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War Ziad K. (r.) schon vor der Bluttat gewalttätig gegen seine Ehefrau? Diese Frage stand im Mittelpunkt der aktuellen Zeugenbefragung. Foto: A./phs
War Ziad K. (r.) schon vor der Bluttat gewalttätig gegen seine Ehefrau? Diese Frage stand im Mittelpunkt der aktuellen Zeugenbefragung. Foto: A./phs

Doppelmord-Prozess: Keine Belege für Übergriffe vor der Bluttat

mm Lüneburg. Der Angeklagte Ziad K. betritt mit dem Rücken zu den Zuhörern den Gerichtssaal. Er senkt den Blick, nachdem ihm die Handschellen abgenommen wurden und er sich gesetzt hat. Seine linke Gesichtshälfte verdeckt er mit einer Hand, das Publikum soll ihn so wenig wie möglich beobachten können.

Wie berichtet, wird ihm zur Last gelegt, im Januar in der eigenen Wohnung an der Adolf-Reichwein-Straße in Kaltenmoor seine Ehefrau und deren Freundin erstochen zu haben. Tatmotiv könnte sein, dass sich Ziad K. daran störte, dass seine Ehefrau den gemeinsamen jesidischen Glauben ablegen und zum Christentum übertreten wollte, zusammen mit ihrer Freundin besuchte sie regelmäßig eine freikirchliche Gemeinde.

Im Prozess um den Doppelmord vor der 10. Großen Strafkammer im Landgericht Lüneburg sagen an diesem Tag drei Zeuginnen aus dem näheren Umfeld von Ziad K. aus. Im Fokus ihrer Befragungen steht, ob sie mitbekommen hätten, dass der Angeklagte gegenüber seiner Frau und den drei Kindern gewalttätig oder aggressiv gewesen sei.

Die erste Zeugin, von der Nebenklage benannt, gibt nur wenig Auskunft über den Angeklagten, etwa, ob die Freundin seiner Ehefrau ihn zum christlichen Glauben bewegen wollte. Sie wisse nicht, ob die beiden darüber gesprochen hätten. Sie wisse aber, dass die Freundin den Wunsch gehabt habe, dass das Leben der Ehefrau „wieder in Ordnung kommt“. Am Tattag sei die Freundin kurz nach dem Gottesdienst zu ihr gekommen, habe erzählt, dass der Angeklagte sie am Nachmittag in seine Wohnung eingeladen hätte, um „über die Predigt zu sprechen“. In jener Wohnung starb die Freundin noch am selben Tag.

Als nächstes ist eine Sozialarbeiterin im Zeugenstand, sie lernte Ziad K. und dessen Ehefrau über ihre Arbeit kennen. Der Angeklagte vergräbt sein Gesicht in seinen Händen, solange die Zeugin spricht. Die 52-Jährige gibt an, dass Ziad K. und dessen Frau sie unterstützt hätten, indem sie übersetzten. Von anderen habe sie erfahren, dass es Beziehungsprobleme gegeben haben soll, die Ehefrau habe sich gewünscht, dass ihr Mann sie mehr im Haushalt und bei der Kinderbetreuung unterstütze, von häuslicher Gewalt oder Aggressionen des Angeklagten gegenüber seiner Familie sei ihr hingegen „nichts bekannt“.

Auch die dritte Zeugin ist Sozialarbeiterin, sie berichtet: Die Ehefrau habe sich in der Erziehung und Betreuung der gemeinsamen Kinder „allein gelassen gefühlt“. Es habe Pläne der beiden gegeben, sich mit einem Pizzalieferservice selbstständig zu machen. Die Ehefrau habe sich „beruflich weiterentwickeln wollen“. Auch diese Zeugin meint: „Körperliche Auseinandersetzungen hat es nicht gegeben.“ Dafür aber einen großen Streit im Sommer vergangenen Jahres. In der Folge habe die Ehefrau für drei Wochen die Stadt verlassen, die Beziehung habe „auf der Kippe gestanden“, sagt die Sozialarbeiterin. Das habe ihr die Ehefrau in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt, die Frau habe gehofft, dass „sich alles zum Positiven wendet“.

Für den nächsten Verhandlungstag kündigte der Verteidiger an, weitere Beweisanträge stellen zu wollen. Sie sollen belegen, dass sein Mandat gegenüber Frau und Kindern nicht gewalttätig war.

Der Prozess wird am 20. August fortgesetzt.