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Sanaa Alagrmi und Tochter Jasmin haben für die LZ ein typisches Gericht aus ihrer Heimat Palästina gekocht: Tesieyia, eine Art Schichtsalat mit Kirchererbsen. Foto: t&w
Sanaa Alagrmi und Tochter Jasmin haben für die LZ ein typisches Gericht aus ihrer Heimat Palästina gekocht: Tesieyia, eine Art Schichtsalat mit Kirchererbsen. Foto: t&w

Die Welt kocht in Lüneburg Teil 1: Das Geheimnis der Kichererbsen

Sie leben in Stadt und Landkreis Lüneburg und stammen aus Japan, dem Sudan oder Mexiko: die Hauptpersonen der neuen LZ-Serie „Die Welt kocht in Lüneburg“. Im ersten Teil stellt Sanaa Alagrmi die Küche ihrer Heimat Palästina vor.

ghkdoff Lüneburg. Es riecht in der kleinen Küche nach Zitrone und frisch gehackter Petersilie, als Sanaa Alagrmi die Pinienkerne in die heiße Pfanne gibt, mischt sich feiner Röstgeruch darunter. Die 38-Jährige ist entspannt, rührt mal hier, würzt da einen bisschen nach, Tochter Jasmin bereitet leise summend den Knoblauch vor. Die beiden Frauen sind ein eingespieltes Team in der Küche und haben für diesen Tag ein einfaches Gericht ausgesucht, schnell zubereitet, leicht nachzukochen. In Sanaa Alagrmis Heimat Palästina ist es unter dem Namen Tesieyia bekannt, wenn sie es auf deutsch beschreiben soll, „würde ich sagen, es ist eine Art Kichererbsen-Salat“, sagt sie.

Sanaa Alagrmi ist in der palästinensischen Stadt Gaza groß geworden, dort hat sie 1996 ihren Mann Ali kennengelernt und ist mit ihm ein Jahr später nach Deutschland gegangen. Er lebte damals schon 13 Jahre in Deutschland, war als 16-Jähriger aus Syrien in die DDR gekommen, um eine Ausbildung zu machen, hatte in Wittenberge Kfz-Mechaniker gelernt und seinen Meister gemacht. Bei einem Besuch seiner Familie in Gaza hatte der Palästinenser dann Sanaa getroffen, ein Jahr später geheiratet und mit ihr in Lüneburg eine Familie gegründet.
Der Neuanfang fiel Sanaa Alagrmi nicht leicht, „nach dem ersten Monat wollte ich nur eins“, sagt sie, „wieder zurück nach Gaza.“ Heute fühlt sie sich in Lüneburg zu Hause, die dreifache Mutter arbeitet als Sozialassistentin im Kindergarten, bewirtschaftet mit ihrer Familie einen Schrebergarten, ist wie ihr Mann deutsche Staatsangehörige. Manchmal kocht sie auch deutsch, Ente zu Weihnachten oder Geschnetzeltes. Doch ihr Herz schlägt nach wie vor an der arabischen Küche, den Gerichten ihrer Heimat.

Zuhause in Gaza ist Sanaa Alagrmis mit ihrer Familie täglich auf den Markt gegangen, „alles wird dort immer frisch gekauft und zubereitet“, sagt sie. Neben Hülsenfrüchten wie Kichererbsen „die wir in Gaza nicht in Dosen, sondern getrocknet kaufen“ sind Obst und Gemüse, Brot, Reis, Nüsse und Fleisch feste Bestandteile der Küche. Schwein ist für Muslime tabu, „wir essen vor allem Lamm, Schaf, Rind, Ziege und alle Arten von Geflügel“. Tauben etwa werden extra zum Verzehr gezüchtet gefüllt sind sie das Lieblingsgericht von Familienvater Ali. Nicht fehlen dürfen außerdem Olivenöl und unsere „sieben wichtigsten Gewürze“, sagt Sanaa Alagrmi: Kreuzkümmel, Kardamom, Koriander, Pfefferminze, Petersilie, Knoblauch und Pfeffer.

