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Mal sind es sieben, hin und wieder zehn, manchmal aber auch nur drei Atomkraftgegner. Doch sie sind ausdauernd. Seit 2010 tragen sie ihren Protest jeden Montag auf die Straße. Foto: t&w
Mal sind es sieben, hin und wieder zehn, manchmal aber auch nur drei Atomkraftgegner. Doch sie sind ausdauernd. Seit 2010 tragen sie ihren Protest jeden Montag auf die Straße. Foto: t&w

Mahnwache gegen Atomenergie: Der Protest der sieben Aufrechten

us Lüneburg. Es sind nicht viele, die stehen bleiben. An dem regnerischen Wetter soll es nicht liegen, auch nicht daran, dass viele um diese Zeit nach Feierabend doch lieber schnell noch ihren Bus erreichen wollen. „Das Thema hat für viele Menschen nicht mehr den hohen Stellenwert, seit der Bund den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen hat“, sagt Georg von Hodenberg, der darüber fast ein wenig enttäuscht klingt. „Natürlich ist der Ausstieg richtig, aber damit ist doch das Problem nicht aus der Welt.“ Und weil das so ist, stehe er hier, jeden Montag, zusammen mit den anderen, die ebenfalls ihre Transparente, Flaggen und Argumente gegen „den Wahnsinn“ mitgebracht haben.

Zum ersten Mal kamen sie im Oktober 2010 am Sande zusammen, damals hatte der Bundestag gerade der Verlängerung der Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke zugestimmt. Kernenergie sollte auch für die nächsten Jahrzehnte den Energiebedarf der Deutschen decken, vor allem die Reduzierung des CO2-Ausstoßes ermöglichen. Dass es nur ein halbes Jahr später im März 2011 zu der nuklearen Katastrophe im japanischen Fukushima und in der Folge zur Energiewende in Deutschland kommen sollte, war damals nicht absehbar. Und doch: Von einem Tag auf den anderen war die Akzeptanz für die Kernenergie drastisch gesunken, der Anteil der Kernkraftgegner schnellte empor.

„Das war ein erster Schritt damals, aber es reicht noch nicht“, sagt Karin Kupka, die wie ihre Mitstreiter Georg von Hodenberg, Sven Bohlmann und Gertrud Ernst sowie weitere Atomkraftgegner von Beginn an dabei ist. Anfangs fanden sie sich immer um 17 Uhr vor dem IHK-Gebäude ein, inzwischen haben sie ihre Mahnwache, wie sie ihre Treffen nennen, auf 17.45 Uhr verschoben. Zwischenzeitlich waren sie mit ihrem Protest auch schon am Markt, die Stadt hatte es so vorgegeben. „Wir müssen unsere Veranstaltung alle drei Monate neu anmelden“, sagt Sven. Anfangs habe sich die Stadt etwas schwer mit der Genehmigung getan, jetzt gebe es keine Probleme mehr, und ihr aktueller Standort scheint vorerst auch gesichert zu sein. „Es wäre schade, wenn wir hier wieder weg müssten, inzwischen haben sich die Leute an uns gewöhnt“, berichtet Gertrud Ernst. Häufig würden sogar Busfahrer und Fahrgäste winken, wenn sie an ihnen vorbeifahren.

Das insgesamt nachlassende Interesse an ihrem Thema beeindruckt die sieben Protestler nicht, die an diesem Montag die Mahnwache bilden. Manchmal sind es auch mal zehn, gelegentlich auch deutlich weniger. Doch ein paar sind immer da, vom ersten Tag an, jeden Montag, egal ob Ostern, Pfingsten oder Weihnachten, bei Regen, Frost und Schnee, „dann zieht man sich eben einen dickeren Schlüpfer an“, sagt Gertrud. Warum es immer der Montag ist, könne sie gar nicht sagen, „wir haben uns da wohl an anderen Montags-Demos orientiert“.

Dass sie weitermachen wollen, auch wenn die Leute „träger geworden sind“, wie Karin findet, steht für alle sieben außer Frage. „Solange immmer noch Kraftwerke am Netz sind, egal wo, bleiben wir hier“, sagt Gerhard. „Und bis heute weiß kein Mensch, wohin mit dem Müll.“ Die Frage, wohin er denn soll, findet Karin „link“. Natürlich müssten diejenigen, die den Müll produziert haben, auch dafür sorgen, dass er entsorgt werden kann. „In Gorleben jedenfalls nicht“, da sind sich alle in der Runde einig.

