Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Symbolfoto: A/ta
Symbolfoto: A/ta

Ein bisschen gefährlich?

cec Lüneburg. Zwei verletzte Menschen, zwei tote Schwäne, ein verwundetes Reh — immer wieder in den vergangenen Jahren sind die Hunde eines Lüneburgers auffällig geworden. Zuletzt im Juli: Auf dem Gelände der Firma Sack & Pack biss sein Beagle-Schäferhund-Mix einem Mann ins Knie. Das Opfer stellte Strafanzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung, ließ diese zwar nach einer Entschuldigung des Hundehalters wieder fallen, dennoch griff der Landkreis als zuständige Behörde ein, beorderte die Hunde zum Veterinäramt, um deren Gefährlichkeit einzustufen. Nicht gefährlich, urteilte die Tierärztin, empfahl aber der Stadt, Auflagen zu veranlassen, um ein Restrisiko auszuschließen: Leinenzwang für einen Hund; Maulkorb für beide, wenn sie in der Öffentlichkeit unbeaufsichtigt angebunden sind. Der Halter klagte dagegen. Jetzt wurde der Fall vor dem Verwaltungsgericht Lüneburg verhandelt.

Nachdem eine gütliche Einigung während der Verhandlung gescheitert war, beantragte die Stadt, die Klage abzuweisen. Sehr zum Ärger des Mannes: Laut schimpfend verließ er den Gerichtssaal, schloss die Tür, um kurz darauf wieder zu erscheinen und weiter seinem Unmut über vermeintliche Willkür Luft zu machen. Ein Urteil steht noch aus.

Seit 15 Jahren hält der Kläger eine wechselnde Anzahl von Hunden. Zu den Vorfällen lägen mittlerweile umfangreiche Akten vor, erklärte die Richterin zum Auftakt der Verhandlung: 2010 riss einer der Hunde ein Reh im Hanseviertel. Im Juni 2012 wurde eine Frau beim Supermarkt an der Saline ins Knie gebissen, als sie versuchte, ihren eigenen, angeleinten Hunde vor den frei laufenden Tieren des Klägers zu schützen. Ebenfalls 2012 wurde der erste Schwan im Lösegraben getötet, 2013 ein weiterer am Kreidebergsee. Im März 2013 nahm die Polizei den Hundehalter in Gewahrsam, nachdem er alkoholisiert Passanten an der Saline bepöbelt hatte, seine Vierbeiner kamen in die Obhut des Tierheims. Damals griff die Stadt zum ersten Mal durch, untersagte dem Mann jegliche weitere Hundehaltung. Der klagte zwar, doch kam es zu einer außergerichtlichen Einigung: Der Hundehalter bot von sich aus an, zwei seiner damals vier Hunde abzugeben.

So entgegenkommend zeigte er sich im aktuellen Verfahren nicht, vor allem, weil er Schwierigkeiten hatte, die Zuständigkeiten der Behörden nachzuvollziehen. Der Kreis ist nach dem Niedersächsischen Hundegesetz zuständig für die Beurteilung der Gefährlichkeit der Tiere. Dennoch kann die Stadt als Ordnungsbehörde Auflagen zur Sicherheit der Öffentlichkeit erlassen, wenn Hunde auffällig geworden sind — egal, ob sie als gefährlich eingestuft werden oder nicht und auch unabhängig von Strafanzeigen. Diese Sachlage versuchten Richterin und Stadtvertreterin dem Kläger klar zu machen, vergeblich: Immer wieder fiel er den beiden Frauen ins Wort, fühlte sich seitens des Veterinäramtes betrogen. „Die Tierärztin hat mir ins Gesicht gesagt, meine Hunde sind nicht gefährlich. Ich habe mich bei ihr noch per E-Mail bedankt, und dann bekomme ich einen Arschtritt.“ Dass sie schriftlich der Stadtverwaltung dennoch eine Empfehlung für die Auflagen aussprach, war ihm unbegreiflich: „Das wird mir doch nur zugereimt, weil ich ins Täterprofil passe.“

2 Kommentare

  1. Ich denke das beim solchen Fällen muss ja etwas Stränge bleiben und richtig Konsequenzen ziehen.

  2. das ganze ist typisch, nicht die hunde haben schuld, sondern der besitzer. solange sich jeder ohne nachweis von kenntnissen ein hund anschaffen kann, wird dieses immer wieder passieren. der hundeführerschein ist ein witz.