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Das Jakobskreuzkraut wird 50 bis 150 Zentimeter hoch, jede Blüte hat 13 Blütenblätter, und die Stängel sind oft violett gefärbt. Foto: nh
Das Jakobskreuzkraut wird 50 bis 150 Zentimeter hoch, jede Blüte hat 13 Blütenblätter, und die Stängel sind oft violett gefärbt. Foto: nh

Die gefährliche Schöne – Giftiges Jakobskreuzkraut breitet sich aus

nh Scharnebeck. Der Schein trügt: Die leuchtend gelbe, prächtige Blume am Straßenrand, auf der Wiese, auf dem Brachland ist lebensgefährlich: Das Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea) steht jetzt in voller Blüte. Nach Zecken-Alarm, Fuchsbandwurm, Ambrosia und Riesen-Bärenklau droht nun auch seit mehreren Jahren die gelbe Gefahr für Weidetiere und Menschen: Das Kreuzkraut ist in allen Pflanzenteilen giftig, die in ihm enthaltenen Pyrrolicidin-Alkaloide führen — je nach Aufnahmemenge — früher oder später zu Leberkrebs und qualvollem Tod, und es gibt bisher kein Heilmittel dagegen.

Vier Arten Kreuzkraut mit unterschiedlichem Giftgehalt sind in Norddeutschland besonders verbreitet: das Gemeine Kreuzkraut, das Frühlingskreuzkraut, das schmalblättrige Kreuzkraut und das Jakobskreuzkraut.

Das hochgiftige Jakobskreuzkraut bereitet Weidetierhaltern zunehmend Sorgen — kaum eine Weide ist noch frei davon, über Brachland, Straßenränder und schlecht gepflegtes Grünland breitet es sich unaufhaltsam weltweit aus. Wo andere Pflanzen durch den Klimawandel welken, gedeiht es noch lange, wo Weidetiere die übrigen Pflanzen auf den Weiden wegfressen, reckt es einsam seine gelben Blütendolden empor und kann sich ungehindert vermehren.

Die Erkennungsmerkmale: Pflanze 50 bis 150 Zentimer hoch, Blütendolden mit vielen kleinen gelben Korbblüten, jede Blüte hat 13 Blütenblätter. Die Stängel sind oft violett gefärbt, die dunkelgrünen Blätter unregelmäßig gefiedert. Ob als Grünpflanze, in Heu, Heulage oder Pellets — in jeder Form ist es beim Verzehr giftig.

Pferde sind besonders empfindlich, die anderen Weidetiere wie Kühe, Schafe und Ziegen, aber auch das Wild zeigen erst später Auswirkungen. Durch Kräutertees, Milch und Milchprodukte, durch Honig und Eier und als Beimischung bei Gemüse und Getreideprodukten kann das Gift unter Umständen bis zum menschlichen Verzehr gelangen — die Forschung da­rüber ist noch nicht weit vorangekommen, aber Todesfälle bei Mensch und Tier sind bereits in vielen Ländern nachgewiesen.

Aus Sorge um eigene Tiere und um andere zu informieren und zu warnen, hat sich vor mehreren Jahren der Verein „Arbeitskreis Kreuzkraut“ gegründet. Dessen stellvertretende Vorsitzende Karin-Ose Röckseisen aus Scharnebeck ist jedes Jahr unterwegs, um möglichst viele Kreuzkrautpflanzen auszureißen und so die Vermehrung zu reduzieren. „Allein komme ich nicht dagegen an“, meint sie, „aber gar nichts tun ist noch schlimmer.“ Bei jedem Spaziergang hat sie Handschuhe und einen Korb dabei — die Blüten des Jakobskreuzkrautes schneidet sie ab und entsorgt sie im Restmüll, damit sie keine Samen verbreiten können.

Die ausgerissenen Pflanzen werden in Plastiksäcken kompostiert. Über Tierärzte und öffentliche Aushänge verteilt Röckseisen Informationen, hält auch Vorträge für Vereine, besichtigt auf Anforderung befallene Weiden und hilft bei der Bestimmung der Pflanzen — denn zum Glück ist nicht jede gelb blühende Pflanze ein giftiges Kreuzkraut.
Der Verein bietet umfassende Information auf www.ak-kreuzkraut.de. Wer schnell und vor Ort Hilfe braucht, kann sich direkt an Karin-Ose Röckseisen wenden unter %0175/6407100.