Es ist kurz vor 19 Uhr, die genehmigte Mahnstunde ist gleich abgelaufen. Um diese Zeit stößt immer Sandra Ortiz zu der Gruppe, viel früher schafft sie es wegen ihrer Arbeit nicht. Die 39-Jährige ist seit 2014 dabei. „Ich kam mit dem Bus in die Stadt und sah sie dort stehen. Da bin ich dann mal nicht wie gewohnt abgebogen, sondern hab das Gespräch gesucht.“

Inzwischen hat der Regen wieder eingesetzt, das Transparent wird eingerollt, und auch Harald Gottschlink, der nicht viel sagt, dafür Gitarre und Klarinette bespielt, klappt seinen Stuhl wieder ein. Auch Sandra packt mit an, dann zieht sie zusammen mit Georg und Sven durch die Bäckerstraße, Feierabend, es geht nach Hause. Eine kurze Strecke noch weht der Protest ihrer Fahnen über ihren Schultern. Montag kommen sie wieder, wie immer.

10 Kommentare

  1. Die Leute haben ihre Ersatzreligion gefunden. Sachlich diskutieren kann man mit diesen Menschen wohl nicht mehr. Nun ist ihre Welt durch den Atomausstieg zusammengebrochen, die armen.

    • was ist bei einer atomdiskussion sachlich? der müll ist lebensgefährlich und niemand weiß wohin damit. atomkraftwerke sind so sicher ,wie der vw käfer. aus dieser zeit stammen sie nämlich. billig ist der mist auch nicht. wer hat bis jetzt also gelogen? die gegner ,oder die befürworter? lobbyisten argumentieren gern mit halbwahrheiten. besonders die atomlobby.

      • @Bruns Zitat: !der müll ist lebensgefährlich und niemand weiß wohin damit…!“

        Ja,dann ist es wohl nicht so logisch, das in Berlin entschieden wird, auch noch den Atommüll aus Frankreich hier einzulagern,oder!?

        • Soweit mir bekannt ist handelt es sich um Atommüll aus Deutschland, der aus einer französischen Wiederaufarbeitungsanlage zurück genommen werden muss. Gleiches gilt für Atommüll aus britischen Wiederaufarbeitungsanlagen. Es ist also Deutschlands strahlender Müll und nicht der der Franzosen oder Briten. Da muss man doch schon aufpassen wenn man anderes behauptet.

      • Der VW Käfer wurde in den 30er Jahren von Pferdinant Porsche konstruiert als KDF-Wagen und fast 70 Jahre unverändert gebaut. Die Atomkraftwerke die bei uns noch am Netz sind wurden Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre geplant, da liegen 40 -50 Jahre dazwischen. Ihr Beitrag war unsachlich, peinlich und könnte von den sieben Gestalten aus dem Bericht stammen.
        Sicher ist die Atomlobby nicht als glaubwürdig einzuschätzen, aber die Antiatombewegung lügt, schürt Ängste und fantasiert mehr als alle Lobbyisten der Welt zusammen.

        • Don, werden sie wach, der Käfer der siebziger jahre kannte nicht mal einen airbag. die sicherheit war ein witz. ist sie übrigens heute noch. alles ist relativ. wer mit 200 gegen ein baum fährt, wird es nicht überleben. das kraftwerke versagen ist auch nicht neu. sicherheit kostet geld. rendite ist wichtiger. ich bin und bleibe sachlich. in den atomkraftwerken wurde angeblich zusätzliche sicherheiten eingebaut. man hat aber festgestellt, diese waren mit der alten technik nicht kompatibel. selbst wenn atomkraftwerke abgestellt werden, passieren pannen. der mensch ist eben nicht unfehlbar. und der glaube zur technik hat schon manchem das leben gekostet.

        • Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen Bruns, der gern mal ohne vertieftes Wissen aus der Hüfte schießt („lakei“), und Don, der gar keine Position hat und nur den Troll gibt. In diesem Fall allerdings eindeutig näher bei Bruns (auch wenn sich mir beim Schreiben die Feder sträubt !

          • mein lieber heidjer, wenn ich hier mein vertieftes wissen unterbreiten würde, bräuchte ich hier mehrere seiten für dieses thema. wer liest sich das alles durch? beim verkürzen bleibt schon mal was auf der strecke. aber dieses wissen sie doch, gell? konrad lässt grüßen, er bekommt nasse füße.

          • lakei =lakai, ich habe mir erlaubt , etwas künstlerische freiheit mit einzubauen. unsere jetzige rechtschreibung ist mir zu langweilig. ihre feder ist beim sträuben doch hoffentlich noch zu bändigen?

  2. Ich find es toll dass Harald Gottschlink – ein Lüneburger Musiker-Urgestein- nicht müde wird auf seiner Klarinette zu spielen. Mach weiter Harald!