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Sean Marshall, Michael Zierke und weitere Kollegen haben in dieser Woche in Lauenburg mit Bohrungen bis in 50 Meter Tiefe begonnen. Ab kommender Woche wird auch von im Wasser befestigten Pontons gebohrt. Foto: be
Sean Marshall, Michael Zierke und weitere Kollegen haben in dieser Woche in Lauenburg mit Bohrungen bis in 50 Meter Tiefe begonnen. Ab kommender Woche wird auch von im Wasser befestigten Pontons gebohrt. Foto: be

Lauenburgs Untergrund im Visier

pet Lauenburg. Noch vor einem Jahr demonstrierten Lauenburger bei der Wiedereröffnung des Elbschifffahrtsmuseums. Mehr als 500 Bürger bildeten im Oktober 2014 aus Protest einen „menschlichen Deich“. Zwei Monate später machte Bürgermeister Andreas Thiede mit, als die Initiative „LauenburgSOS“ eine Flagge am Flussufer hisste: Die Bürger der Elbstadt haben die Nase voll von Hochwassereignissen wie im Juni 2013. Zu zögerlich ging ihnen das Land Schleswig-Holstein bei der Verwirklichung eines effektiven Hochwasserschutzes für ihre historische Altstadt vor. Noch frisch waren die Bilder der Elbeflut 2013, als ein Teil des Quartiers absoff, die Elbe mit 9,64 Metern einen Rekordstand erreichte.

Seit dieser Woche können die Lauenburger in Natura sehen, dass es mit den zugesagten Hochwasserschutzmaßnahmen ernst werden soll: An der Elb­uferstraße und in der sich den Hang heraufziehenden Altstadt haben erste Bohrungen begonnen, die nähere Aufschlüsse über das Verhalten des Grundwassers und den Grund selbst geben sollen.

Für Sean Marshall und Michael Zierke vom Seevetaler Brunnenbauunternehmen Wilhelm Soltau ist es ein Routinejob. Auf der Uferseite des Hauses Elbstraße 18 bringen sie die erste von vielen Bohrungen nieder, die sie und ihre Kollegen in den nächsten Wochen in Lauenburg setzen werden. Zuerst ist Knochenarbeit gefragt. „Zwei Meter tief schachten wir von Hand aus“, erklärt Marshall. Dann setzen die Brunnenbauer ihre Trockenbohrmaschine an, aus 40 Zentimetern Höhe treibt ein 200 Kilogramm schweres Schlaggewicht das Bohrgestänge in den Grund.

Knapp zehn Meter haben Marshall und Zierke am zweiten Tag geschafft — wegen eines dicken Felsbrockens mussten sie den Bohrer einmal umsetzen. Bis auf 20 Meter Tiefe soll die Bohrung gehen, regelmäßig werden Bodenproben entnommen, die dann untersucht werden. Insgesamt 28 Bohrungen mit einer Tiefe bis zu 50 Metern sind in den nächsten Wochen geplant, 19 davon werden zu „Grundwassermessstellen“ ausgebaut. Knapp ein Dutzend weitere Bohrungen bis in 20 Meter Tiefe sind in der Elbstraße geplant. Ab nächster Woche werden von Pontons aus weitere Bohrungen im Uferbereich vorgenommen.

Ziel aller Bohrungen, der dann folgenden Untersuchungen und Messungen: Die Grundwassserverhältnisse in der Unterstadt und im Bereich des obenliegenden Geesthangs sollen aufgeklärt werden. Gleichzeitig soll die Stabilität des Baugrunds in diesem Bereich untersucht werden.

Schon im Herbst dieses Jahres sollen die Bohrungen ausgewertet sein. „Ende des Jahres wollen wir entscheiden, welche Maßnahmen ergriffen werden“, so Meyer. „Dabei sollen die Bürger beteiligt werden.“

Das Land Schleswig-Holstein werde 80 Prozent der Kosten für den Hochwasserschutz in Lauenburg übernehmen, sagt Volker Petersen von der Abteilung Wasserwirtschaft, Meeres- und Küstenschutz im schleswig-holsteinischen Umweltministerium. Um exakte Erkenntnisse über den Baugrund zu gewinnen, finanziert das Land die laufenden Untersuchungen komplett. „Wir brauchen eine Grundlage, um zu entscheiden, was ist technisch angemessen, was ist wirtschaftlich vertretbar“, so Petersen.

Sichtlich froh über den Beginn der Bohrungen ist Lauenburgs Erster Stadtrat Jens Meyer: „Wir freuen uns, dass es jetzt losgeht. Man sieht, dass das Land Schleswig-Holstein es ernst meint mit der Ankündigung, etwas für den Hochwasserschutz bei uns zu tun. Wir begrüßen die gründliche Vorbereitung der Maßnahmen. Angesichts von Investitionen in Höhe von rund 20 Millionen Euro muss gründlich geplant werden. Wir hoffen, dass nach Ende der Bohrungen zügig Ergebnisse vorliegen werden.“

Bevor die Arbeiter in Lauenburg Hand angelegt haben, wurde in Sachen Hochwasserschutz schon viel Papier bewegt. So liegt seit Ende 2014 ein 141-seitiges „Realisierungkonzept“ vor. Darin enthalten sind ganz unterschiedliche Überlegungen, etwa der Bau einer tiefgegründeten Spundwand, die Installation von mobilen Hochwasserschutzelementen, die Verlegung von Entwässerungsleitungen, Gas-, Wasser- und Stromleitungen, aber auch Maßnahmen, die Hausbesitzer für den Schutz ihrer Gebäude ergreifen müsen.

Ab wann die Lauenburger sich endlich auch bei Hochwasser sicher fühlen können, ist derzeit noch ungewiss. „Wir rechnen mit einer Verwirklichung in den 2020er-Jahren“, sagt Lauenburgs Bauamtsleiter Reinhard Nieberg.