Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Mit einem klaren Grün - barrierefreie Fahrt für Rollstuhlfahrer - bewerteten Andreas (vorn) und Björn Feldmann das neue Lüneburger Museum für die Webseite wheelmap.org. Mehr als 500.000 öffentlich zugängliche Orte weltweit sind hier bislang auf ihre Rollstuhltauglichkeit untersucht und kartiert worden. Foto: t&w
Mit einem klaren Grün - barrierefreie Fahrt für Rollstuhlfahrer - bewerteten Andreas (vorn) und Björn Feldmann das neue Lüneburger Museum für die Webseite wheelmap.org. Mehr als 500.000 öffentlich zugängliche Orte weltweit sind hier bislang auf ihre Rollstuhltauglichkeit untersucht und kartiert worden. Foto: t&w

Freie Fahrt im neuen Museum

cec Lüneburg. Wer als ortsfremder Rollstuhlfahrer nach Lüneburg kommt und einen Besuch im neuen Museum plant, kann schon etwas eingeschüchtert werden beim Anblick der weitläufigen Treppe, die zum Eingang hinaufführt. Schweift der Blick ein wenig nach rechts, ist dann zwar schnell der Aufzug zu entdecken, der Körperbehinderte, Mütter mit Kinderwagen oder Senioren am Rollator nach oben bringt. Um aber Menschen im Rollstuhl solche Schrecksekunden zu ersparen, hat der Berliner Verein Sozialhelden die Internetseite wheelmap.org ins Leben gerufen, eine Karte, auf der jeder weltweit die Rollstuhltauglichkeit von Orten mittels Ampelsystem und detaillierteren Text-einträgen bewerten kann. „So kann man sich auf Ausflüge und Reisen vorbereiten und Überraschungen vermeiden“, sagt Andreas Feldmann vom Lüneburger Verein Hilfe zur Selbsthilfe, der sich zusammen mit seinem Sohn Björn aufgemacht hat, die Seite mit Eintragungen aus der Salzstadt zu bereichern. Heute ist das Museum an der Reihe, denn hierhin soll der nächste Vereinsausflug gehen.

Die Eingangstür schwingt automatisch auf, Björn Feldmann kann seinen Vater problemlos ins Foyer schieben. Erster Pluspunkt beim „Mappen“, wie die Sozialhelden die Beschreibung eines Ortes für die Webseite nennen. Begleitet von Paula Christophsen vom Kassenshop des Museums führt der erste Abstecher zu der Behindertentoilette im Untergeschoss. Viel Platz im Fahrstuhl, der die Tasten auf der richtigen Höhe hat. Der Sanitärraum selbst ist großzügig mit offener Tür und viel Raum zu allen Seiten. Das sei wichtig, weil sich Rollifahrer, je nachdem, welcher Arm stärker ist, mal von rechts, mal von links auf die Toilette heben würden. „So, wie es sein soll“, bilanziert Andreas Feldmann. Nicht wie im Metronom. „Das ist ganz spannend. Versuchen Sie da mal, die WC-Tür zu schließen…“

Im Mai hat der 58-Jährige den Gründer der Sozialhelden, Raúl Krauthausen, in der Fernsehsendung „Quiz des Menschen“ bei Dr. Eckart Hirschhausen gesehen und war beeindruckt. Krauthausen, Aktivist für Barrierefreiheit und Inklusion, ist an der Glasknochenkrankheit erkrankt, habe, als es im Gespräch mit dem Moderator um Heilungsaussichten ging, verweigert, sich als krank anzusehen. „Er sagte zu Hirschhausen: Sie haben dunkelblonde Haare. Wollen Sie das heilen?“, erinnert sich Feldmann. Eine Haltung, die ihm nahe ist: „Ich bin zwar behindert, aber oft werde ich auch nur behindert.“ Darum ist er für „Wheelmap“ aktiv geworden, hat mittlerweile rund 15 Orte beschrieben, vom Palais am Werder bis hin zum Military-Gelände Luhmühlen, auf dem er sich eine Open-Air-Oper angeschaut hat.

Im Museum liegt mittlerweile der erste Ausstellungsraum hinter dem Vater-Sohn-Gespann. Mit einem zweiten Aufzug geht es in die erste Etage. Oben, wie schon unten, weitläufige Gänge und Räume, kein Grund zur Beanstandung. Wie Sehbehinderte oder Blinde zurechtkommen, will Feldmann von Paula Christophsen wissen. Hier seien entsprechende Angebote im Werden. „Da sind wir dran, planen unter Einbeziehung des Behindertenbeirats eine Tastführung.“ Auch soll der Multimediaguide künftig für sehbehinderte Besucher ausgelegt werden. Die Feldmanns sind zufrieden: „Dem Vereinsausflug steht nichts entgegen.“

Fünf Rampen für Lüneburg

Die Sozialhelden kümmern sich nicht nur darum, die Rollstuhlgerechtigkeit von öffentlichen Orten zu kartieren, sondern wollen auch als Wegbereiter dienen – mit dem Spendenprojekt „Tausendundeine Rampe“. Auf der Internetseite www.wheelmap.org — Projekte — Wheelramp können sich soziale Einrichtungen, Vereine und gemeinnützige Organisationen um eine kostenlose mobile Rollstuhlrampe bewerben. Eine Idee, die sich der Verein Hilfe zur Selbsthilfe zum Vorbild genommen hat.

Fünf Rampen möchte er in Lüneburg spenden, für Orte, die Rollstuhlfahrer gerne aufsuchen würden, aber nicht können. Hierfür bitten Andreas und Björn Feldmann um die Unterstützung der Betroffenen: „Bitte machen Sie uns bis zum 31. August Vorschläge, an welchen Orten – ob öffentliche Einrichtungen oder auch private – Rampen aus Ihrer Sicht dringend nötig sind, per Mail an rollstuehle@gmail.com.“