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Drei Hausbesitzer, drei Schicksale: (v.l.) Marcus Meyer, Lisa Sommer und Guillermo Spreckels wurden von der Anpassung der Erbpachtverträge der Stadt hart getroffen. Foto: t&w
Drei Hausbesitzer, drei Schicksale: (v.l.) Marcus Meyer, Lisa Sommer und Guillermo Spreckels wurden von der Anpassung der Erbpachtverträge der Stadt hart getroffen. Foto: t&w

Neue Erbpachtverträge: Steigerung um das Fünfzigfache

us Lüneburg. Seit Jahren kennen die Bodenpreise in Lüneburg nur eine Richtung: steil nach oben. Eine Entwicklung, die jetzt auch diejenigen trifft, die bis vor kurzem noch am wenigsten damit gerechnet haben Lüneburger, deren Eigenheim vor 80 oder 90 Jahren auf einem Grundstück einer der drei Lüneburger Stiftungen in Erbpacht errichtet wurde. Da die Verträge jetzt auslaufen, bietet ihnen die Stadt als Verwalterin der Stiftungen neue Verträge an zu Konditionen, die weit jenseits dessen liegen, was sie bislang an jährlicher Pacht zu zahlen hatten.

„Auf uns kommen Kosten zu, die mehr als das Fünfzigfache unseres bisherigen Pachtzinses betragen“, berichtet Guillermo Spreckels. Zusammen mit seiner Frau besitzt er eine Doppelhaushälfte im Finkenberg, das Grundstück ist 690 Quadratmeter groß und gehört dem Lüneburger Stift Hospital zum Heiligen Geist. Statt einer jährlichen Pacht von bisher 87 Euro muss er jetzt 4442 Euro bezahlen. „Natürlich war der bisherige Pachtzins extrem günstig“, sagt Guillermo Spreckels, „dass er angehoben werden musste, steht außer Frage. Aber doch nicht in diesem Umfang.“ Seine Sorge: „Noch können wir das mit unseren zwei Pensionen bezahlen. Aber was ist, wenn einer von uns stirbt?“

Dorle und Klaus Wolter sind sichtlich enttäuscht. „Das hätten wir uns nicht erträumt.“ 1971 haben sie aus einer Zwangsversteigerung ihr Haus Am Neuen Felde erworben. Sie waren damals in den laufenden Pachtvertrag eingestiegen, konnten so die guten Konditionen bis Vertragsende weiter nutzen. „Wir haben das Haus für 71000 D-Mark gekauft, es war unsere Altersabsicherung“, sagt Klaus Wolter, 75 Jahre alt und noch immer als Binnenschiffer aktiv. Rund 100000 Euro haben sie für Modernisierungen in das Haus gesteckt, zuletzt noch einmal 26000 Euro für einen Wintergarten. „Hätten wir vorher gewusst, was auf uns zukommt, hätten wir das Geld zurückgelegt“, sagt Ehefrau Dorle. Für ihr 800 Quadratmeter großes Grundstück zahlen sie jetzt 4640 Euro. Das geht nur, weil sie ihren Sohn überreden konnten, mit seiner Familie mit in das Haus einzuziehen. „Ohne die Miete, die er uns zahlt, könnten wir das Haus nicht halten.“

Von seinem Haus am Finkenberg trennen musste sich hingegen Marcus Meyer. Der 37-Jährige hatte es 2007 nach dem Tod seiner Großmutter übernommen, seine Mutter besaß bereits ein eigenes Haus. Er war in den laufenden Vertrag eingestiegen, investierte 60000 Euro in die Modernisierung des um 1925 errichteten Hauses, parallel lief ein Darlehen. Als ihm nun von der Stadt der neue Vertrag mit einer jährlichen Pacht von 4487 Euro vorgelegt wurde, vorher waren es 89 Euro, war klar, dass er verkaufen musste. „Darlehen und monatliche Pacht hätten allein 950 Euro betragen, das konnte ich mir nicht leisten.“ Der Schritt sei ihm schwer gefallen, da er aufgrund der familiären Bindungen sehr an dem Haus gehangen habe: „Ich habe hier schon als Kind im Garten gespielt.“ Ein Motiv, das auch bei Spreckels mitentscheidend war: „Schon die Großeltern meiner Frau lebten in dem Haus, es war immer in Familienbesitz.“

Ob Lisa Sommer ihr Haus Am Neuen Felde dauerhaft halten kann, weiß sie noch nicht. „Ich bin selbstständig, meine Einkünfte schwanken. Aber ich will so lange wie möglich hier wohnen“, sagt die 68-Jährige. 1972 hat sie das Elternhaus ihres früheren Ehemannes für 75000 D-Mark gekauft, steckte 140000 Euro für Modernisierung und Umbauarbeiten hinein. Jetzt hat sie den Vertrag verlängert, zahlt 4487 Euro Pacht. „Wenn es finanziell eng wird, muss ich die obere Etage vermieten.“

Was alle Vier ärgert, ist der so überaus kräftige Griff der Stadt in die Taschen der Pachtnehmer. „Die Stadt hat doch Spielraum, könnte statt vier Prozent ja auch zwei Prozent nehmen. Das würde unsere Kosten halbieren und ihre Erträge immer noch um mehr als das Zwanzigfache steigern“, sagt Lisa Sommer. Und: Bei einer Pacht von 4500 Euro haben sie am Ende der Laufzeit von 90 Jahren 405000 Euro bezahlt mehr, als sie für den Kauf ihres Grundstücks bezahlen müssten. Doch das verbietet die Satzung der Lüneburger Stifte.

