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Tobias Schütte (r.) wirbt zur Freude von Mit-Organsiator Randolf von Estorff  für das Grillen von Widerstandswürstchen. Foto: uk
Tobias Schütte (r.) wirbt zur Freude von Mit-Organsiator Randolf von Estorff für das Grillen von Widerstandswürstchen. Foto: uk

Radeln gegen neue Bahn-Schienen

uk Betzendorf. Widerstand zeigt sich gern kreativ: Wie viele andere ist Gesa Holst am Sonntag nach Betzendorf geradelt, um ihren Protest gegen eine mögliche Neubaustrecke der Bahn auszudrücken. Während sich die rund 200 Teilnehmer der Schlusskundgebung unterm Zeltdach sammeln, präsentiert die junge Frau aus Hansen im Landkreis Uelzen ihr Mitbringsel — einen mit Zuckerguss verzierten ICE-Kuchen.

„Den können wir gemeinsam in Stücke zerlegen“, kündigt sie an. Zum „Trassengrillen“ steuert Tobias Schütte noch 250 „Widerstandsbrötchen“ bei und demonstriert, wie sich zwei Grillwürstchen zum Widerstandskreuz formen lassen. Die Stimmung war gut unter den Teilnehmern der Sternfahrt, zu der vier Bürgerinitiativen aufgerufen hatten. Das Bürgerbündnis Nordheide, die Initiative Pro Lebensraum Eimke-Wriedel, das Aktionsbündnis für die Ostheide (AFDO) und die Bürgerinitiative Suderburger Land sind sich einig: eine Neubau­trasse der Bahn durch die Heideregion darf es nicht geben.

„Betzendorf wäre von zwei Trassenvarianten betroffen“, sagte Ortsbürgermeister Carsten Müller. „Ich möchte mir nicht vorstellen, dass in unserer schönen Region die Hügel abgetragen werden und die Landschaft zerschnitten wird.“ Landtagsabgeordneter Jörg Hillmer (CDU) aus Suderburg hofft, dass das Dialogforum zu einer tragbaren Lösung findet: „Wichtig ist, dass wirklich alle Anliegen der Bürger einbezogen werden.“ Man müsse die Rolle der Bahn dabei kritisch begleiten: „Es stellt sich die Frage, was die Bahn für ein Spiel treibt. Schließlich ist sie bei dem Projekt gleichzeitig Planer und Betreiber der Strecke.“ Der Lüneburger Bundestagsabgeordnete Eckhard Pols (CDU) streifte sich bereitwillig das Protest-T-Shirt über, das ihm Mitglieder der Gellerser BI überreicht hatten: „Sie wissen mich auf Ihrer Seite.“ Gleichzeitig sah er Schwierigkeiten bei einem möglichen Ausbau der Bestandstrecke Lüneburg-Uelzen: „In Lüneburg haben wir ein Nadelöhr, das zum Problem wird.“

Eberhard Leopold, Sprecher des Bürgerbündnisses Nordheide, sieht Chancen für das von den BIs favorisierte Alpha-Konzept mit dem Ausbau der Bestandsstrecken und der Ertüchtigung der Amerikalinie Uelzen-Langwedel. Im Dialogforum werde die Variante befürwortet, deren Realisierung schnell möglich sei. „Das spricht für den Ausbau der Bestandsstrecken, der in fünf bis sechs Jahren möglich wäre, während ein Neubau mindestens 15 Jahre dauern würde.“ In einem Positionspapier machen sich die BI-Sprecher für „Ausbau vor Neubau“ stark und fordern für die Ausbaustrecken zugleich „umfassenden, auf dem höchsten Stand der Technik befindlichen Lärmschutz, der über den gesetzlichen Rahmen hinausgeht.“