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Hubert Ringe, Chef der GfA Lüneburg. Foto: kre
Hubert Ringe, Chef der GfA Lüneburg. Foto: kre

Lüneburg, dein Müll

off Lüneburg. Müll verrät mehr über uns, als uns lieb ist: Wie viele Lebensmittel landen bei wem im Abfall, wie viele Fertiggerichte kommen auf den Tisch, wer kauft beim Öko-Laden, wer beim Discounter und wie genau nimmt es wer mit der Mülltrennung? Die LZ war neugierig und hat eine x-beliebige Restmülltonne aus der Lüneburger Innenstadt ausgeleert.

Foto: t&w  GfA Bardowick   Restmüll-Tonne
Foto: t&w

In einer Lagerhalle des kommunalen Abfallentsorgers GfA in Bardowick, der Gestank sticht in der Nase. Ein Bagger fährt durch die Halle und schiebt Müllberge zusammen, im Untergeschoss läuft der Abfall über ein Förderband. Mitarbeiter Andre Trupp rollt die 240-Liter-Test-Tonne in die Halle, das Auskippen übernimmt GfA-Chef Hubert Ringe persönlich.

Das Erste, was sich dumpf klirrend bemerkbar macht, sind zwei Glasflaschen. „Definitiv nichts für die Restmülltonne“, sagt Ringe. Auch die Kleiderreste wären besser in der Altkleidersammlung aufgehoben. Die Korken würde Ringe ebenfalls lieber in einer der Korkensammelstellen sehen, „immerhin ist es ein wertvoller Rohstoff, der vorausgesetzt er wird separat gesammelt wieder verwendet werden kann“.

Was sonst noch in der Tonne steckt, muss erst mühsam auseinandersortiert werden. Müllsäcke werden aufgerissen, eine Abfallart nach der nächsten wird mit Harke und Forke auf einen Haufen geschoben. Am Ende bleiben sechs unterschiedlich große Berge übrig, von denen nur einer richtig in der Tonne war und fast ausschließlich aus benutzten Taschentüchern, Zigarettenkippen, Hygieneartikeln und den Überresten der Mülltüten bestand. Der Rest zeigt überdeutlich: Verpackungs- und Bioabfall wurde hier offenbar nicht getrennt. GfA-Chef Ringe findet allerdings auch lobende Worte: „Schön zu sehen, dass verhältnismäßig wenig Lebensmittel weggeworfen wurden.“

Dass es Bürger mit der Mülltrennung nicht so genau nehmen, gehört auch für Veolia zum Alltag. Andreas Jensvold, Sprecher des Hamburger Unternehmens, bei dem ein Großteil der Lüneburger gelben Säcke landet, sagt: „Gerade in Städten ist die Trennungsmüdigkeit oft größer.“ Dort sei der Platz begrenzt, die Trennung unbequemer, „da verzichtet der eine oder andere darauf, Rest- und Verpackungsmüll zu trennen“. Auf dem Land wiederum sei die soziale Kontrolle größer, „da kennt man sich und jeder kann sehen, was alles in meinem gelben Sack steckt“.

Am Ende alles auf einem Haufen? — Drei Fragen an den Chef des kommunalen Entsorgungsunternehmens

4059185Herr Ringe, warum ist es so wichtig, Müll zu trennen?
Hubert Ringe: Abfälle sollen gemäß ihren chemischen, biologischen oder technischen Eigenschaften einer weiteren Verwertung zugeführt werden. Auf diesem Weg ist dann eine Zweit- oder auch Drittnutzung möglich. Die Menge der Abfälle zur Beseitigung sollte möglichst gering gehalten werden, im Niedersächsischen Abfallgesetz, Paragraf 2, heißt es: „Jede Person hat sich so zu verhalten, dass nicht unnötig Abfälle entstehen und dass die umweltverträgliche Abfallbewirtschaftung nicht unnötig erschwert wird.“
Was passiert mit dem Müll, der in der falschen Tonne gelandet ist?
Hubert Ringe: Hier muss unterschieden werden, welcher Abfall in welcher Tonne falsch landet. Wertstoffe in der Restmülltonne werden behandelt, gegebenenfalls „abgesiebt“ (zum Beispiel Metalle) und entsorgt. Papier in der Biotonne kann in geringem Umfang mit kompostiert werden. Rest- oder Biomüll in der Papiertonne? Das kommt zum Glück selten vor.
Was sind die häufigsten Fehler, die beim Mülltrennen gemacht werden?
Hubert Ringe: Gleichgültigkeit unter dem Motto: „Es kommt sowieso alles auf einen Haufen!“ Fehlwürfe entstehen außerdem aus Unkenntnis oder weil die Behälter für Wertstoffe (Biotonne, Papiertonne) nicht ausreichen. Häufig werden in Glascontainern auch fälschlicherweise Fensterglas, Tonflaschen oder Restmüll entsorgt.

