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1899 erbaut zählt der Magazinraum mit seinem hohen Tonnengewölbe zum jüngsten Teil der Rathausgeschichte. Prof. Dr. Edgar Ring und Architket Lennart Hellberg begleiteten 2014 seine Sanierung. Jetzt soll das Magazin zum Raum für Sitzungen, Lesungen und Trauungen werden. Foto: A/t&w
1899 erbaut zählt der Magazinraum mit seinem hohen Tonnengewölbe zum jüngsten Teil der Rathausgeschichte. Prof. Dr. Edgar Ring und Architket Lennart Hellberg begleiteten 2014 seine Sanierung. Jetzt soll das Magazin zum Raum für Sitzungen, Lesungen und Trauungen werden. Foto: A/t&w

Eine Kur für das Rathaus

cec Lüneburg. Dass ihr Rathaus von nationaler Bedeutung ist, haben die Lüneburger immer schon geahnt. Jetzt gab es dafür die Bestätigung von höchster Stelle. Das Bundesbauministerium unterstützt die Sanierung des alten Gemäuers und der ehemaligen Pfarrwitwenwohnungen im Klosterhof mit rund drei Millionen Euro. Die Mittel fließen aus dem Programm „Nationale Projekte des Städtebaus“, mit dem in diesem Jahr 46 herausragende Projekte von nationalem Rang, überdurchschnittlichem Investitionsvolumen oder hohem Innovationspotenzial mit insgesamt 150 Millionen Euro gefördert werden. Die frohe Botschaft teilten jetzt unisono die Lüneburger Bundestagsabgeordneten Hiltrud Lotze (SPD) und Eckhard Pols (CDU) mit, die sich beide in Berlin für die Bewilligung eingesetzt hatten, Lotze sitzt in der Jury des Auswahlgremiums.

Im Mai hatte die Lüneburger Stadtverwaltung mit einem entsprechenden Antrag um 4,7 Millionen Euro für aktuell anstehende Abschnitte der Rathaus-Sanierung mit einem Gesamtvolumen von 5,3 Millionen Euro geworben. Da die Zuwendung geringer ausgefallen ist, will das Team um Stadtbaurätin Heike Gundermann das Vorhaben jetzt überarbeiten und bis Herbst genau abstecken, wofür das Geld konkret verwendet wird.

Die Pläne: Zu einem öffentlich nutzbaren Versammlungsraum für Ratssitzungen, Lesungen oder auch Trauungen soll das Magazingebäude des ehemaligen Stadtarchivs (Baujahr 1899) mit dem hohen bemalten Tonnengewölbe umgenutzt werden. Die öffentlichen Toiletten im Gerichtslaubenflügel, einem der wertvollsten Teile des Rathauses, werden Räumen für eine rathaus- und stadtgeschichtliche Ausstellung weichen, die auch für Galerien und kleinere Veranstaltungen vorgesehen sind. Das WC wird auf den Hinterhof verlegt. Instand gesetzt werden außerdem die Westfassaden des Kämmereigebäudes (1477) und des Flügels der Großen Ratsstube (1564) sowie dessen Dach. Als Zeugnis früherer Armenfürsorge für Stadtführungs-Teilnehmer museal erlebbar gemacht werden die mittelalterlichen Pfarrwitwenwohnungen. In das Gebäude Hinter der Bardowicker Mauer soll die Kinder- und Jugendbücherei erweitert werden.

700 Jahre Baugeschichte stecken in den Mauern des Rathauses. Erstmals vage erwähnt um 1254/57 wuchs der Sitz von Rat und Verwaltung über die Jahrhunderte in Etappen. Im Jahr 1330 wurde die Gerichtslaube erbaut, um 1491 die Bürgermeisterkörkammer, 1521 folgte das alte Archiv, 1899 das neue. Dabei wurde nicht immer exakt ein Stein auf den anderen gesetzt. In den Kellern passen beispielsweise die Fluchten und Pfeiler eigentlich nicht mit denen der darüber liegenden Räume zusammen.

Aber gerade das Verschachtelte, Verwinkelte des Gebäudes macht ja dessen Charme aus. Die wertvoll ausgestatteten Innenräume sind Zeugen historischer Epochen. Um die Bausubstanz samt der von ihr umschlossenen Kunst- und Kulturgüter zu erhalten, ließ die Stadt schon 2006 einen Masterplan erstellen, auf dessen Empfehlung basierend das Gefüge bis 2024/25 Schritt für Schritt saniert werden soll. 13 Millionen Euro wurden damals angesetzt, 4,5 Millionen bis Ende 2014 ausgegeben beispielsweise für die Schadstoffsanierung des Ratskellers, die Sicherung des Stahlkorsetts des Kämmereiflügels und Dacharbeiten. Den für die kommenden Jahre verbleibenden Investitionsbedarf schätzt die Verwaltung heute — aufgrund der Teuerung und des weiter gestiegenen Restaurierungsbedarfes — auf weitere elf Millionen Euro.