Eine weitere Besonderheit der arabischen Küche: „Es wird mit ganz viel Leidenschaft gekocht“, sagt die 16-jährige Jasmin, „und mit viel Liebe.“ Für besondere Anlässe stehen die Frauen („Kochen ist bei uns meistens Frauensache“) stundenlang in der Küche, auch Jasmin hat mit ihrer Mutter schon oft zusammen gebacken und gekocht. Sie selbst hat vor allem einen Faible für Kuchen und Kekse, „dafür nutzen wir Datteln, Nüsse, Mandeln und ganz, ganz viel Zuckersirup“. Getrunken wird dazu traditionell schwarzer Tee mit frischer Pfefferminze oder auch Kaffee, „typisch palästinensisch mit gehacktem Kardamom“.

Die Hauptmahlzeit in der Heimat der Familie ist klassischerweise das Mittagessen, „zum Frühstück und Abendbrot steht dann eigentlich das Gleiche auf dem Tisch“, sagt Sanaa Alagrmi, „Oliven, Tomaten, Salat, Gurken und Manakish, eine Art Fladenbrot garniert mit Kräutern, Käse oder Hackfleisch.“ Und natürlich Tee, „den gibt es eigentlich immer“.

Die Küche erfüllt ein intensiver würziger Geruch, nach einer guten halbe Stunde haben Sanaa und Jasmin Alagrmi den Hauptgang fertig und laden zum Abendessen mit der Familie ein. Fazit: Es schmeckt wunderbar! Und wer Lust hat, in der Küche mal was Neues auszuprobieren, kann bei Tesieyia nicht viel falsch machen. Es ist weder sehr scharf, noch kompliziert zuzubereiten ein 1-a-Einsteigergericht in die arabische Küche. Die Zutaten gibt es in einem der türkischen/arabischen Läden oder in sehr gut sortierten Supermärkten.

Zubereitung:

  • Kichererbsen mit Wasser aus der Dose in einen Kochtopf füllen, die Dose noch einmal mit Wasser füllen und mit in den Topf kippen. Mit 5588430einem Esslöffel Kreuzkümmel würzen und das Ganze erwärmen.
  • Olivenöl in einer Pfanne erhitzen, Pinienkerne darin goldbraun braten. Zur Seite stellen.
  • Einen Esslöffel Sesampaste zu den Kichererbsen. Eine Zehe Knoblauch pressen und ebenfalls dazu geben. Leicht köcheln lassen. Salzen.
  • Hack anbraten und gut durchgaren. Zur Seite stellen.
  • Zwei Esslöffel Joghurt zu den Kichererbsen. Weiter köcheln lassen.
  • Nebenbei die halbe Dose Hommos Tahina in eine Schale füllen, mit zwei Esslöffeln Sesampaste, zwei Esslöffeln Joghurt, einerFoto: t&w  Serie Kochen international,  Kochrezepte von ausländischen Mitbürgern -  Arabisch , Syrisch-palästinensisch

    gepressten Knoblauchzehe, einem Teelöffel Kreuzkümmel, einem Schuss Zitronensaft und ein bisschen Flüssigkeit aus dem Kichererbsen-Topf zu einer Soße vermengen.

  • Zwei Brotlaibe teilen, in etwa Esslöffel große Stückchen reißen und auf den Boden einer großen Auflaufform ausbreiten. Variante: Man kann das Brot auch vorher anbraten und dann als Grundlage des Gerichts verwenden.
  • Die Flüssigkeit aus dem Kicher­erbsen-Topf über das Brot in die Auflaufform geben, dann die Erbsen darüber verteilen (ein paar bis zum Schluss aufheben) und die angemischte Soße dazu geben. Hackfleisch und danach die Pinienkerne drüber streuen, noch einmal eine großzügige Prise Kreuzkümmel über das Ganze, gehackte Petersilie, ein paar Zitronenscheiben und noch ein paar Kichererbsen darüber verteilen. Zum Abschluss 5588444noch einen Schuss Olivenöl über das Ganze geben.

 

+++ In der nächsten Woche kocht Marisela Contreras-Pischke mexikanisch. Alle weiteren Teile der Serie lesen Sie dienstags in der LZ