen. Die ersten Mähdrescher des Jahres rollen. Ende vergangener Woche hat in vielen Teilen des Landkreises Lüneburg die Getreideernte begonnen — mit durchschnittlichen Ertragserwartungen. „Die Trockenheit in den vergangenen Wochen hat den Beständen zugesetzt, Rekorderträge sind kaum zu erwarten“, sagt Maschinenring-Mitarbeiter Marko Niederhoff. Dafür hat die Hitzewelle der vergangenen Woche die Getreidepreise in die Höhe schnellen lassen und am Donnerstag an der Terminbörse in Paris (Matif) beim Weizen für einen vorläufigen Preisrekord gesorgt.

Für Jens Hottendorff, Geschäftsführer von Rudolf Peters Landhandel, gehört die Beobachtung der Getreidepreise seit 25 Jahren zum Alltag. „In dieser Zeit schwankte der Weizenpreis zwischen 80 und rund 300 Euro pro Tonne“, sagt er. Wer das Preishoch von 206 Euro der letzten Woche genutzt und einen Teil seiner Ernte bereits verkauft hat, „war also gut beraten“, sagt Hottendorff. „Inzwischen ist der Kurs schon wieder um rund zehn Euro gefallen.“

Im Rückblick ist allerdings auch die aktuelle Börsennotierung von knapp 198 Euro pro Tonne Weizen verhältnismäßig gut, im Mai lag der Kurs nur bei 172 Euro. Der Grund: die Erwartungen der Experten. „Im Frühjahr ist man von einer überdurchschnittlichen Ernte ausgegangen“, sagt Hottendorff. Das heißt viel Angebot — und verhaltene Preise. „Dann sorgte Frost in Kanada für Einbußen beim Raps, Regen in den USA verzögerte die Ernte und in Europa machte die anhaltende Trockenheit Probleme.“ Die Ernteerwartungen wurden nach unten korrigiert, der Kurs zog an. „Die Hitzewelle war dann das letzte i-Tüpfelchen.“ Und der Grund für den jüngsten Rekordwert.

Im Blick behalten müssen die Landwirte derzeit allerdings nicht nur die Preise, „entscheidend ist zum jetzigen Zeitpunkt vor allem, dass die Ernte gut reinkommt“, sagt Niederhoff. Dafür brauchen die Bauern reifes Getreide, trockenes Wetter, Trecker mit Anhängern — und den Mähdrescher. Einen eigenen besitzen allerdings nur wenige Landwirte, „viele lassen von einem Kollegen oder einem Lohnunternehmen dreschen“, sagt Niederhoff. Er kümmert sich beim Maschinenring um die Vermittlung. „Das heißt, wenn ein Landwirt anruft und morgen um 14 Uhr einen Mähdrescher braucht, versuchen wir ihm einen zu organisieren.“

Im Einsatz sind die Maschinen aktuell auf den Gerstenfeldern. Danach folgen Raps und die anderen Getreidearten wie Roggen und Weizen. „Mitte oder Ende August beginnt die Kartoffelernte, im September ist der Mais dran, bis Ende des Jahres läuft dann in der Regel noch die Zuckerrübenernte“, sagt Niederhoff. Das heißt für ihn und die Landwirte: voller Ernteeinsatz. Und für alle Verkehrsteilnehmer: Vorsicht Erntemaschinen.

Vorsicht im Straßenverkehr

  • Mit Beginn der Ernte sind wieder ausladende Erntemaschinen und voll bepackte Transporter auf den Straßen unterwegs. Die Fachleute der Landwirtschaftskammer Niedersachsen bitten alle Verkehrsteilnehmer um Vorsicht. Damit Autofahrer die Begegnung mit landwirtschaftlichen Großmaschinen richtig einschätzen können, gibt die Kammer folgende Tipps:
  • Unterschätzen Sie beim Überholen die Geschwindigkeit landwirtschaftlicher Maschinen nicht. Traktoren mit Anhängern erreichen Fahrgeschwindigkeiten von 40 Stundenkilometer und mehr. Außerdem sind landwirtschaftliche Fahrzeuge außergewöhnlich groß. Sie sind bis zu drei Meter breit (mit blinkendem gelben Rundumlicht sogar breiter) und durchaus 20 Meter lang.
  • Abstand halten! Moderne landwirtschaftliche Fahrzeuge verfügen über sehr gute Bremsen. Im Falle einer Vollbremsung ist der Bremsweg auch bei voll beladenen Anhängern erstaunlich kurz.
  • Rot-weiße Warntafeln sind ein Hinweis auf relativ breite Fahrzeuge oder Arbeitsgeräte. Bedenken Sie: Nicht nur Ihre, sondern auch die Sicht des Traktorfahrers nach hinten ist eingeschränkt.
  • Besondere Obacht ist geboten, wenn landwirtschaftliche Züge und Großmaschinen Straßen überqueren oder abbiegen wollen. In beiden Fällen fahren die Maschinen sehr langsam. Die Absicht abzubiegen, ist nicht immer eindeutig zu erkennen, da Beleuchtungseinrichtungen durch Staub verschmutzt sein können.
  • Arbeitsgeräte, die am Traktorenheck angebaut sind, schwenken beim Abbiegen entgegen der Abbiegerichtung aus. Dadurch verengt sich die Fahrbahn. Mähdrescher oder Häcksler werden oft über die Hinterachse gelenkt, was ihr Heck beim Abbiegen ebenfalls ausscheren lässt.
  • Warndreiecke am Straßenrand können auf abgestellte landwirtschaftliche Fahrzeuge oder verschmutzte Fahrbahnen hinweisen. Vorsicht ist geboten.