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Ob Amelinghausen eine Bettensteuer einführt, hängt auch von der künftigen Kooperation zwischen Samtgemeinde und Vermietern ab. Foto: dth
Ob Amelinghausen eine Bettensteuer einführt, hängt auch von der künftigen Kooperation zwischen Samtgemeinde und Vermietern ab. Foto: dth

Kurbeitrag für Amelinghausen?

dth Amelinghausen. Die Zwangsabgabe droht: Ein Fremdenverkehrsbeitrag würde alle Betriebe der Samtgemeinde betreffen, vom Vermieter bis zum Handwerker. Auch die alternative Erhebung eines Kurbeitrags steht im Raum. Jedenfalls braucht der touristische Eigenbetrieb der Samtgemeinde Amelinghausen mehr Personal und somit mehr Geld, so lautete eine Botschaft von der Sitzung des Fremdenverkehrsausschusses vor rund 40 Zuhörern am Dienstagabend im Amelinghausener Rathaus. Die Samtgemeindepolitik hat sich zumindest auf eine kurzfristige Übergangslösung verständigt, um die Tourist-Info vernünftig durch die aktuelle Saison zu bringen. Doch für die angestrebte strategische Neuaufstellung der Urlaubsregion Amelinghausen stehen neben der Samtgemeinde auch die Partnerbetriebe nicht nur finanziell in der Pflicht.

Die bisher geleistete freiwillige Marketing-Umlage reicht zur Finanzierung der Zukunftswünsche nicht aus. Mehr Eigeninitiative der Vermieter und Gastronomen könnte die ungeliebte Zwangsabgabe noch abwenden.

Unter dem Dach der regionalen Tourismus-Agentur Lüneburger Heide GmbH soll Amelinghausen eine neue Markenstrategie entwickeln, weil die klassischen Heide-Touristen aussterben, das wurde bereits bei der vergangenen Hauptversammlung deutlich. Sonja von Reden, seit Herbst Teamleiterin des Amelinghausener Eigenbetriebs „Tourismus, Marketing und Wirtschaftsförderung“, warb um zusätzliche personelle Unterstützung und erhielt bei der Versammlung Rückenwind. Bei der jetzigen Ausschuss-Sitzung sollten Partnerbetriebe und Politik einen Lösungsweg entwickeln.

Zu Beginn der Sitzung beteiligten sich Vertreter der Partnerbetriebe an einer regen Diskussion, forderten aber vor allem die Politik zum Handeln auf. Auf der anderen Seite sah der Ausschuss mehrheitlich den Ball im Spielfeld der Bettenbetriebe und Gastronomen.

Derzeit steuert die Samtgemeinde Amelinghausen jährliche Zuwendungen von 57000 Euro bei. Um aber die diskutierte Personalaufstockung für Back-Office und Kundenbetreuung zu finanzieren, wären weitere 61000 Euro notwendig. Die freiwillige Marketing-Umlage der Partnerbetriebe spült allerdings nur 24000 bis 26000 Euro jährlich in die Kasse, sagte Samtgemeindebürgermeister Helmut Völker (parteilos).

Den Vorstoß des Ausschuss-Vorsitzenden Detlev Schulz-Hendel (Grüne), kurzfristig auf Samtgemeinde-Kosten neues Personal einzustellen, bremste Völker aus. „Das passt nicht zu der vom Samtgemeinderat beschlossenen Haushaltskonsolidierung.“ Aber auch die freiwillige Abgabe der Partnerbetriebe sieht er kritisch: „Die Marketing-Umlage ist total ungerecht. Es gibt Trittbrettfahrer ohne Ende.“ Zu viele Betriebe würden die Vorteile des kommunalen Marketings und der Infrastruktur nutzen, ohne sich finanziell zu beteiligen. „Mehr und mehr komme ich zu dem Schluss, dass eine verpflichtende Abgabe sinnvoller ist, anstatt einer freiwilligen Vereinbarung.“

Schon einmal hatte Amelinghausen einen Fremdenverkehrsbeitrag erhoben: Die Einnahmen lagen zuletzt bei 40000 D-Mark. Die Satzung ist aber seit Einführung der freiwilligen Marketing-Umlage ausgesetzt worden. Früher hatte nur die Gemeinde Amelinghausen als staatlich anerkannter Erholungsort den Beitrag von den örtlichen Betrieben verlangt. Laut Völker habe sich aber die Gesetzeslage geändert, nun reiche ein anerkannter Erholungsort aus, um den Beitrag in allen Orten einer Samtgemeinde einzutreiben.

Gegen die „Zwangsbeglückung“ sprach sich vehement Jochen Studtmann (FDP) aus. Für seine Gegenrede rückte er vom Ratstisch ab und sprach als Inhaber des Amelinghausener Glockenhofs. Als Anlieger der Bundesstraße 209 wüsste er gar nicht, „wofür ich einen Kurbeitrag bei meinen Gästen eintreiben soll“. Hingegen sei er durchaus für einen Solidaritätsbeitrag im Eigenbetrieb.

Wie weit allerdings die Solidarität bei Vermietern und Gastronomen reicht, sollen nach der Sommersaison gemeinsame Workshops zeigen. Frank Gerstenkorn (CDU) sagte: „Wir müssen eine gemeinsame Plattform entwickeln.“

Marketing-Fachfrau Sonja von Reden zeigte sich bei der Sitzung resigniert, hatte sie doch auf mehr Unterstützung im operativen Geschäft gehofft. Sie sagte: „Ich bin eigentlich dafür eingestellt worden, das hier strategisch neu aufzustellen.“ Später machte von Reden deutlich, dass sie ohne angemessene personelle und finanzielle Unterstützung die „dringend nötige wettbewerbsfähige Neuausrichtung nicht konstruktiv vorantreiben könne“ und sie gegebenenfalls persönliche Konsequenzen ziehen müsse. Schulz-Hendel: „Wenn ich Sonja von Reden wäre, hätte ich das Buch schon zugeklappt.“ Er stimmte als einziger gegen die kurzfristige Minimallösung mit der Ergänzungskraft in der Tourist-Info. Seiner Ansicht nach würde eine Personalaufstockung der Haushaltskonsolidierung grundsätzlich nicht widersprechen. Ausgang offen.

One comment

  1. In der kleinen wie in der großen Politik: Unkoordiniert.

    Zwangsabgabe, aufkommende Wolfsprobleme, Windpark Auswüchse, schwindende Heide, gutes Internet viel teuer, Flüchtlinge… Amelinghausen und Umgebung werden mit Rückschritten noch umfangreiche Erfahrungen sammeln. Die Politik denkt verkürzt und einzelthematisch. Marketingsstrategisch läuft da nachweislich gar nichts.