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Die Antonow ist in Lünburg gelandet  und wird trotz zeitweiligen Regens von zahlreichen Besuchern beim Flugplatzfest bestaunt. Foto: t&w
Die Antonow ist in Lünburg gelandet und wird trotz zeitweiligen Regens von zahlreichen Besuchern beim Flugplatzfest bestaunt. Foto: t&w

Luftsportverein plant für Zukunft

kre Lüneburg. Ausgerechnet am Sonntag musste es etwas tröpfeln: Ausgerechnet an dem Tag, an dem der Luftsportverein Lüneburg zu seinem traditionellen Flugplatzfest eingeladen hatte. Doch echte Flugzeug-Fans lassen sich auch von ein paar Regentropfen nicht schrecken. Dafür ist die Faszination Fliegen einfach zu groß. Findet auch Raphael Viebeg (15), der sich gemeinsam mit seiner Familie die Flugzeuge aus nächster Nähe anschaute und die Gelegenheit nutzte, die Maschinen aus allen Blickwinkeln zu fotografieren. Ginge es nach dem 15-Jährigen, würde er lieber heute als morgen auch Mitglied im Luftsportverein werden. Frei nach dem Musiker Reinhard Mey: „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein…“

Auf dem Boden allerdings ist die Freiheit nicht grenzenlos: Auch wenn Vereinspräsident Richard Meier davon ausgeht, dass der Flugplatz auch über 2020 hinaus erhalten bleibt. Und weil Piloten und Flugbegeisterte immer schon vom Pioniergeist beflügelt wurden, planen auch die Lüneburger Luftsportler allen widrigen Umständen zum Trotz für die Zukunft: „Wir sind dabei, den Flugplatz weiterzuentwickeln“, berichtete Meier, während draußen die Antonow mit dröhnenden Motoren zu einem weiteren Rundflug abhob. Der Luftsportverein hat in einer außerordentlichen Versammlung grünes Licht dafür gegeben, die Landebahn auf einer Länge von 900×15 Metern mit einer Kunststoffgitter-Bahn zu befestigen. Eine Investition, die 150000 Euro kosten würde — und die sich der Verein nur leisten kann, weil Meier erstens Investoren gefunden hat und die Arbeiten zweitens von den Vereinsmitgliedern erledigt werden. „Jedes Mitglied musste sich dazu verpflichten, sich mit 50 Arbeitsstunden einzubringen“, sagt Meier — zusätzlich zu den 48 Stunden, die jeder Luftsportler ohnehin jedes Jahr für den Verein leisten muss. „Die Gitter werden ausgelegt und ausgerichtet, miteinander verklickt und dann mit einer Walze in den Boden gedrückt“, erklärt der Vereinsvorsitzende mit wenigen Worten das Prinzip der befestigten Landebahn. Klingt einfach, doch wie so häufig liegt die Tücke im Detail — sprich im westlichen Teil des Flugplatzes. Denn dort befinden sich noch Stahlmatten im Boden, die das Einpressen des Kunststoffgittes unmöglich machen könnten. Meier: „Nächste Woche wollen wir vorsichtig mit einem Bagger nachschauen, wie tief die alten Matten überhaupt liegen.“

Am grundsätzlichen Zeitplan sollen diese Sondierungsarbeiten aber nichts ändern: Ende September, Anfang Oktober soll die Gitterbahn hergestellt werden. Zwei bis drei Wochen Arbeitszeit setzt Meier dafür an — ,,in dieser Zeit soll das zu schaffen sein“, ist der Vorsitzende optimistisch. Neu ist die Idee einer Kunststoff-Gitter-Rasenbahn auch nicht: Auch in Neustadt-Glewe wurde der Flugplatz ebenfalls mit dieser Technik ertüchtigt.

Besucher beim Flugplatzfest waren am Sonntag unter anderem auch die Lüneburger Stadtpolitiker Heiko Dörbaum (SPD) Eckhard Pols (CDU) und Birte Schellmann (FDP): Meier nutzte da natürlich die Gelegenheit, ihnen die Idee mit dem Kunststoff-Gitter vorzustellen. Eckhard Pols — ohnehin ein Befürworter des Flugplatzes fands toll. ,,Aber auch SPD-Fraktionschef Heiko Dörbaum zeigte sich durchaus angetan“, berichtete Meier.

Und ob für die Luftsportler ohnehin 2020 in Lüneburg das letzte Stündlein geschlagen hat und sie den Flugplatz räumen und rückbauen müssen, hängt nicht zuletzt von der groß- und geopolitischen Sicherheitslage ab: Denn bleibt die Bundeswehr in Lüneburg, bleibt auch der Flugplatz erhalten, wird sich die Stadt nach anderen Flächen für die Gewerbe-Erweiterung umschauen müssen.

Darüber wären wohl nicht nur Richard Meier und seine Luftsportler froh, sondern auch Raphael Viebeg und all die anderen Flugzeug-Begeisterten. Denn wo sonst kann man die Faszination Fliegen so hautnah erleben, wie beim Flugplatz-Fest in Lüneburg.

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