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Tobias Schmidt von Sallier Immobilien glaubt, dass Eigentümer, die durch die geänderten gesetzlichen Bestimmungen aktuell auf einen Makler verzichten, in absehbarer Zeit womöglich doch wieder auf die Hilfe der Experten zurückgreifen. Foto: t&w
Tobias Schmidt von Sallier Immobilien glaubt, dass Eigentümer, die durch die geänderten gesetzlichen Bestimmungen aktuell auf einen Makler verzichten, in absehbarer Zeit womöglich doch wieder auf die Hilfe der Experten zurückgreifen. Foto: t&w

Mieter am Ende der Dumme?

cec Lüneburg. Wer bestellt, bezahlt. Was redensartlich für die Musik gilt, ist seit dem 1. Juni für die Mietcourtage gesetzlich festgeschrieben. Mit dem Bestellerprinzip ist festgelegt, dass derjenige den Makler bezahlt, der ihn beauftragt. Ziel des Gesetzes ist, Mieter — vor allem in Ballungszentren – zu entlasten, die bislang in der Regel die Maklergebühren übernommen haben. Die Neuregelung schlägt hohe Wogen in der Immobilienbranche. Von „Alles nicht so schlimm“ bis „Dagegen muss man vorgehen“ lauten dann auch die Reaktionen, als sich die LZ jetzt unter den örtlichen Maklern nach einer ersten Zwischenbilanz umhört. Wobei sich ein Vertreter der zweiten Gruppe nicht in der Zeitung zitiert wissen wollte.

Einige stehen aber Rede und Antwort, beispielsweise Tobias Schmidt von Sallier Immobilien: „Wir spüren Auswirkungen, aber keine extremen“, gibt er zu Protokoll. Manche Eigentümer hätten die Vermittlung jetzt selbst in die Hand genommen. „Bleibt die Frage, ob die nicht wieder zurückkommen, wenn sie merken, wie umfangreich das alles ist.“ Um eventuelle Einbrüche aufzufangen, setze das Unternehmen zum einen auf sein gutes, 25-jähriges Standing am Markt, zum anderen aber auch auf neue Geschäftsmodelle. Man habe individuellere Dienstleistungspakete geschnürt, weg von den 08/15-Zwei-Nettokaltmieten hin zu bedarfsgerechteren Angeboten. „Wir bieten jetzt auch einzelne Dienstleistungen an, wie zum Beispiel die Wohnungsübergabe.“ Einen Anstieg kann Schmidt bei den Anfragen von Mietern verzeichnen: „Auf eine Wohnung kommen deutlich mehr Anfragen. Das bedeutet natürlich mehr Aufwand für uns.“ Was die Lüneburger Wohnungssuchenden angehe, glaubt der Vermittler, werde es künftig schwieriger, eine Wohnung zu bekommen. „Es ist günstiger geworden, aber definitiv nicht einfacher.“ Vermieter würden jetzt noch stärker als vorher erst einmal im Bekannten- und Freundeskreis nach Interessenten suchen, Wohnungen darum noch weniger an den Markt kommen. Makler würden bei der Mieter-Auswahl noch stärker hinterfragen.

Das sieht Peter-Georg Wagner, Pressesprecher des IVD Nord (Immobilienverband Deutschland) anders: „Der Gelackmeierte wird vor allem der Vermieter sein.“ Wer sich jetzt gegen einen Makler entscheide, müsse mit erheblichem Zeitaufwand für die Mietersuche rechnen, auch seien viele Eigentümer nicht erfahren, wenn es darum geht, potenzielle Mieter richtig einzuschätzen. „Viele werden sich dann irgendwann nach der ersten Bruchlandung doch wieder einen Makler nehmen“, vermutet Wagner. Seitens der Makler treffe die Neuregelung diejenigen härter, deren Hauptgeschäft die Vermietung ist. In Lüneburg gebe es vor allem klassische Misch-Makler.

Hauptsächlich mit Vermietung macht etwa „Alleinunterhalterin“ Monika Ehrhard ihr Geschäft. Ihr Fazit angesichts vier Wochen Bestellerprinzip: „Es wird nicht einfacher. Ich habe einen wesentlich höheren Aufwand.“ Schon die Vorbereitung habe viel Arbeit bereitet, um die Vermieter zu motivieren, bei ihr zu bleiben, müsse sie Zugeständnisse machen und Sondervereinbarungen treffen, etwa Zwei-Jahres-Verträge, die mit einmaliger Courtage-Zahlung mehrere Mieterwechsel umschlössen. Erfahrungen, die Mechthild Keller von Landskrona Immobilien und Mechthild Ester von Hütten & Paläste nicht teilen. Sie sehen keine Gefahr. Die Eigentümer würden den Mehrwert der Maklerdienstleistung erkennen und nutzen, etwa die Erstellung von Energieausweisen. Mechthild Ester: „Ich finde das gerecht, wer bestellt, bezahlt.“

2 Kommentare

  1. Warum wird beim Bestellerprinzip immer nur von Makler oder selbermachen gesprochen? Es gibt inzischen diverse Vermieter-Assistenz Services am Markt, die mind. einen genauso guten Job machen. Und auch neue Online Service die einem Vermieter viel Arbeit für kleines Geld abnehmen.

  2. Nun wird endlich das absurde System abgeschafft. Leider nur für Mieter und nicht für Käufer von Immobilien. Da haben die Lobbyisten Schadensbegrenzung betrieben. Makler, sowie Rechtsanwälte, Homöopathen, Osteopathen und viele andere Berufe sind zu 90% überflüssig .Wer unbedingt jemanden braucht, der sich um die Vermietung seiner Wohnung kümmert wird ihn auch bezahlen, aber wohl nicht so opulent wie bisher.