Der Blick in die Tonne

Foto: t&w GfA Bardowick  Restmüll-Tonne 

Braune Tonne
Kaffeepads, Tomaten, Äpfel, Bananenschalen, ein verschimmeltes Würstchen – Bioabfälle sind organische Küchenabfälle, die von der GfA zu Kompost verwertet werden. Nicht zum Bioabfall gehören etwa gekochte Lebensmittel, Fäkalien, Katzenstreu, kranke Pflanzen oder Tierkadaver.

Foto: t&w GfA Bardowick  Restmüll-Tonne

Glascontainer
Jegliche Art von Verpackungsglas gehört in die dafür vorgesehenen Container (Getränkeflaschen, Konservengläser, Flakons aus Glas) – nach Weiß- und Buntglas getrennt. Flaschen und Behälter müssen vor der Entsorgung völlig leer sein. Nicht in die Glascontainer gehören etwa Autoscheiben, Spiegelglas, Teller, Tassen, Keramik und Porzellan.

Foto: t&w GfA Bardowick  Restmüll-TonneAltkleidersammlung
Altkleider und Textilien gehören nicht in den Müll. Eine Sammlung der ausgedienten Kleider dient laut GfA der Verwertung gebrauchter Kleidung und Schuhe aus privaten Haushalten. Es gibt feste Sammelcontainer, karitative Verbände führen zudem regelmäßig Straßensammlungen durch.

 

Foto: t&w GfA Bardowick  Restmüll-Tonne

Restmüll
Zwischen den übriggebliebenen Mülltüten lagen Hygieneartikel, Kehricht, Zigarettenkippen – das alles sind Stoffe, die sich nicht verwerten lassen und die in den Restmüll gehören. In die schwarze Tonne gehören auch Windeln, Backpapier, Binden, Putzlappen, Klarsichthüllen, Fenster oder Spiegelglas sowie Stoffe, die sich aufgrund ihres Verschmutzungsgrades nicht mehr für die Wiederverwertung eignen. Nichts im Restmüll zu suchen haben Verpackungen mit Grünem Punkt oder Elektrogeräte.

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Korkensammlung
Für Korken gibt es extra Sammelstellen ebenso wie für CD‘s, Druckerpatronen, Energiesparlampen und Handys. Die Korken werden in die Behinderten-Werkstätten nach Hamburg gebracht und zu Dämmmaterial verarbeitet. 

 

 

Foto: t&w GfA Bardowick  Restmüll-Tonne

 

Gelber Sack
Gebrauchte Verpackungen aus Metall, Kunststoff und Verbundstoffen und Naturmaterialien gehören in den gelben Sack. Dazu zählen etwa Joghurtbecher, Konservendosen, Verpackungs-Alufolie oder Spraydosen (leer). Nicht dazu gehören zum Beispiel Einwegrasierer, Kinderspielzeug, Windeln, Babyflaschen und Klarsichthüllen.

 

Sperrmüll
Möbel, Skier, Zelte, großes Kinderspielzeug, Autositze, Faltboote, Metall- und Elek­troschrott – das alles ist Sperrmüll. Nicht dazu gehören etwa Teppichreste und Fliesen (Restmüll), Glastüren, KfZ-Teile, Styropor, Paletten oder Dämmmaterialien.

Blaue Tonne
Altpapier ist jede Art von Papier oder Pappe und gehört in die blaue Tonne oder in den Altpapier-Container. Nicht zum Altpapier gehören etwa Saft- und Milchgetränkekartons, Partyteller, Servietten oder Taschentücher, Tapeten, Zementsäcke, Kohle- und Durchschlagpapier. Durchaus ins Altpapier gehört laut GfA indes bedruckte Pappe wie eine Keks- oder Fertigpizza-Verpackung.

Problemabfälle
Stoffe, von denen eine Gefährdung der Umwelt ausgehen könnte, dürfen nicht im Hausmüll entsorgt werden. Sie müssen bei der GfA oder bei einer mobilen Problemstoffannahme abgegeben werden. Sondermüll sind zum Beispiel Batterien, Spraydosen mit Restinhalt oder auch Farbtöpfe mit Inhalt.