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Die Verhandlung gegen den Lüneburger Sporttrainer soll im Oktober neu beginnen. Foto. A./ be
Die Verhandlung gegen den Lüneburger Sporttrainer soll im Oktober neu beginnen. Foto. A./ be

Missbrauchs-Prozess ist geplatzt

ca Lüneburg. Der Missbrauchs-Prozess gegen einen Lüneburger Sporttrainer ist geplatzt. Das Landgericht will das Verfahren im Herbst erneut eröffnen. Der 26-Jährige, der seit vergangenem November in Untersuchungshaft sitzt, soll nach dem Willen der 1. Jugendkammer auch weiterhin hinter Schloss und Riegel bleiben, da der Mann keinen festen Wohnsitz nachweisen kann und man zudem die Gefahr einer Wiederholung sieht. Das Oberlandesgericht in Celle muss nun den Haftbefehl überprüfen.

Der Angeklagte soll zwei Kinder und einen Jugendlichen unter anderem bei Ausflügen in Norddeutschland und im Rheinland missbraucht haben. Die Staatsanwaltschaft legt dem Mann 71 Taten zur Last, es geht auch um den Vorwurf, sich an Schutzbefohlenen und „widerstandsunfähigen Personen“ vergangen zu haben. Denn unter den Opfern ist ein Junge, der als autistisch galt. Nun hat ein Gutachter dem Gericht allerdings erklärt, dass auch ein anderes Krankheitsbild denkbar sein: das Williams-Beuren-Syndrom. Die Kammer hält daher neue Untersuchungen für nötig. Eventuell muss in dieser Frage ein zusätzlicher Gutachter hinzugezogen werden.

Das überraschende Ende des Verfahrens hat mehrere Gründe. Zunächst hatte die Kammer sieben Verhandlungstage angesetzt, auch weil sie ein umfängliches Geständnis des Angeklagten erwartet hatte. Doch was der ehemalige Trainer einräumte, reicht der Kammer offenbar nicht. Also bedarf es weiterer Befragungen. Und da bekommen die Richter ein Zeitproblem, denn einer der drei Kollegen steht in den nächsten Monaten nicht zur Verfügung.

Also rollt das Landgericht das Verfahren neu auf. Es kann sein, dass dann auch die Opfer, die bereits von der Polizei befragt wurden, vor Gericht aussagen müssen. Der Prozess soll am 12. Oktober beginnen, ein Urteil könnte kurz vor Weihnachten gesprochen werden. Nun will die Kammer an 21 Tagen verhandeln.