Donnerstag , 8. Dezember 2016
Aktuell
Home | Lokales | Eintauchen in eine fremde Welt
Organisatoren und einige Teilnehmer des deutsch-chinesischen Austauschs freuen sich auf eine intensive Besuchswoche (v.v.l.): Niclas Unger, Ni Peiyao, Yu Zhicheng. Hinten v.li. Lehrer Bai Bingzhu, Schulleiter Wang Yonsheng, Schulleiter Thomas Müller, Lehrer Torsten Päschel, Übersetzerin Imo Songjie, Lehrerin Jiang Shuhua. Foto: t&w
Organisatoren und einige Teilnehmer des deutsch-chinesischen Austauschs freuen sich auf eine intensive Besuchswoche (v.v.l.): Niclas Unger, Ni Peiyao, Yu Zhicheng. Hinten v.li. Lehrer Bai Bingzhu, Schulleiter Wang Yonsheng, Schulleiter Thomas Müller, Lehrer Torsten Päschel, Übersetzerin Imo Songjie, Lehrerin Jiang Shuhua. Foto: t&w

Eintauchen in eine fremde Welt

uk Scharnebeck. Auf die Frage, was sie bisher über Deutschland wussten, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: „BMW und Siemens“, zählt Yu Zhicheng (13) begeistert auf, „deutsche Technik ist sehr gut.“ Und seine Mitschülerin Ni Peiyao (13) ergänzt: „Die Deutschen sind immer pünktlich und sehr gründlich.“

Ob das alles stimmt, werden die beiden jungen Chinesen in den nächsten Tagen selbst herausfinden können — und mit ihnen 21 weitere chinesische Schüler, die derzeit bei Gastfamilien in Scharnebeck untergebracht sind. Im Rahmen der Schulpartnerschaft mit dem Bernhard-Riemann-Gymnasium Scharnebeck verbringt die Gruppe mit zwei Lehrern und einer Lehrerin eine Woche in der Region. Neben der Teilnahme am Unterricht stehen Ausflüge nach Lüneburg, Berlin und Hamburg auf dem Besuchsprogramm.

Seit 2011 besteht die Schulpartnerschaft zwischen dem Scharnebecker Gymnasium und der staatlichen „No.Twelve Middle School“ im chinesischen Wenzhou, einer Stadt mit sieben Millionen Einwohnern, etwa 500 Kilometer südlich von Shanghai gelegen. Bereits zum vierten Mal wird eine deutsche Gruppe im Oktober zum Gegenbesuch nach China reisen — und doch hat diese Schulpartnerschaft immer noch einen ganz besonderen Stellenwert für Schüler wie Lehrer: „China ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt“, sagt Dr. Heino Rüschenschmidt, der das Partnerschaftsprogramm von Beginn an begleitet, „und dennoch ist uns die chinesische Kultur und der Alltag der Menschen sehr fremd.“

Das zu ändern, sei Ziel der Schulpartnerschaft — auf beiden Seiten: „Durch die Unterbringung in Familien und die Teilnahme am Unterricht sind die Schüler direkt im Alltagsleben dabei und lernen die jeweilige Kultur unmittelbar kennen.“ Auch die Pädagogen stehen im persönlichen wie im fachlichen Austausch. „Bei uns hat sich in den letzten Jahren viel entwickelt“, erklärt Schulleiter Wang Yonsheng, an dessen Schule Englisch als erste Fremdsprache unterrichtet wird.

„Die Lehrinhalte sind staatlich festgelegt. Aber die Lehrer haben mehr Möglichkeiten, ihren Unterricht zu gestalten. Für uns ist die Schulpartnerschaft ein großer Fortschritt. Wir möchten, dass unsere Schüler die deutsche Kultur und das deutsche Leben richtig kennenlernen.“

Annica Brommann gehört zu den Schülern, die das chinesische Leben bereits kennengelernt haben. Die 17-Jährige hat im letzten Jahr am Austausch teilgenommen und ist immer noch begeistert: „Das war ein Einblick in chinesisches Leben, den man als Tourist nie bekommen kann.“ Sie habe Vorurteile gehabt, räumt Annica ein: „Ich dachte, Chinesen sind fleißig, immer lächelnd, aber ansonsten still und in sich gekehrt.“ Inzwischen weiß sie: „Sie können auch locker und richtig lustig sein und als Gast wird man wirklich auf Händen getragen.“

Welche Erfahrungen die Besucher in ihre Heimat mitnehmen werden, wird sich zeigen. Der erste Eindruck war für Zhicheng schon mal überraschend: „Es ist überall so schön grün“, staunt er. Mitschülerin Peiyao sagt: „Wir fühlen uns jetzt schon als eine Gruppe von Freunden.“ Die Leute seien sehr freundlich und bereit, jede Frage zu beantworten. Einig sind sich die beiden auf jeden Fall: „Deutsches Brot schmeckt gut.“