Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Nach dem schwarzen Markt wurde die Zusammenarbeit der Marktbeschickern mit der Stadt besser. Heute verstehen (v.r.) sich Oberbürgermeister Ulrich Mädge, Heinrich und Cord Wöhnecke prima. Foto: t&w
Nach dem schwarzen Markt wurde die Zusammenarbeit der Marktbeschickern mit der Stadt besser. Heute verstehen (v.r.) sich Oberbürgermeister Ulrich Mädge, Heinrich und Cord Wöhnecke prima. Foto: t&w

Aus Ärger zum Verein geworden – Vor 40 Jahren haben sich die Lüneburger Marktbeschicker eine Satzung gegeben

us Lüneburg. Verursacher waren Verwaltung und Politik. Als sich im Frühjahr 1974 die Pläne der Stadt verdichteten, unter dem Lüneburger Marktplatz eine Tiefgarage zu bauen, gingen nicht nur die Bürger der Stadt auf die Barrikaden. Entsetzt waren auch die Marktbeschicker, die sich durch derlei Ansinnen in ihrer Existenz bedroht fühlten. Um ihrer Stimme mehr Gewicht zu geben, gründeten sie vor 40 Jahren den Verein Lüneburger Marktbeschicker. Am Sonntag begingen sie ihren Geburtstag mit einem Fest auf „ihrem“ Markt.

„Wären wir erstmal weg gewesen, wäre das nie wieder in Gang gekommen“, ist Cord Wöhnecke noch heute überzeugt. Dass es letztlich doch nicht zu der Tiefgarage kam, sei vermutlich auch der spektakulären Aktion der Marktbeschicker zu verdanken, wie der heutige 1. Vorsitzende des Vereins bekäftigt. Am 9. August 1974 machten sie mit einem „schwarzen Markt“ ihrem Unmut Luft: Sie kleideten sich ganz in Schwarz und zogen mit einem symbolischen Sarg durch die Stadt. Auf einem Plakat titelten sie: „Der Rat lernt niemals aus, wirft Steuergeld zum Fenster raus.“ Und in nur wenigen Wochen kamen knapp 10000 Unterschriften gegen die Tiefgarage zusammen. Die Aktion machte mächtig Eindruck, das Ergebnis ist bekannt: Der Markt wurde nicht unterhöhlt, die Steuergelder wanderten woanders hin und — die Stadt hatte einen Verein mehr. Wegen eines Formfehlers bei der Gründungsversammlung konnte er aber erst am 30. Juni 1975 ins Vereinsregister eingetragen werden. Heute gehören dem Verein Lüneburger Marktbeschicker 48 Mitglieder an, rund 95 Prozent der auf dem Markt vertretenen Händler.

„Es ist gut, mit einer Stimme bei der Stadt aufzutreten“, sagt Wöhnecke, dessen Vater Heinrich erster Kassenwart des Vereins war und von 1997 bis 2007 den Vorsitz inne hatte. „Zugleich hat aber auch die Stadt einen festen Ansprechpartner. Das erleichtert die Zusammenarbeit, gerade wenn mal wieder Veranstaltungen geplant sind.“
Die Bedeutung des Lüneburger Markts, den es seit mehr als 650 Jahren in der Stadt gibt, hob Oberbürgermeister Ulrich Mädge in seinem Grußwort hervor: „Der bunte Markt ist ein Pfund für Lüneburg, viele Besucher beneiden uns darum.“ Eine Tiefgarage brauche die Stadt hier nicht mehr, viel wichtiger seien die Händler aus der Region mit ihren eigenen Erzeugnissen.

Das findet auch Judith Henniges. Vor fünf Jahren kam sie mit ihrer Familie nach Lüneburg, seitdem kauft sie jeden Sonnabend ein, was sie für die Woche braucht. „Ich schätze die Regionalität der Produkte und dass man hinter die Kulissen schauen kann. Angebot und Atmosphäre sind super.“

„Ich bin froh, dass wir auch nach 40 Jahren noch einen grünen Markt haben und hier keine Strumpfhosen angeboten werden“, sagt Heinrich Wöhnecke. Sorge bereitet ihm indes manch offene Nachfolgeregelung bei den Marktbeschickern. „Es ist viel Arbeit, gerade, wenn 70 Prozent der angebotenen Produkte aus eigener Erzeugung stammen.“ Dass Marktarbeit aber auch Spaß macht, zeigen die jährlichen Aktionen der Beschicker: darunter die Kürbis- und die Grillaktion, ebenso die Spargeltage. Vor allem aber die Bereitstellung des Umzugswagens für die eigene Sülfmeistermannschaft, die seit Jahren erfolgreich um den Titel kämpft: Bis heute haben die Lüneburger Marktbeschicker fünf Mal den Titel geholt, zuletzt 2014 mit der amtierenden Sülfmeisterin Petra I., die ebenfalls eine Wöhnecke ist. Und dass die Beschicker auch feiern können, haben sie mit Rockmusik der „Peppones“ und Greif- und Schnupperspielen für die Kinder am Sonntag gezeigt.