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Weil das SaLü mit seinen Sauna-Welten zur Gesundheitsholding Lüneburg gehört, gilt auch für dieses Unternehmen die Pflicht, ein Energieaudit durchzuführen. Foto: A/be
Weil das SaLü mit seinen Sauna-Welten zur Gesundheitsholding Lüneburg gehört, gilt auch für dieses Unternehmen die Pflicht, ein Energieaudit durchzuführen. Foto: A/be

Für Unternehmen läuft die Frist zur Durchführung des neuen Energieaudit-Verfahrens

us Lüneburg. Der Termin steht. Bis zum 5. Dezember dieses Jahres müssen Unternehmen ab einer bestimmten Größe ein sogenanntes Energieaudit durchführen. Laut zuständigem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) sind davon rund 50000 Unternehmen in Deutschland betroffen, Insider gehen von einer deutlich höheren Zahl aus. Auch in Lüneburg gibt es Unternehmen, die aufgrund ihrer Größe zur Durchführung des Audits verpflichtet sind. Doch ob bereits alle Unternehmen, darunter auch kommunale Eigenbetriebe, von der neuen Auflage wissen und den eng gesetzten Terminrahmen einhalten können, scheint fraglich.

„Viele Unternehmen wissen gar nicht, ob sie betroffen sind und wie sie da rangehen sollen“, sagt Lars Böker von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg. „Wir haben deshalb bereits Sprechtage im April und im Mai zu diesem Thema durchgeführt, mit überschaubarer Resonanz.“ Böker führt das geringe Interesse unter anderem darauf zurück, dass die Verordnung erst seit dem 22. April wirksam ist.

Ziel dieses im Energiedienstleistungsgesetz (EDL-G) festgelegten Verfahrens ist die Ermittlung des Gesamtenergieverbrauchs von Unternehmen. Dabei sollen Verbrauchsprofile von Gebäuden, Anlagen und Betriebsabläufen erstellt sowie Verbesserungsmöglichkeiten zur Einsparung ausgewiesen werden. Hintergrund für die Durchführung der Audits sind die Bemühungen der Europäischen Union (EU), die angestrebte Effizienzsteigerung von 20 Prozent bis 2020 zu erreichen.

Die Auditpflicht gilt für Unternehmen, die nicht unter die EU-Definition für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) fallen und damit mindestens 250 Personen beschäftigen, oder deren Jahresumsatz 50 Millionen Euro und die Jahresbilanzsumme 43 Millionen Euro übersteigen. Und: Die Regelung gilt neben Kapitalgesellschaften und kommunalen Eigenbetrieben auch für Unternehmen, die gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zwecken dienen. Und selbst Unternehmen, die zwar für sich allein als KMU gelten, können als verbundenes Unternehmen dennoch den Nicht-KMU zugeordnet sein.

Wie eng der Zeitrahmen für die Durchführung eines Energieaudits ist, macht Stephan Rutschewski deutlich. Der Lüneburger führt als externer Berater Energieaudits für Unternehmen durch: „In Deutschland gibt es offiziell 50000 betroffene Unternehmen, aber nur 1400 Berater.“ Da sich ein Audit je nach Unternehmensgröße über Wochen erstrecken kann, ist nach seiner Einschätzung absehbar, dass die gesetzte Frist von vielen gar nicht eingehalten werden kann. Allerdings können Unternehmen sich von der Energieauditpflicht befreien lassen, wenn sie bis zum Stichtag ein Energiemanagementsystem oder ein Umweltmanagementsystem eingerichtet haben. Für sie genügt dann bis zum 31. Dezember 2016 der Nachweis über den Beginn der Einrichtung des Systems.

Auch die grüne Stadtratsfraktion hat sich des Themas angenommen. „Die Zeit drängt. Wir plädieren deshalb dafür, dass im Klinikum und in der PKL ein dauerhaftes Energiemanagementsystem eingeführt wird“, sagt Fraktionschef Andreas Meihsies. Die Stadt habe damit einen ständigen Überblick über den Verbrauch, außerdem könnten auf diese Weise Geld gespart und klimaschädliche Gase reduziert werden.

Welchen Weg die Gesundheitsholding Lüneburg gehen will, unter deren Dach neben dem Klinikum und der PKL noch weitere Gesellschaften angesiedelt sind, sei noch offen, gegenwärtig prüfe man noch. Und bei der Stadt heißt es: „Die Vorbereitungen dazu laufen, es sind aber noch Abstimmungen nötig“, sagt Pressesprecherin Suzanne Moenck. Details sollen im am Mittwoch stattfindenden Wirtschaftsausschuss vorgestellt werden.

Stephan Rutschewski empfiehlt, den Schritt zur Befreiung von der Energieauditpflicht gut zu überdenken: „Unternehmen, die sich einmal für diese Variante entschieden haben, können nicht mehr zum Energieaudit-Verfahren zurückkehren.“