Donnerstag , 8. Dezember 2016
Aktuell
Home | Lokales | Mathe im Kurpark: Schüler haben den Bogen raus
Mathe-Unterricht unter freiem Himmel: Lehrer Marcus Salow (r.) schaut Mattis, Esther und Emma über die Schulter. Hartmut Otter (l.) hat die Ideen der Schüler dann als Wasserspiel realisiert. Foto: t&w
Mathe-Unterricht unter freiem Himmel: Lehrer Marcus Salow (r.) schaut Mattis, Esther und Emma über die Schulter. Hartmut Otter (l.) hat die Ideen der Schüler dann als Wasserspiel realisiert. Foto: t&w

Mathe im Kurpark: Schüler haben den Bogen raus

ahe Lüneburg. Die Mathematik gilt gemeinhin als trockene Wissenschaft. Viele aktuelle und ehemalige Schüler hatten und haben so ihre Schwierigkeiten damit, nachvollziehen zu können, was sie im späteren Leben mal mit dem Wissen über Pythagoras oder mit der Fähigkeit zur Kurvendiskussion anfangen sollen. Doch ein guter Mathe-Lehrer findet Wege, den vermeintlich trockenen Stoff alltagstauglich zu vermitteln. So wie Marcus Salow. Der Pädagoge hat eine Unterrichtseinheit mit der Klasse 8b der Wilhelm-Raabe-Schule in den Kurpark verlegt. Die Schüler haben anhand des Springbrunnens Parabeln berechnet und am Ende einen eigenen Programmablauf für das Wasserspiel entworfen.

Die große Begeisterung bei seinen Schützlingen blieb zunächst allerdings aus. Denn eigentlich hätten sie frei gehabt wegen der Abiturprüfungen an ihrer Schule, als ihr Lehrer sie zum Unterricht in den Kurpark bat. „Darum fanden wir das zuerst auch bescheuert“, gibt Emma zu. „Und dann sind wir ja auch noch ziemlich nass geworden.“ Denn die Schüler haben die Wasserbögen, die aus den acht Düsen gepumpt werden, auch zu vermessen versucht, haben die verschiedenen Höhen bestimmt.

Während die einen Fotos machten, um sich später mit anhand eines Computerprogramms entworfener Parabeln den gemachten Bildern so gut wie möglich anzunähern, haben die anderen Stifte und Hefte hervorgekramt und die Parabeln ganz klassisch berechnet. „Es gibt beim Wasserstrahl vier verschiedene Höhen. Wir haben das als Graphen in ein Koordinatensystem eingetragen und dann einen eigenen Rhythmus erstellt“, berichtet Esther.

Doch der erste Versuch war nicht ganz praxistauglich. Zu viele längere Pausen, technisch zu aufwändig, um es umzusetzen. Doch der überarbeitete Ablauf ist nun Realität geworden. Dass das Ergebnis der Mathe-Einheit nun für alle Parkbesucher am Brunnen sichtbar wird, ist Hartmut Otter zu verdanken. Der Elektrotechnik-Meister von der Lüneburger Firma Wolfgang Krajewski GmbH hat es möglich gemacht, nach Absprache mit der Stadt das Programm dazu aufgespielt. „Die Schüler wollten mehr Variationen und schnellere Wechsel als beim regulären Programm“, erzählt er. Deshalb sei die Raabe-Schul-Variante auch nur zwischen 9.30 und 20 Uhr zu erleben. Morgens von 8.30 bis 9.30 und abends von 20 bis 21.30 Uhr laufe das reguläre Programm weiter. „Aus Rücksicht auf die Anwohner, denn es ist leiser“, erklärt der Fachmann.

Lehrer Marcus Salow freut sich über die Unterstützung: „Wir sind ihm und der Firma wirklich dankbar, dass sie das extra für uns möglich gemacht haben.“

Ob die Schüler die Sache mit den Parabeln durch die mathematische Betrachtung des Brunnens nun besser begriffen haben? „Na ja“, sagt Esther zögernd, „es war in jedem Fall ganz gut, das mal praktisch zu erleben.“