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Dem Heuler geht es wieder besser. Über die Hamburger Wildtierstation kommt die Robbe zurück in die Nordsee. Foto: nh/erdmann
Dem Heuler geht es wieder besser. Über die Hamburger Wildtierstation kommt die Robbe zurück in die Nordsee. Foto: nh/erdmann

Heuler auf Abenteuerreise

ca Hohnstorf. Die beiden Angler staunten: Was macht ein Seehund so weit oben in der Elbe bei Hohnstorf? Das Duo holte am späten Sonntagabend Hilfe. Selina Martens, Chefin des Lüneburger Tierheims, schickte ihren Mann Uwe und Tierfreund Klaus Götze in den Außen-Einsatz. „Der Heuler lag am Anleger am Ufer“, erzählt Uwe Martens, „er soll vorher wohl schon gegenüber in Lauenburg gesichtet worden sein. Wir haben geguckt, aber die Mutter der Robbe haben wir nicht entdecken können.“

Für die beiden Tierschützer war klar, dass sie das Jungtier fangen müssen. Die Männer nutzten dafür einen Wolfs-Kescher, also eine Art Reuse. „Klaus hat ihn mit einer Taschenlampe angestrahlt und geblendet“, berichtet Martens. „Ich habe ihn dann mit dem Kescher erwischt.“ Dem Tier hat die „vorläufige Festnahme“ durch den ehemaligen Polizisten Götze nicht gefallen — es zerbiss dessen Jacke.

Am Ende schafften es die Helfer, das Tier in einen Korb im Auto zu setzen. Sie fuhren den jungen Heuler zur Wildtierstation nach Hamburg, die der ehemalige Lüneburger Christian Erdmann leitet. Erdmann hat den Seehund am Dienstag zu Kollegen nach Rastede gebracht, dort haben ihn Mitarbeiter der Aufzuchtstation aus Norddeich übernommen, die ihn demnächst in die Nordsee zurückbringen.

Erdmann sagt, das Fellknäul sei unterernährt. „Er wurde wohl im Juni geboren, müsste rund 16 Kilo wiegen.“ Doch der Kleine bringe gerade mal die Hälfte auf die Waage. Um ihn zu füttern, haben die Helfer dem Seehund einen Schlauch in den Magen gelegt, ihn mit Elektrolyten und Milch versorgt. Satt räkelte er sich danach. „Das hat ihm gefallen, er lag entspannt in der sogenannten Bananenstellung im Korb.“

Es sei heutzutage ungewöhnlich, dass ein Seehund so weit flussaufwärts schwimme, schließlich habe er auch die Schleuse in Geesthacht passieren müssen. Die Nordsee dürfte rund 140 Kilometer entfernt liegen. Allerdings hätten die Seehunde vor hundert Jahren noch die Luhe angesteuert: „Da war die Elbe sauberer als heute.“