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Ulrike Söhl erklärt den Besuchern, wie aus der Pflanze eine wertvolle Faser entsteht. Foto: ki
Ulrike Söhl erklärt den Besuchern, wie aus der Pflanze eine wertvolle Faser entsteht. Foto: ki

Vom Raufen, Riffeln und Hecheln

ki Lemgrabe. Mehr als 1000 Besucher strömten am Sonntag zum 18. Flachsfest der Arbeitsgruppe „Flachs und Leinen“ in Lemgrabe in der Gemeinde Dahlenburg. Dabei erlebt ein fast vergessener Rohstoff eine Renaissance. Ulrike Söhl und Nina Plambeck stellten die Gewinnung der Flachsfaser von der Aussaat bis zum Verspinnen vor. Sie erklärten und demonstrierten den Besuchern anhand der Gerätschaften, wie mühselig das alte Handwerk ist: Der reife Flachs wird mit der Wurzel ausgerauft, beim Riffeln werden die Samenkapseln vom Stängel abgestreift. Weiter geht es mit Brechen und Schwingen, um die Holzteile herauszulösen. Der nächste Arbeitsgang ist das Hecheln, um mit einem Kamm die gewünschte Feinheit der Faser herzustellen.

Das Flachsfest am Sonntag war gleichzeitig ein kleiner exklusiver Kunsthandwerkermarkt. Ein Korb- und Stuhlflechter stellte sein Handwerk ebenso vor wie eine Keramikmeisterin und ein Drechsler. Das Angebot reichte zudem von Schmiedearbeiten über Leinen-Patchwork und regionalen Feldfrüchten bis hin zu den Produkten einer Schäferei. Und wer wollte, konnte sich in einer Filzwerkstatt eine „Schatzkugel“ filzen.

Auch Webmeisterin Gerda Thost bot selbst gewebte Decken, Tücher und Schals an. Die gibt es sonst beim Kloster Lüne zu kaufen. Unter ihrer fachkundigen Anleitung konnten sich Besucher als Weber versuchen. So wie Sophia (10), die schon im vergangenen Jahr davon so begeistert war, dass sie von ihren Eltern einen Webkurs geschenkt bekam und an zwei Tagen zu jeweils acht Stunden mit großem Eifer das Weben erlernte. Ihr Vater schwärmte geradezu, von zwei wunderschönen Schals, die sie in Lüneburg gewebt hatte. Und diesmal setzte sich das Mädchen beim Flachsfest gleich wieder an den Webstuhl von Gerda Thost und war kaum wegzulocken.

Aber es gab noch mehr zu erleben: In einem Zelt drehten sich pausenlos die Spinnräder von 20 Frauen der Neetzer und Dahlenburger Spinnstube. Der Förderverein der Ortsfeuerwehr Lemgrabe-Dumstorf bot leckere Speisen an und für die Kinder gab es eine Strohburg zum Toben und kostenlose Rundfahrten mit einem Feuerwehr-Oldtimer.