Aktuell
Home | Lokales | Lüneburger Salztherme: Rätsel um offene Schränke
SaLü-Geschäftsführer Dirk Günther spricht von User-Fehlern, er hält das chip-gestützte Schließsystem für sicher. Foto: t&w
SaLü-Geschäftsführer Dirk Günther spricht von User-Fehlern, er hält das chip-gestützte Schließsystem für sicher. Foto: t&w

Lüneburger Salztherme: Rätsel um offene Schränke

us Lüneburg. Dass etwas mit seinem Spintschlüssel nicht stimmen könne, sei ihm schon auf dem Rückweg zu den Umkleideschränken aufgefallen. „Auf dem Anzeige-Display vor dem Umkleidetrakt hieß es plötzlich Error“, berichtet Egon Höllger. Als er dann vor seinem Schrank stand, war das Schloss gesperrt, stattdessen klebte an der Tür ein Zettel mit der Aufschrift „Bitte melden Sie sich an der SaLü-Kasse“. Dort informierte man ihn, sein Schrank sei offen gewesen, zur Sicherheit habe man ihn geschlossen, deshalb habe er ihn mit seinem Schlüssel einem digitalen Chip nicht mehr öffnen können. Von einem Mann, der nicht zum SaLü-Team gehörte, sei ihm dann der Schrank geöffnet worden. Kurz darauf stellte Egon Höllger fest, dass ihm 800 Euro fehlten.

„Irgendwas stimmt da nicht“, sagt Höllger, der sich über den Verlust des Geldes ärgert, „doch das ist meine eigene Dummheit. Ich hätte so viel Geld nicht dabei haben sollen.“ Vielmehr empört ihn, dass man ihm unterstellt, er selbst habe den Schrank nicht ordnungsgemäß verschlossen. „Es hieß lapidar, es sei ein User-Fehler gewesen.“ Das aber könne nicht sein, dafür habe er auch einen Zeugen. Denn als er mit einem Bekannten wie gewohnt an dem Abend ins SaLü gegangen war, habe dieser einen Schrank öffnen können, der aber bereits belegt war. Seinen Schlüssel habe er daraufhin an der Kasse am Eingang neu programmieren lassen müssen, ein Mann habe den versehentlich geöffneten Schrank wieder verschlossen. Beide hätten deswegen beim Abschließen ihrer Schränke dann ganz genau darauf geachtet, dass die Türen auch wirklich verschlossen sind. „Mein Bekannter hatte sogar extra an meiner Schranktür gerüttelt, um es zu überprüfen“, sagt Höllger. Auch dass dort „immer wieder diese Zettel an den Schränken hängen“, mache ihn stutzig.

Immer wieder hängen Zettel wie dieser an den Schranktüren im Umkleidebereich des Freizeitbades. Foto: nh
Immer wieder hängen Zettel wie dieser an den Schranktüren im Umkleidebereich des Freizeitbades. Foto: nh

Vom Geschäftsführer des SaLü, Dirk Günther, fühlte er sich regelrecht abgespeist. „Ich kam mir vor wie ein dummer Junge. Dass es am System liegen könnte, kam für ihn überhaupt nicht in Betracht“, ärgert sich Höllger. Höllger hat gleich am nächsten Tag Strafanzeige erstattet und einen Anwalt eingeschaltet. „Ich wurde bestohlen, denn mein Schrank war definitiv abgeschlossen, das würden wir auch beeiden.“

Dirk Günther selbst möchte sich zu dem Vorwurf nicht äußern, die stadteigene Gesundheitsholding, zu der auch das Freizeitbad gehört, teilt auf Nachfrage mit: „Das im SaLü eingesetzte chipgesteuerte Schließsystem für die Kleiderschränke der Badegäste wird in mehr als 200 Bädern in ganz Deutschland eingesetzt, ist etabliert und als sicher anerkannt. Sobald ein Gast einen Chip zum Benutzen eines Schrankes verwendet, erkenne das Schloss nur noch diesen Chip an. Diese Verbindung werde erst dann gelöst, wenn der Gast das entsprechende Schloss mit seinem Chip wieder öffnet. „Wenn in der Vergangenheit ein Schrank trotz Belegung nicht verschlossen war, ließ sich das darauf zurückführen, dass Badegäste einen unbeabsichtigten Fehler bei der Nutzung des Schließsystems gemacht hatten. Andere Ursachen wurden nie gefunden.“

Ob es tatsächlich einen Bedienfehler gab, könnte ein Auslesen der Daten aus dem Chip von Egon Höllger ergeben. Dies sei zwar auch vereinbart gewesen, dann aber von der SaLü-Geschäftsführung kurzfristig wieder abgesagt worden. „Seitdem habe ich nichts mehr von dort gehört“, sagt Höllger.

„Es spricht einiges dafür, dass mit der Anlage etwas nicht in Ordnung ist, denn in diesem Fall war der Schrank nachweislich verschlossen“, sagt Höllgers Anwalt Hanno Huijssen. Allein die Tatsache, dass dort regelmäßig Zettel an den Schränken hängen, zeige doch, dass das Sicherheitssystem nicht funktioniere. „Die Stadt ist daher gefordert, ihr Schließsystem im SaLü in Ordnung zu bringen.“ Dazu gehöre auch, Kameras dort anzubringen, wo die Schränke und Schließfächer stehen, „in den Fluren, wo sie jetzt sind, nutzen sie niemandem.“

Bei dem Mann, der den Schrank von Egon Höllger öffnete, habe es sich nach Auskunft der Gesundheitsholding um einen Mitarbeiter des Reinigungspersonals der Schwestergesellschaft Service Plus Lüneburg gehandelt. „Ein Unding in diesem sensiblen Sicherheitsbereich“, findet Höllger.

One comment

  1. Kameras an den Schränken in Umkleiden zu installieren ist mit dem Datenschutz nicht vereinbar und das zu recht. Ich halte die bisherigen aufgestellten Kameras in den Fluren für bedenklich.
    Die Stadt soll die Schränke in Ordnung bringen, mir sind auch schon offene Schränke aufgefallen, die ich dem Personal gemeldet habe.