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Stadtbaurätin Heike Gundermann zeigt eine der Sparren der Deckenbalken, die regelrecht zerbröselt sind. Foto: t&w
Stadtbaurätin Heike Gundermann zeigt eine der Sparren der Deckenbalken, die regelrecht zerbröselt sind. Foto: t&w

Rathaussanierung: Dem Fürstensaalflügel aufs Dach gestiegen

as Lüneburg. Ein gewaltiges Hängegerüst zieht sich von der Nordseite des Alten Rathauses über den Dachfirst bis zur Südseite des ehrwürdigen Gebäudes. Aufgebaut ist es, weil die Stadt dem Fürstensaalflügel sozusagen aufs Dach steigt, um diesen zu sanieren. Es ist der dritte Bauabschnitt im Rahmen eines Masterplans, mit dem das Alte Rathaus restauriert wird. Ein Mammutprojekt, das schätzungsweise 20 Millionen Euro kosten wird und sich über viele Jahre zieht. Die Kosten für die jetzt laufenden Arbeiten beziffert die Stadt auf rund 887000 Euro.

Das Hängegerüst, das von der Seite am Ochsenmarkt über den Dachfirst bis zur Südseite des Alten Rathauses geht, dient unter anderem zur Sanierung des Staffelgiebels. Foto: t&w
Das Hängegerüst, das von der Seite am Ochsenmarkt über den Dachfirst bis zur Südseite des Alten Rathauses geht, dient unter anderem zur Sanierung des Staffelgiebels. Foto: t&w

Der Fürstensaal entstand zirka 1450 über dem weitaus älteren Gewandhaus. Der Rat nutzte ihn einst als Tanzhaus und zum Empfang von Delegationen aus anderen Hansestädten. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden an der Nordseite der Huldigungs- und der Traubensaal angebaut, wo heutzutage unter anderem die politischen Gremien tagen. Der Gebäudetrakt Fürstensaalflügel umfasst außerdem die Alte Kanzlei sowie den Ratskeller. „Bei der aktuellen Baumaßnahme werden die vordringlichen Schäden der Bausubstanz denkmalgerecht instand gesetzt“, sagt Stadtbaurätin Heike Gundermann. So bedarf das Mauerwerk der Südfassade und des Westgiebels des Traktes einer Reparatur. Bereits vor sechs Jahres wurde die rechte Staffel des Giebels mit einer Stahlkonstruktion gesichert. Nun werden einzelne marode Backsteine ausgetauscht und Fugen, wo nötig, erneuert. Das Gleiche gilt für die Außenwand, wo auch Fenster „holz- und glasrestauratorisch“ aufgearbeitet werden. Das bedeutet, dass die ursprüngliche Farbigkeit untersucht und wieder hergestellt wird.

Damit der imposante Fürstensaal mit seinen auf Leinwand in Tempera gemalten fürstlichen Paaren aus dem Hause Braunschweig-Lüneburg für die Zukunft erhalten bleibt, sind auf dem Dachgeschoss darüber aufwändige Arbeiten notwendig. Korkplatten, die in den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts vermutlich zur Dämmung verlegt wurden und marode waren, sind inzwischen sorgfältig ausgebaut und entsorgt worden, da sie mit dem Schadstoff PAK (Policyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe) belastet waren. „Im Anschluss werden Zimmerleute die Köpfe der stark geschädigten Deckenbalken und Teile der Dachkonstruktion instand setzen“, sagt die Stadtbaurätin. Dabei sind besondere Arbeitsschutzmaßnahmen notwendig, denn das Gebälk wurde im vergangenen Jahrhundert mit den gesundheitsschädigenden Holzschutzmitteln PCP und Lindan behandelt. Gefahr für die Mitarbeiter des Rathauses sowie Besucher sei aber weder von den PAK-belasteten Korkplatten noch von den Deckenbalken ausgegangen, da sich diese im obersten Raum des Daches befanden, in dem sich keine Menschen aufhalten.

Statisch überarbeitet werden muss auch die Decke über dem Huldigungssaal. Dabei handelt es sich um eine barocke Rahmenstuckdecke mit Ölgemälden. Zur statischen Sicherung der Holzdecke wurde darüber in den 60er-Jahren eine Stahlkonstruktion eingebaut, und das birgt inzwischen Probleme in sich. Die Stahlkonstruktion übertrage Schwingungen vom Autoverkehr, der entlang des Rathauses rollt, auf die Stuckdecke, erläutert Gundermann. Die Folge sind Risse. Nun sollen Schwingungsdämpfer zwischen Stahlkonstruktion und Decke eingebaut werden, um weitere Schäden zu verhindern.

Des Weiteren wird der Putz der Wände und Decken im Alten Archiv restauriert. Die Baukosten insgesamt für das Projekt werden aus Mitteln von der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM) sowie aus Landesmitteln der Denkmalpflege gefördert werden. Im Frühjahr 2016 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Bisher drei Sanierungsabschnitte

Die Sanierung des Fürstensaalflügels ist der dritte Bauabschnitt im Rahmen des Masterplans. Zuvor liefen 2010/2011 die Sanierung und Instandsetzung des Zwischenbaus sowie der Hofüberdachung mit der Neugestaltung des Eingangsbereichs für Rathausbesucher. Kosten: rund 1,3 Millionen Euro. Im zweiten Bauabschnitt wurde 2012/2013 der Ambrosiuskeller saniert, außerdem erfolgten Arbeiten zur Instandhaltung und Modernisierung des ehemaligen Stadtarchivs, des Alten Archivs sowie der Bürgermeisterkörkammer.

Der sogenannte Taubenhof, der an den neuen Eingangsbereich für Besucher anschließt, erhielt eine Glasüberdachung. Bausumme: rund 1,4 Millionen Euro. Von Bund und Land konnten für alle Abschnitte Fördermittel eingeworben werden.

Aufgrund der aktuellen Bauarbeiten sind noch bis zum 7. August der Huldigungs-, Trauben- und Fürstensaal gesperrt, der Kleine Ratshof bleibt bis zum 14. August geschlossen.