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Norbert Thiemann auf dem Deich bei Hohnstorf. Die Elbe führt Niedrigwasser und ist kaum zu sehen. Doch Thiemann weiß, wie schnell die Elbe auch ihr berdohliches Antlitz zeigen kann. Im Jahr 2013 drohte sie die Deiche zu überfluten. Foto: kre
Norbert Thiemann auf dem Deich bei Hohnstorf. Die Elbe führt Niedrigwasser und ist kaum zu sehen. Doch Thiemann weiß, wie schnell die Elbe auch ihr berdohliches Antlitz zeigen kann. Im Jahr 2013 drohte sie die Deiche zu überfluten. Foto: kre

Norbert Thiemann ist der Herr der Deiche

kre Hohnstorf. Geboren im Herzen des Ruhrpotts in Oberhausen, zu Hause in Amelinghausen mitten in der Heide. Wer diese Biografie liest, mag kaum glauben, dass Norbert Thiemann vor allem aber der Herr der Elb-Deiche ist. Der Mann, der über Jahrzehnte dafür Sorge getragen hat, dass der Landkreis bei Hochwasserkatastrophen nicht „Land unter“ melden musste. Beim Niedersächsischen Amt für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) ist Thiemann jetzt in den Ruhestand verabschiedet worden. Beim Artlenburger Deichverband aber macht der 65-Jährige als Geschäftsführer noch ein Weilchen weiter. Weil er seinen Nachfolger einarbeiten möchte „und weil mir die Aufgabe ans Herz gewachsen ist“, gibt er mit breitem Lächeln zu. Dabei ist die Aufgabe des Geschäftsführers kein Amt, mit dem man reich werden könnte. Thiemann führt den Verband im Ehrenamt aber eben mit viel Herzblut und noch mehr Sachverstand.

Wie wichtig der Deichschutz ist, haben alleine die letzten anderthalb Jahrzehnte bewiesen: Fünf „Jahrhunderthochwasser“ innerhalb kürzester Zeit ,,das sollte zu denken geben“, sagt Thiemann und fügt hinzu: „Hochwasserschutz kann nur von unten nach oben funktionieren. Da sind alle Bundesländer gefragt.“

In der Vergangenheit sind die Lüneburger bei Hochwasser wenn auch mit großem Aufwand mit einem blauen Auge davongekommen. Eine Garantie, dass das auch in Zukunft so bleibt, gibt es nicht. Deichbrüche und das gezielte Öffnen von Poldern hatte bei den zurückliegenden Hochwassern den Druck von den Elbdeichen im Landkreis Lüneburg genommen. Seit Jahren tobt zudem die Diskussion über den Rückschnitt der Verbuschung im Deichvorland: Thiemann ist, was den Erfolg dieser Aktion betrifft, eher skeptisch: „Der Rückschnitt alleine wird langfristig nicht den gewünschten Erfolg bringen“, ist der Geschäftsführer des Artlenburger Deichverbands überzeugt. Das bringe keine 50 Zentimeter.

Dafür wurden nach dem jüngsten Hochwasser die Deichhöhen auf Stand gebracht. „An manchen Stellen hatten wir Minderhöhen von bis zu 60 Zentimetern“, berichtet Thiemann. Inzwischen aber wurden die Hochwasserbollwerke auf Stand gebracht.

Zurücklehnen kann und will sich Thiemann aber nicht. Auch wenn sich die mehr als 75 Kilometer Deiche mittlerweile auf dem neuesten Stand befinden. „Die Probleme werden nicht geringer, es gibt immer neue Herausforderungen“, weiß Thiemann. Die größte Katastrophe für ihn wäre, wenn zwei Naturereignisse gleichzeitig aufeinander treffen würden: Eine Sturmflut, die elbaufwärts drückt und ein Hochwasser, das vom Oberlauf aufläuft. ,,Wenn das passiert, machen wir dicke Backen“, sagt der Deichexperte.

Ausgeschlossen ist so ein Szenario nicht. Die durch den Orkan „Xaver“ ausgelöste Nordsee-Sturmflut hatte sich im Dezember 2013 bis nach Bleckede mit einem stark steigenden Wasserstand ausgewirkt trotz des 1957 gebauten Stauwerks in Geesthacht, das genau das verhindern sollte. Zum Glück war das „Jahrhunderthochwasser“ vom Sommer da bereits Geschichte.

Der beste Hochwasserschutz ist daher, der Elbe genügend Platz zu lassen. Dem kann Thiemann nur beipflichten.