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Nach dem Brand im Dezember 2013 am Stintmarkt musste das Lösecke-Haus abgebrochen werden. Nun beklagt ein Nachbar Schäden an seinem Gebäude (rechts). Foto: A/t&w
Nach dem Brand im Dezember 2013 am Stintmarkt musste das Lösecke-Haus abgebrochen werden. Nun beklagt ein Nachbar Schäden an seinem Gebäude (rechts). Foto: A/t&w

Was bewegt sich am Stint? Mindestens ein Haus neigt sich zur Ilmenau

ca Lüneburg. Häuser am Stintmarkt ruhen auf einem nachgebenden Untergrund, sogenanntem Kulturschutt. Mindestens eins steht schief und hat Risse erlitten. Denkbar ist ein Zusammenhang mit dem nach dem Feuer im Dezember 2013 abgebrochenen Lösecke-Haus und dem Wiederaufbau. Das ergibt sich aus einem Gutachten, dass der Eigentümer des ehemaligen Lösecke-Hauses in Auftrag gegeben und auch der Stadt zur Verfügung gestellt hat. Oberbürgermeister Ulrich Mädge möchte „ein weitergehendes Gutachten für die gesamte Häuserzeile auf der Seite des Lösecke-Hauses in Auftrag geben“. Und, so die Bauverwaltung: „Es erscheint uns nach allem, was wir bislang wissen, sinnvoll, sich die jeweiligen Gründungen einmal genauer anzusehen.“ So ein Vorgehen sei aber natürlich nur mit Zustimmung der Eigentümer möglich.

Die LZ hatte über die Probleme berichtet. Die Eigentümer hatten ihr Haus, das rechts neben dem Lösecke-Haus steht, sanieren lassen. Doch einziehen könne dort niemand, sagt Architekt Gunnar Schulze, der das Projekt betreut: „In dem Zustand ist es nicht zu vermieten.“ Das Haus weise Risse und Schäden auf. Zur Ursache will er keine Stellung nehmen, das müssten weitere Gutachten klären. Es gehe um einen beträchtlichen Schaden.

Wer dafür letztlich in welchem Umfang verantwortlich ist, dürfte noch einige Fachleute beschäftigen. Denn die Frage ist auch, ob möglicherweise die nachträgliche Gründung mit rund 80 Pfählen für den Neubau des Lösecke-Hauses mit den Schäden am Nachbargebäude in Verbindung stehen kann. Das Haus soll sich in Richtung Ilmenau und zur Baustelle neigen.

In der Stellungnahme eines Hamburger Fachbüros lässt sich eine Einschätzung nachlesen: „Die hier festgestellten Rissschäden am Haus Stintmarkt 3 sind auf die andauernden Setzungen des Gebäudes zurückzuführen. Vermutlich sind bei den Bauarbeiten am Lösecke-Haus in dem gemeinsamen Fundament der beiden Häuser Schwingungen übertragen worden.“ Die hätten in der „augenscheinlich bereits stark beanspruchten Gebäudekonstruktion Stintmarkt 3 zu Rissbildungen geführt“. Die Arbeiten seien Auslöser, nicht Verursacher der Schäden.

Naturgemäß sehen die Eigentümer des Nachbargebäudes das anders. Unabhängig davon lassen sich in der Einschätzung allerdings Aspekte finden, welche die Frage aufwerfen, wie sicher Gebäude der Häuserzeile auf dem „aufgeschütteten Kulturschutt“ stehen. Obwohl sie das ja schon seit Jahrhunderten tun. Die Hamburger Ingenieure nennen für die „langanhaltenden Setzungen“ mehrere Aspekte, die gelte es, in den Blick zu nehmen: den Höhenunterschied zwischen Straße und Ilmenau von rund fünf Metern, die Gründungsverhältnisse der Gebäude auf dem beschriebenen Untergrund, die wechselnden Wasserstände der Ilmenau sowie die Strömung des Flusses und die Auswirkungen von an der ehemaligen Mühle gelegenem Wehr und den Turbinen darunter.

In der Bauverwaltung hingegen sagen Mitarbeiter, dass es im Wasserstand der Ilmenau zwar natürliche Schwankungen gebe, aber in den vergangenen zwanzig Jahren keine generelle Absenkung. Zu Ausspülungen komme es auf natürliche Weise an Flüssen: „Es gibt keinen Anlass anzunehmen, dass die Ausspülungen den üblichen Umfang überschreiten.“ Straßenarbeiten müssten an vielen Stellen in Lüneburg sensibel vorgenommen werden, wenn etwa eine Rohrleitung repariert werden muss. Eben auch am Stintmarkt, doch über Gebühr müsse man das nicht berücksichtigen.

Wenn sich Gebäude aufgrund der Verhältnisse leicht in Richtung Fluss senken, kann sich die Frage stellen, ob Bauarbeiter sie abfangen sollten Die Stadt sagt dazu, dass Eigentümer der Abtsmühle bei Sanierungsarbeiten Spundwände gesetzt haben und: „Für andere Häuser hat es unseren Hausakten zu Folge im Jahr 1974 eine Nachgründung gegeben. Pauschale Aussagen zu Sicherungen sind nicht zu verantworten das ist bei Bedarf für jedes Haus einzeln zu ermitteln.“

Die Stadt berät jetzt, welchen Weg sie einschlagen möchte. Dabei geht es auch darum, welche Fragen ein Gutachten zur Situation beantworten soll und ob es aus Mitteln der Städtebauförderung finanziert werden kann. Dann wolle man auf die Anwohner zugehen, sagt Sprecherin Suzanne Moenck. Das werde aber bis Herbst dauern.

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One comment

  1. ..
    zum Artikel :
    was bewegt sich am Stint ?

    zu Beginn der Überlegungen, was man mit der Ruine machen soll, hatte ich mal einen Leserbrief geschrieben , daß man einen Architektenwettbewerb ausschreiben sollte, also eine ganz neue und vernünftige und kostengünstige Lösung hätte man sich dadurch präsentieren lassen können , so werden nur erhöhte Baukosten gefördert, die zusätzlichen Sachschäden an den Nachbargebäuden werden wohl auch noch eine riesige Summe verschlingen. Sorgfältig planende Projektleiter und Architekten hätten schon vor Beginn der Neuplanung des Lösecke Hauses sämtliche umliegenden Häuser begutachten müssen. Fehlt es diesen „Fachleuten“ an Erfahrung ? Ob sich die gesamten Baukosten jemals durch Vermietung und Verpachtung amortisieren lassen steht wohl in den Sternen. Na ja , der Bauherr muß es am Ende dann bezahlen. Ich kann über so viel Stümperhaftigkeit nur den Kopf schütteln.