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Hörsaal-Szene aus Romeo: Leonard Scheicher, spielt die Hauptfigur Tom, versucht seine Kommilitonin (Julia Liebtrau) zu beschwichtigen, die einen ungeheuerlichen Verdacht gegen ihn hegt. Foto: t&w
Hörsaal-Szene aus Romeo: Leonard Scheicher, spielt die Hauptfigur Tom, versucht seine Kommilitonin (Julia Liebtrau) zu beschwichtigen, die einen ungeheuerlichen Verdacht gegen ihn hegt. Foto: t&w

Leuphana bald im Fernsehen

mm Lüneburg. Ein Professor steht vor seinen Studenten, referiert in Naturwissenschaften — das ist Alltag in Hörsaal 5 auf dem Leuphana-Campus an der Scharnhorststraße. Jetzt aber ist vorlesungsfreie Zeit, Professor und Studenten fehlen. Statt ihrer bevölkern Tontechniker, Kameraleute, und Schauspieler den Hörsaal. Er ist Kulisse für den Film „Romeo“, so der Arbeitstitel, der in diesem Winter im Norddeutschen Rundfunk (NDR) ausgestrahlt werden soll. Die LZ durfte den Akteuren an ihrem letzten Drehtag über die Schulter schauen.

Voller Entrüstung springt die Schauspielerin, Julia Liebetrau spielt eine Studentin, von ihrem Sitzplatz auf, am liebsten würde sie Tom (Leonard Scheicher) ins Gesicht spucken, „pfui“ schimpft sie ihn aus. Sie hegt einen ungeheuerlichen Verdacht. Tom versucht sie zu beschwichtigen — doch sagt er ihr und anderen die Wahrheit?

Den ehemaligen DDR-Spionen mit Decknamen Romeo hätte man nicht glauben sollen. An sie ist die Liebeskomödie, die von Tamtam Film aus Hamburg für den NDR produziert wird, angelehnt. Die Geschichte: Tom hat ein Auge auf Annelie (Alicia von Rittberg) geworfen, doch der schüchterne Student traut sich nicht seinen Schwarm anzusprechen. Er sucht Hilfe, die er bei dem Hausmeister Herrn Müller findet. Dem eilt ein Ruf als Casanova des Wohnblocks voraus. Was Tom nicht weiß: Müller war einst Psychologe der Staatssicherheit (Stasi). Im Romeo-Programm bereitete er männliche Agenten darauf vor, Frauen in der BRD anzubaggern, um sie als Quelle zu benutzen. Er hat nichts von seinen Fähigkeiten eingebüßt, schafft es, Tom umzukrempeln, der plötzlich eine ungewohnte Anziehungskraft auf Frauen besitzt.

Ein wenig im Hintergrund hält sich am Set der Produzent Dirk Decker von Tamtam Film: „Für mich wird es erst hektisch, wenn Sachen nicht laufen“, sagt der 41-Jährige. Es läuft. Schon seit 20 Drehtagen. Ein Minimum an Zeit, um einen Fernsehfilm mit einer Länge von einer Stunde und 30 Minuten zu produzieren. Doch mehr Zeit gibt das Budget nicht her.

„Wir müssen sehr sparsam sein“, sagt Decker, nennt Zahlen: 900000 Euro Fördermittel konnten über das Programm „Nordlichter“ von NDR, Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH) und nordmedia-Film und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen abgerufen werden. Ohne diese Förderung gäbe es keinen Film, doch eigentlich kosteten Fernsehstreifen dieser Länge mehr: Rund 1,5 Millionen Euro, meint Decker, sieht seinen Film als „sportliche Herausforderung“. Auch weil erst Ende März die letzten Fördermittel bewilligt wurden, nur bis Mitte Juni Zeit blieb den Dreh vorzubereiten und auch die Postproduktion ist eng gestrickt: Der Film soll bis Ende September fertig sein. Ein Kraftakt für die gesamte Filmcrew, von rund 40 Leuten, zu denen auch Regisseur Eicke Bettinga und Debütautor Niklas Altekamp gehören, der das Filmbuch in der Drehbuchwerkstatt München schrieb.

An diesem Tag haben sie die allerletzte Szene im Kasten, und Dirk Decker ist zufrieden, weiß, dass alles geklappt hat, er meint auch: „Ohne Wohlwollen und Unterstützung hätten wir solch ein Nachwuchsprojekt nicht realisieren können.“ Großer Unterstützer war die Leuphana, wo das Team auch in der Mensa am Campus Rotes Feld drehte, genau wie das Lünburger Museum, das Raum für eine Fotogalerie bot.