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Die Viertklässler Jana, Artemij und Laura (r.) von der Anne-Frank-Schule behalten die Erinnerungen an ihre Klassenkameraden in einem kleinen Buch, das die Schüler selbst gestaltet und getextet haben. Foto: be
Die Viertklässler Jana, Artemij und Laura (r.) von der Anne-Frank-Schule behalten die Erinnerungen an ihre Klassenkameraden in einem kleinen Buch, das die Schüler selbst gestaltet und getextet haben. Foto: be

Fünf Euro für jede Eins

mm/emi Lüneburg. Nach der Zeugnisvergabe begannen endlich die heiß ersehnten Sommerferien. Doch in die Vorfreude mischte sich bei manchen Schülern auch Wehmut. Während die Jungen und Mädchen der Klasse 3b an der Grundschule Barskamp voller Elan aus dem Schulgebäude in die Freiheit stürmten, hieß es für die Viertklässler der Anne-Frank-Schule im Stadtteil Kaltenmoor Abschied nehmen. Für viele Freunde trennen sich ab sofort die Wege, die einen gehen aufs Gymnasium, andere auf Real- oder Hauptschule. Doch noch bleibt viel Zeit für gemeinsame Unternehmungen, denn die Ferien sind lang.

Der neunjährige Mika zeigt vor dem Eingang der Grundschule Barskamp zufrieden auf sein Zeugnis. Jede Menge Einsen und Zweien stehen darauf. So sehr er sich über die guten Zensuren freut, die seine Oma hoffentlich auch diesmal wieder mit fünf Euro entlohnt — die Freude über den Ferienbeginn ist wesentlich größer. „Wir fahren nach Dänemark“, erzählt er begeistert, „die ganze Familie ist dabei: Mama, Papa, meine ältere Schwester, unser Hund. Nur die Katzen bleiben zu Hause.“

Seine Mitschülerin Mailin weiß dagegen noch nicht so genau, wohin die Urlaubsreise gehen soll. „Wir fahren irgendwohin, wo es warm ist.“ Erst zum zweiten Mal nach dem Zwischenzeugnis hat die Drittklässlerin ein Zeugnis mit Noten erhalten. Und die sind durchweg tadellos. Die versprochene Belohnung war wohl ein besonderer Ansporn: „Ich bekomme für jede Eins fünf Euro!“

Freude über gute Noten gibt es auch in der Anne-Frank-Schule, auch wenn die 22 Schüler aus der Klasse 4c ihre Zeugnisse schon vor vier Wochen erhalten haben — sie mussten sich an den weiterführenden Schulen bewerben. Wie Jana, Laura und Artemij, alle zehn Jahre alt. Sie werden nach den Ferien zusammen zur nahen IGS Lüneburg gehen und „hoffentlich in eine Klasse kommen“, sagt Jana. Sie freue sich auf die neue Schule, sei aber auch traurig, dass sie viele ihrer Klassenkameraden erstmal nicht mehr sehe. Denn die Schulwege verlaufen bald in unterschiedlichen Richtungen: Einige führen zur Oberschule am Wasserturm, andere zur Christianischule, fünf Schüler gehen auf das Johanneum.

Im Stuhlkreis der Klasse 4c fragt Lehrerin Barbara Riebandt ihre Schützlinge am Mittwoch Morgen zum letzten Mal nach ihren Ängsten und Sorgen: Sie würden ihre Mitschüler aus vier Jahren Grundschulzeit vermissen, wüssten nicht, ob sie schnell neue Freunde fänden, manch einem ist bange, dass er auf seinem neuen Schulweg den richtigen Bus verpasst. Umso schöner ist es, dass es Grüppchen gibt, die gemeinsam eine neue Schule besuchen.

Untersützt haben sich die Schüler aus der Klasse 4c während ihrer Grundschulzeit immer gegenseitig, auch wenn sie nicht immer dieselbe Sprache sprachen. Zwei syrische Flüchtlingskinder kamen erst vor einem Jahr hinzu, mittlerweile sprechen sie Deutsch. Das sei auch ein Verdienst ihrer Mitschüler, lobt Barbara Riebandt, denn manche Kinder aus der Klasse sprechen Arabisch, konnten übersetzen. Aus acht Nationalitäten war die Klasse zusammengewürfelt, doch die Schüler sind als Einheit zusammengewachsen, die sie nun verlassen müssen.