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Nachkommen des für die Hansestadt bedeutenden jüdischen Kaufmanns und Bankiers Marcus Heinemann am Montag im Mittelpunkt eines interaktiven Vortrags am Johanneum: v. l. Eric Rhee, Ruth Verroen, Dr. Becci Cohn-Vargas. Foto: t&w
Nachkommen des für die Hansestadt bedeutenden jüdischen Kaufmanns und Bankiers Marcus Heinemann am Montag im Mittelpunkt eines interaktiven Vortrags am Johanneum: v. l. Eric Rhee, Ruth Verroen, Dr. Becci Cohn-Vargas. Foto: t&w

Nachkommen von Marcus und Salomon Heinemann besuchen Johanneum

jdr Lüneburg. Nachdem sich am vergangenen Sonnabend rund 40 von weltweit 300 verstreut lebenden Nachfahren der für die Hansestadt bedeutenden Kaufmanns- und Bankiers-Familie Heinemann zum Festakt am Lüneburger Museum einfanden, um die Rückgabe ihres Kunstbesitzes zu feiern, statteten zehn von ihnen am Montag auch dem Johanneum einen Besuch ab: Die Familie verbindet eine lange Geschichte mit Lüneburgs ältestem Gymnasium, denn viele von ihnen waren Johanniter.

Montagmorgen um 10 Uhr in der Aula des Johanneums: Für die Schüler des 11. Jahrgangs stehen die nächsten Stunden im Zeichen des Nationalsozialismus, genauer gesagt, geht es um die Familienhistorie der jüdischen Brüder Marcus und Salomon Heinemann sowie deren heute von Großbritannien bis Guatemala verteilt lebenden Nachkommen. Vorerst haben sich die Mädchen und Jungen der Seminarfächer Geschichte, Deutsch, Politik und Englisch versammelt, um für die folgenden 90 Minuten der Familiengeschichte von Dr. Becci Cohn-Vargas, der Ururenkelin von Marcus und Henriette Heinemann, zu lauschen und um mit ihr ins Gespräch zu kommen. Eine Lesung Ruth Verroens, der Urenkelin Moritz Jacobsohns und Betty Heinemanns, der ältesten Tochter Marcus Heinemanns, ist für den Anschluss geplant. Schulleiter Friedrich Suhr erklärt: „Wir finden es wichtig unseren Schülern Dinge, die gesamtgeschichtlich von Bedeutung sind, an Einzelpersonen zu verdeutlichen.“

Zur Überraschung der Zuhörer stehen jedoch viel mehr Stühle als erwartet am Mikrofon — es haben sich noch weitere Verwandte angeschlossen, um aus ihrem Leben zu berichten, die Rolle Lüneburgs als Wurzel der Familie zu veranschaulichen. „Wir haben großes Interesse daran zu sehen, wo unsere Vorfahren zur Schule gegangen sind,“ schildert Becci Cohn-Vargas, „und auch daran herauszufinden, wie Schüler des Johanneums heute mit der deutschen Geschichte umgehen.“ Per Powerpoint-Präsentation gewährt sie den ihr aufmerksam folgenden Schülern Einblick, zeigt ihnen alte Familienfotos, schildert den Leidensweg ihrer Vorfahren unter dem Hakenkreuz und erklärt die weltweite Zerstreuung der Hinterbliebenen. Ruth Verroen ergänzt den interaktiven Vortrag um ihre eigene Biografie, Kristina Heineman, Nomi Raz und Eric Rhee tun es ihr gleich.

Lehrer und Hobbyforscher Gerhard Glombik hält im Anschluss noch etwas Besonderes bereit, er hat die alten Anmeldebögen der Familienmitglieder, die das Johanneum besuchten, aus dem Archiv besorgt. Staunend schauen ihm die „Clan-Mitglieder“, wie sie sich selbst nennen, über die Schulter, lassen sich mit den Dokumenten sowohl für das private Fotoalbum als auch für einen geplanten Dokumentarfilm über die Familiengeschichte fotografieren. „Diese Bögen in den Händen halten zu können ist etwas ganz Besonderes“, beschreibt Becci Cohn-Vargas. „Da ist man den Wurzeln seiner Familie wieder ein Stück näher.“

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