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Den St. Dionyser Filmer Hartmut Teske zieht es immer wieder an ungemütliche Orte auf der Welt. 2013 dokumentierte er den Bau von Eisstraßen im Norden von Russland. Foto: t&w
Den St. Dionyser Filmer Hartmut Teske zieht es immer wieder an ungemütliche Orte auf der Welt. 2013 dokumentierte er den Bau von Eisstraßen im Norden von Russland. Foto: t&w

Hartmut Teske aus St. Dionys dokumentiert Leben der Waldarbeiter in Karelien

Hartmut Teske hat es gut im beschaulichen St. Dionys. Dennoch zieht es den 66-jährigen Filmemacher immer wieder dorthin auf der Welt, wo es wesentlich ungemütlicher zugeht. Jüngst hielt sich Teske in der an Finnland angrenzenden russischen Republik Karelien auf, wo 49 Prozent der Fläche von Wald bedeckt sind. Er drehte dort eine Reportage über den Einsatz schwerer Fahrzeuge bei der Holzernte von Birken und Nadelbäumen. Dabei hat er primitive Lebensbedingungen, blutsaugende Moskitos und abenteuerliche Fahrten durch die tiefsten Urwälder Russlands überstanden.

nh/pet St. Dionys. Mit dem eigenen Wagen hat Hartmut Teske die fast 3000 Kilometer zurückgelegt, über Polen und das Baltikum. Während der Dreharbeiten lebt er mit den Arbeitern in einem primitiven Holzhaus mit „Plumpsklo“. Teske: „Keine Dusche, fünf Menschen schlafen in einem Raum. Etwas rustikal. Kein Telefon, kein Internet.“

Beim Abtransport der Stämme kommen „URAL“-Lkw zum Einsatz. Ein tonnenschweres Fahrzeug sinkt in den weichen Untergrund ein. Foto: nh
Beim Abtransport der Stämme kommen „URAL“-Lkw zum Einsatz. Ein tonnenschweres Fahrzeug sinkt in den weichen Untergrund ein. Foto: nh

Vom Lager aus geht es für die Arbeiter und Teske am Vormittag mit einem „UAZ“, einem hochgeländegängigen russischen Pickup, und ortskundigem Fahrer zu den Drehorten. Angekommen im Wald, filmt er Arbeiter Juri. Der Operateur aus der Ukraine sitzt mit nacktem Oberkörper in seiner Kabine und steuert mit Joysticks die Arbeitsabläufe. Teske: „Wir da draußen kämpfen dagegen mit Schwärmen von Moskitos, von denen einige eine Länge bis zu drei Zentimetern haben. Die beißen richtig.“
Teskes interessanteste Bilder entstehen beim Abtransport der Stämme vom Zwischenlager zu einem Zentrallagerplatz. Hier kommen die seit Jahrzehnten bewährten „URAL“-Lkw, in den 1950er-Jahren konstruiert für das Militär, zum Einsatz.

Die schulterhohen Räder wühlen sich überall durch, für sie gibt es kaum Hindernisse. Teske berichtet: „Und doch: als wir aus Sicherheitsgründen mit zwei „URAL“ zu einem weit entfernten Einschlagplatz fahren, verliert das Führungsfahrzeug, in dem ich Beifahrer bin, den Grund unter den Rädern und sinkt in den weichen Untergrund ein.“ Für die beiden Fahrer ist das ein Problem, für Teskes Filmaufnahmen ein Glücksfall. Bei der etwa drei Stunden dauernden Rettungsaktion wenden die Fahrer unterschiedliche Tricks an, um das tonnenschwere Fahrzeug aus dem Schlamm zu bergen. Am Ende müssen sie aufgeben.

Auf der beengten Rückfahrt erzählen die Fahrer von ihrem Leben. Sie wohnen nahezu das ganze Jahr im „Urwald“ in einfachen, fahrbaren Holzunterkünften. Zwei bis vier Mann auf etwa zwölf Quadratmetern. Im Winter herrschen schon mal 40 Grad minus.

Die Männer verdienen für deutsche Verhältnisse wenig, zahlreiche Arbeiter kommen aus der Ukraine, weil diese Jobs bei Russen nicht so beliebt sind. Spannungen, bedingt durch den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine, gibt es im Wald nicht. Hier ist man Kollege und aufeinander angewiesen. Trotzdem: Die Politik ist allgegenwärtig, das spürt Teske ständig an den Fragen, die er beantworten soll. Zur deutschen Position und warum Russland mit Sanktionen bestraft wird.
Viel wichtiger sind ihm die Filmaufnahmen. Der Arbeitstitel seines Films lautet „Die Fahrmechaniker“, denn hier sind die Männer nicht nur Fahrer der schweren Fahrzeuge, sondern sie müssen nahezu alle der sehr häufigen Reparaturen selbst ausführen. Mit eben diesen Bildern wird es einen speziellen Beitrag auf Teskes Internetkanal geben. Unter www.youtube.com/KfzAusbildungskanal gibt er Interessierten Einblicke in die Welt der Kfz-Technik. Den russischen Urwald sowie die dort hart arbeitenden Männer wird Hartmut Teske noch lange in Erinnerung behalten.