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Der Hamburger Verkehrsverbund könnte sich auf ein Schienennetz in Uelzen, im Heidekreis, in Rotenburg und in Cuxhaven ausdehnen. Foto: t&w
Der Hamburger Verkehrsverbund könnte sich auf ein Schienennetz in Uelzen, im Heidekreis, in Rotenburg und in Cuxhaven ausdehnen. Foto: t&w

HVV prüft Gebietserweiterung

dth Lüneburg/Uelzen. Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) prüft jetzt zusätzliche Varianten, sein Tarifgebiet auf die Schienenstränge in den Landkreisen Uelzen, Heidekreis, Rotenburg und Cuxhaven zu erweitern. Zunächst hatte der HVV alle 42 Haltestellen in den vier Landkreisen in einer Machbarkeitsstudie beleuchtet. Die Landkreise müssten sich an den Kosten einer Tariferweiterung beteiligen, die Differenz zwischen den tatsächlichen Betriebskosten und den Einnahmen aus den Fahrkartenverkäufen tragen. Dem Vernehmen nach würde das etwa den Kreis Uelzen jährlich bis zu zwei Millionen Euro kosten, den Kreis allein überfordern.

„Bis Ende des Jahres soll das Gutachten durch sein, jetzt wird eine zweite, reduzierte Variante erstellt“, sagt auf LZ-Nachfrage HVV-Sprecherin Silke Seibel, und betont: „Es geht in allen vier Landkreisen nur um die Schienen, nicht um Busse.“

Bereits vor einem Jahr hatten das Land Niedersachsen sowie die Freie und Hansestadt Hamburg gemeinsam das Gutachten zur HVV-Erweiterung in Auftrag gegeben. Laut HVV-Sprecherin Seibel liegen die Kosten für die Expertise derzeit bei rund 100000 Euro. Durch die Untersuchung weiterer Varianten könnten die Kosten nochmal um die Hälfte steigen. Diese werden zu zwei Dritteln vom Land Niedersachsen und zu einem Drittel von Hamburg getragen. Gegenstand des Gutachtens ist die Berechnung der finanziellen Auswirkungen der Tarifausweitung sowie eine Prognose zur Nachfrageentwicklung durch eine Verbundausweitung.

Die ersten, durchgesickerten Zahlen etwa für eine Erweiterung um den Landkreis Uelzen stimmte den dortigen Landrat Dr. Heiko Blume wenig optimistisch. Er erklärte gegenüber der Allgemeinen Zeitung in Uelzen, dass derartige Summen für den Landkreis in der Form kaum zu stemmen seien. Allerdings solle die Aufnahme des Schienennetzes in den HVV-Verbund noch nicht zu den Akten gelegt werden. Zunächst sollen noch Gespräche mit dem Land über eine mögliche finanzielle Unterstützung geführt werden.

Auf LZ-Nachfrage, inwiefern das niedersächsische Verkehrsministerium eine weitere HVV-Erweiterung für sinnvoll hält, sagt Ministeriumssprecherin Sabine Schlemmer-Kaune: „Eine Erweiterung des Tarifgebietes des HVV entspricht dem gegenüber unserem Haus geäußerten Wunsch der vier betroffenen Landkreise. Wir halten grundsätzlich alle Erleichterungen für die Nutzer des ÖPNV, die zu vermehrter Inanspruchnahme dieses umweltfreundlichen Verbundes führen, für unterstützenswert.“ Doch zur Übernahme weiterer Kosten will das Ministerium derzeit keine Aussage treffen. „Unsere Staatssekretärin wird Anfang September mit den vier Landräten über die HVV-Erweiterung sprechen.“

Lange hegt der Landkreis Uelzen den Wunsch, den Vollbeitritt mit Bus- und Bahnnetz ins HVV-Gebiet zu vollziehen. Die HVV-Erweiterung um das Schienenangebot könnte ein erster Schritt dafür sein. Bereits seit 2004 sind die niedersächsischen Landkreise Lüneburg, Harburg und Stade Mitglied im HVV. Damals erweiterte sich das Einzugsgebiet des Hamburger Verkehrsverbundes von 5100 auf rund 8700 Quadratkilometer mit rund 3,35 Millionen Menschen.

Der größte Auspendler-Kreis im Süden Hamburgs ist Harburg, mit mehr als 43000 Personen, die nach Hamburg fahren, in der Gegenrichtung sind es rund 6600. Im Landkreis Lüneburg sind es rund 10000 Berufspendler mit Fahrtrichtung Hamburg, viele davon nutzen die Bahn, zirka 1500 Personen sind es in der Gegenrichtung.
Der Hamburger Verkehrsverbund, dem rund 30 Verkehrsunternehmen angehören, zählte im Jahr 2014 insgesamt 738,3 Millionen Fahrgäste in Bussen, Bahnen und Fähren, das sind rund 9,7 Millionen mehr als im Vorjahr.
Seit Ende 2014 das Bahnunternehmen „Erixx“ die Strecke Lüneburg-Dannenberg bedient, können Fahrgäste mit einem durchgehenden HVV-Ticket von Hamburg bis nach Dannenberg fahren.
Für Fahrten aus dem Kreis Uelzen hingegen gilt zumindest ein Übergangstarif, allerdings nur für Züge der Metronom-Eisenbahngesellschaft auf der Hauptstrecke Uelzen über Lüneburg und Winsen/Luhe nach Hamburg.