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Die Lehrer Jana Stüven und Janko Wellmeier erklären den Schülern Birger (l.), Paul und Wiebke, wie sie die Tablets sinnvoll nutzen können, um zum Beispiel Pflanzen zu bestimmen. Foto: t&w
Die Lehrer Jana Stüven und Janko Wellmeier erklären den Schülern Birger (l.), Paul und Wiebke, wie sie die Tablets sinnvoll nutzen können, um zum Beispiel Pflanzen zu bestimmen. Foto: t&w

Herderschule führt Tablet-Klasse ein

ahe Lüneburg. Mit dem Siegeszug des PC wurden an den Schulen Computerräume eingerichtet, in Informatik lernten die Mädchen und Jungen Programmiersprachen und schrieben erste eigene kleine Programme. Später kamen auch in Lüneburg mancherorts Laptop-Klassen hinzu, in denen jeder Schüler einen eigenen tragbaren Rechner hatte, die — mehr oder weniger — fächerübergreifend im Unterricht zum Einsatz kamen. Nun wagen die ersten Schulen den nächsten Schritt beim Einsatz moderner Medien: Beim Lernen sollen die Schüler verstärkt auch Tablets einsetzen.

Die Herderschule richtet nach den Sommerferien eine eigene Tablet-Klasse im 7. Jahrgang ein. Jeder Schüler wird seinen eigenen handlichen Computer haben. Hans-Christian Höhne, kommissarischer Direktor des Gymnasiums, erklärt: „Die Initiative kam aus der Lehrerschaft. Wir haben die Eltern des gesamten Jahrgangs dann über unser Vorhaben informiert, das als Projekt über drei Jahre laufen soll. Alle Eltern dieser Klasse haben sich dafür ausgesprochen. Uns war diese Einvernehmlichkeit wichtig, wir wollten niemandem etwas überstülpen.“ Denn die Computerunterstützung gibts nicht zum Nulltarif: Fast 600 Euro pro Schüler kostet das iPad Air 2 inklusive Versicherung und garantiertem kurzfristigen Ersatzgerät bei Defekt oder Verlust. „Der Betrag kann aber auch in Raten bezahlt werden“, sagt Höhne.

Wie die Tablets sinnvoll im Unterricht eingesetzt werden können, dazu geben die beiden Lehrer Janko Wellmeier und Jana Stüven ihren Kollegen seit Wochen schon hilfreiche Tipps in Fortbildungen. Sie haben sich zuvor an Schulen informiert, die bereits Erfahrungen auf dem Gebiet gemacht haben. Auch einige Schüler erhielten schon mal einen ersten Einblick, wie die Technik künftig beim Lernen helfen könnte. In Mathe können sie anschaulich nachvollziehen, was mit den Winkeln bei der Stauchung eines Dreiecks passiert. In Physik können sie eigene Tutorials erstellen, also Filme, in denen sie ihren Mitschülern zeigen und erklären, wie ein Versuch funktioniert. In Biologie können sie Pflanzen fotografieren und gleich bestimmen. Selbst für den Sportunterricht hat Wellmeier schon Einsatzmöglichkeiten ausgemacht: „Ich habe beim Weitsprung mit dem Tablet gefilmt. Gleich nach dem Sprung kann ich dem Schüler anhand des kurzen Videos auch in Zeitlupe verdeutlichen, wo es noch Verbesserungspotenzial gibt, ob er beispielsweise Weite verschenkt hat, weil er zehn Zentimeter vor dem Brett abgesprungen ist.“

Es gebe schon viele kostenlose Apps, Programme also, die im jeweiligen Fachunterricht genutzt werden können. Als Wundermittel aber sehen auch er und seine Kollegen die kleinen Computer nicht: „Man muss immer von Fall zu Fall entscheiden, ob es sinnvoller ist, die Tablets einzusetzen oder lieber Zettel und Stift. Lehrer, Schüler und Eltern sollen regelmäßig Erfahrungen dazu austauschen.“ Das klassische Tafelbild werde es in Zukunft auch in der Tablet-Klasse geben.

Höhne weiß, dass der Einsatz der Tablets für seine Kollegen zunächst einmal zusätzliche Arbeit bedeutet: „Man muss seine eigenen Methoden überdenken.“ Doch es gebe ja auch viele Vorteile für die Pädagogen, sogar ganz praktische: „Wenn man mehrere Hundert Schüler unterrichtet und benoten muss, kann es ganz hilfreich sein, gerade am Schuljahresbeginn ein Foto zum jeweiligen Namen zu haben, um sie schneller kennenzulernen.“

Die Schüler werden die Geräte auch zu Hause nutzen und dort damit auch mal spielen können, müssen aber mit klaren Regeln im Schulalltag leben. Wenn Lehrer auf den Rechnern beispielsweise eine nicht altersgerechte App entdecken, müsse die gelöscht werden. „Es handelt sich aber in erster Linie um Arbeitsgeräte, die Schüler sollen damit nicht in der Pause im Internet surfen“, sagt Wellmeier. Dass mal ein Schüler die Arbeit eines anderen einfach kopiert, um sich selbst Mühe zu ersparen, könnten er und seine Kollegen nicht gänzlich verhindern. „Aber ich kann ja auch nicht verhindern, dass Hausaufgaben im Bus abgeschrieben werden“, verdeutlicht der Mathe- und Physiklehrer. Und auch, dass manch ein Schüler die Kniffe der Technik womöglich schneller raus hat als sein Lehrer sieht er nicht als Problem: „Dass Schüler uns in der Hinsicht überholen ist gut, denn es stärkt auch die Verantwortung untereinander.“ Höhne ist von den Vorteilen des Tablet-Einsatzes überzeugt: „Man kann schwache Schüler damit unheimlich gut fördern und starke Schüler unheimlich gut fordern.“

Einsatz an der Grundschule
Auch die St.-Ursula-Schule hat jüngst 20 Tablets angeschafft und in den vergangenen Wochen erste Erfahrungen damit gesammelt. Rektor Patrick Schnüttgen erklärt: „Wir haben die Geräte bei unserem Kartoffelprojekt mit dem Schubz genutzt. Die Schüler haben Fotos gemacht, Texte dazu verfasst und Rezepte für Kartoffelsalat gesammelt und so zum Projekt ein eigenes kleines Buch erstellt. Jeweils zwei Schüler haben sich ein Gerät geteilt. Wir empfinden die Tablets als große Bereicherung für die Schule, sie werden aber mit Sicherheit nicht die Handschrift ersetzen.“
Auch bei der Schach-AG kommen die Computer bereits zum Einsatz. Ein Jahr lang wolle die Schule nun ausprobieren, wo die Verwendung der Geräte sinnvoll ist, und dann Bilanz ziehen, ob es mit den Tablets weitergeht oder nicht. „Dabei kooperieren wir mit der Universität“, sagt Schnüttgen. Die ersten Eindrücke seien durchweg positiv. „Die Schüler arbeiten überaus motiviert mit.“
Der Schulleiter ist der Meinung: „Die Nutzung ist freiwillig. Ich empfinde es aber geradezu als Verpflichtung, dass wir uns als Schule mit Tablets auseinander setzen und die Nutzung gemeinsam mit den Schülern sinnvoll angehen, schon um ihnen zu zeigen, dass sie nicht nur für Spiele und soziale Netzwerke genutzt werden können.“