Aktuell
Home | Lokales | Hauptinspektion auf dem Spielplatz
Wenn Manfred Kalischefski bei der Arbeit ist, kann es auch einmal vorkommen, dass er ein Holzkrokodil umarmen muss. Der 53-Jährige ist zuständig für die Sicherheit der Spielplätze. Foto: t&w
Wenn Manfred Kalischefski bei der Arbeit ist, kann es auch einmal vorkommen, dass er ein Holzkrokodil umarmen muss. Der 53-Jährige ist zuständig für die Sicherheit der Spielplätze. Foto: t&w

Hauptinspektion auf dem Spielplatz

cec Lüneburg. Sand ist für Manfred Kalischefski nicht mehr Sand, seit er bei der Abwasser, Grün & Lüneburger Service GmbH für Bäume und Spielplätze zuständig ist. „Das ist für mich Fallschutz“, sagt der 53-Jährige. Unter jedem Spielgerät, das über einen Meter hoch ist, muss 40 Zentimeter Fallschutz den Boden bedecken, gewaschener Kies, der immer locker bleibt, nicht zusammenklebt, wenn es regnet, damit ein Kind weich fällt, sollte es zum Sturz kommen. Um diese und alle anderen vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen für die 155 Spielplätze auf Lüneburgs Stadtgebiet zu gewährleisten, rücken Kalischefski und sein Team vier Mal im Jahr zum Spielplatztesten aus.

Gerade wieder haben sie eine Hauptinspektion abgeschlossen. Sein Fazit: „Lüneburgs Spielplätze sind auf hohem Niveau. Die Prüfung hat keine groben Mängel ergeben.“ Lediglich zehn kleine der insgesamt gut 1000 Geräte müssten ausgetauscht werden, aber erst im kommenden Jahr.

Gucken, anfassen, rütteln, belasten, so gehen Kalischefski und seine Kollegen vor. Zehn Minuten brauchen die drei Prüfer für kleine Spielplätze, beispielsweise den Ecke Wildgraben/Am Kreideberg mit seinen vier Geräten, rund eine halbe Stunde für die größten wie den Auf der Höhe, der gut 15 Geräte bietet. Jede Schraube wird untersucht, jede Befestigung unter die Lupe genommen. Sie hängen sich an Seile, legen sich in Nestschaukeln, wackeln an Spiralfedern, treten gegen Holzstämme, messen Spaltmaße, dehnen Trampoline, schaufeln den „Fallschutz“ um tragende Balken weg, um zu schauen, ob diese womöglich unter der Oberfläche faulen und so die Standsicherheit gefährdet ist. Nur selbst spielen — das tun sie nicht. „Denn die Belastungsgrenzen der Geräte sind ja für Kinder ausgelegt“, erklärt der Spielplatzspezialist. Einzig die Seilbahn wird persönlich ausprobiert, deren Sitz bei Belastung von 80 Kilogramm noch mindestens 40 Zentimeter Luft zum Boden haben muss.

Schaukel/Rutsche/Wippe — den Weg vom 70er-Jahre-Standard zum heutigen Erlebnisplatz mit Geräten in phantasievollen Formen aus naturbelassenen Materialien habe die Stadt dank pfiffiger Ingenieure früh beschritten, sei auch Vorreiter bei der Partizipation von Eltern und Kindern an der Spielplatzgestaltung gewesen, weiß Kalischefski, der seit 31 Jahren im Bereich Stadtgrün tätig, seit 2007 zuständig für Bäume und Spielplätze ist. Umso weniger begreift er das Unverständnis mancher Besucher des neuen Spielplatzes am Schifferwall. „Einige sehen da­rin nur eine sinnlose Anordnung von Hölzern“, wundert er sich. Anrufer würden ihn fragen, was das soll, denen fehle die richtige Perspektive. „Spielplätze muss man mit den Augen eines Kindes betrachten.“ Denen sei sofort klar: Die Stämme bilden zusammen ein Schiff.

Wirklich fassungslos ist der Spielexperte aber, wenn er einige Vandalismus-Fälle schildert: Schaukel-Ketten wurden angesägt. Kunststoffseile angekokelt. Das Stadtgrün-Team habe auch schon ausgefahrene Teppichmesser gefunden, die hochkant im Auslaufbereich von Schaukeln platziert waren. „Das ist für mich kein Vandalismus mehr, sondern grenzt schon an Körperverletzung.“ Augen auf, rät Kalischefski darum auch den Eltern. Denn neben dem vierteljährlichen Hauptcheck gebe es zwar eine wöchentliche Sichtkontrolle, aber pausenlos könne man die Plätze nicht überwachen.