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Nico Becker (l.) und Holger Schubert von der Firma Henning Gebäudedienste im Gespräch mit einem Bewerber. Die beiden finden diese Form der Kontaktaufnahme durchaus gut. Foto. t&w
Nico Becker (l.) und Holger Schubert von der Firma Henning Gebäudedienste im Gespräch mit einem Bewerber. Die beiden finden diese Form der Kontaktaufnahme durchaus gut. Foto. t&w

Speed-Dating statt Amtsstube

kre Lüneburg. Kein Anstehen, keine Nummer ziehen, keine bedrückende Stimmung, die aufkommt, wenn man als Arbeitssuchender auf dem Amt vorsprechen muss. Dieses Mal gibt es Kaffee und Häppchen zur Begrüßung und die Vermittlungsgespräche finden auch nicht hinter verschlossenen Türen statt, sondern in den Gasträumen der „feinschmeckerei“. Das Jobcenter Lüneburg will neue Wege der Vermittlung ausprobieren, hat erstmals zu einem ,,Job-Speeddating“ eingeladen. Acht Arbeitgeber nutzen diese Gelegenheit, ihre Betriebe vorzustellen, mit den Bewerbern ins Gespräch zu kommen. Die Idee scheint anzukommen auch bei den Arbeitssuchenden. Mehr als 150 sind an diesen Vormittag gekommen. In der Hoffnung, neben einer Tasse Kaffee und einem belegten Brötchen auch einen neuen Job zu bekommen.

Zu denen, die sich einen beruflichen Neuanfang wünschen, gehört auch Melanie Weber: „Möglichst was im Büro“, sagt die 42-Jährige. Datenerfassung, Verkauf oder Kasse wären aber auch okay.

Das Gespräch mit potenziellen Arbeitgebern in neutralem, lockeren Ambiente findet sie prima. Genauso, wie die Gespräche mit den anderen Arbeitssuchenden. ,,Es tut gut, sich mit Leuten auszutauschen, die die gleichen Probleme haben, auch aus der Arbeitslosigkeit raus wollen,“ sagt die Lüneburgerin.

Nico Becker und Holger Schubert sind als Vertreter der Lüneburger Firma Henning Gebäudedienste GmbH auf der Suche nach neuen Mitarbeitern. Diese noch ungewöhnliche Idee der Kontaktaufnahme mit Interessenten finden die beiden prima: ,,Der Beruf des Gebäudereinigers hat vielfach leider einen schlechten Ruf“, bedauert der technische Betriebsleiter Schubert, ,,deshalb sind wir froh, bei solchen Veranstaltungen mit Bewerbern ins Gespräch zu kommen und Aufklärungsarbeit leisten zu können.“ Zum Beispiel, dass die Firma Henning nach Tarif bezahlt 9,55 Euro die Stunde.

Am Ende sind auch Thomas Bolle und seine Kollegen vom Jobcenter mit dem ersten „Jobcafé“ zufrieden: „Die teilnehmenden Arbeitgeber haben uns bereits 40 konkrete Gespräche mit Bewerbern gemeldet“, berichtet Bolle. „Ein Erfolg, der es wert ist, wiederholt zu werden“, urteilt der Jobcenter-Mitarbeiter am Ende.