Peter Wegener vom Verband Wohneigentum Niedersachsen fordert daher, zumindest für die älteren Bewohner den Zinssatz sozialverträglich anzupassen, wie es in älteren Verträgen noch möglich war. Außerdem hat er eine Petition zur Novellierung des Erbbaurechts beim Deutschen Bundestag eingereicht (LZ berichtete). Jetzt hofft er auf eine Klage eines Betroffenen vor Gericht, um ein früheres Urteil kippen zu können. „Eine solche Klage würden wir finanziell unterstützen.“

Dass die Stadt die Konditionen in ihren 1800 Erbpachtverträgen ändert, scheint unwahrscheinlich: „Die Stadt braucht die Erträge, um damit die sozialen Stiftungszwecke erfüllen zu können“, sagt Stadtpressesprecher Daniel Gritz. Die Erbpacht selbst jedenfalls gehöre nicht dazu. Im Übrigen sei der Stadt attestiert worden, marktübliche Konditionen anzubieten.

Marcus Meyer überzeugt das nicht: „Hier werden Alteingesessene verstoßen, um Platz zu machen für Hamburger, die das nötige Geld mitbringen.“

7 Kommentare

  1. schon peinlich das ganze. da hat man geld sparen wollen, um keine marktüblichen grundstückspreise zahlen zu müssen und jetzt wird sich aufgeregt, dass sie es tun sollen. jeder der so einen pachtvertrag unterzeichnet, hat sich vorher darauf eingestellt und weiß schließlich, wann er abläuft. jetzt wohnt man im eigenen haus zur miete, wo ist da ein problem? diese leute haben zinsen gespart und zwar reichlich. jeder der eine hypothek aufnehmen musste, musste es auch für das grundstück tun, außer, man konnte es gleich bar bezahlen. wer konnte das?

  2. Lieber Klaus Bruns – Ihre Häme könnten Sie ruhig stecken lassen.

    Wenn denn die Stadt nicht so gierig wäre – es gäbe ein normales auskommen mit den Pächtern.
    Hier gibt es auch eine soziale Verpflichtung – nicht nur Verträge.

    • mein lieber Bundeskasper, häme? wie kommen sie darauf? da ich keinen neid kenne, kenne ich auch keine häme. ich bin realist. wie gerecht wäre es denn, wenn die stadt diesen pächtern entgegen kommen würde? Sie wollen mich doch gern hier mal aufklären. nur zu.

    • Auch wenn KB sich im Ton vergreift, hat er sachlich durchaus nicht unrecht. Der bisherige Pachtzins von 8 € im Monat war seit langer Zeit nicht mehr als ein Witz, da hätte man sehr gut Rücklagen bilden können. Da die Stadt aber im Gegensatz zu früher den Pachtzins regelmäßig erhöhen kann, scheint mir der neue Betrag etwas sehr hoch angesetzt zu sein. Da darf man wirklich gespannt sein auf den Ausgang gerichtlicher Auseinandersetzungen.

  3. In Lübeck übrigens wollte die Stadt den Erbpachtzins um 875 Prozent erhöhen, was angesichts ähnlich niedriger alter Beträge wie in LG eine durchaus moderate Steigerung gewesen wäre. Selbst das hatte vor Gericht keinen Bestand, man einigte sich dann auf wesentlich geringere Beträge. In Lüneburg beträgt die Steigerung um 5000 %. Damit wird man bundesweite Aufmerksamkeit erregen, aber vielleicht sollte man sich, bevor die Stadt sich vor Gericht eine blutige Nase holt und Steuergelder verschwendet, einfach einmal mit einem Moderator zusammensetzen.

  4. gibt es bei uns eigentlich einen zwang, ausgelaufene verträge zu verlängern? wer wird hier gezwungen ? wer ist nicht frei in seiner entscheidung?

  5. Jürgen Hempel Lüneburg

    ein Angleichung zu heute marktüblichen Preisen bei den neuen Pachtverträgen ist doch rechtends. Wer 87 € für das ganze Jahr bezahlt, und dass über Jahrzehnte, sollte nicht so laut bellen…………… Immerhin müsste für diesen Wohnraum heute vergleichbar deutlich mehr als 370 € monatlich bezahlt werden….. Wer 1971 für Haus und Grundstück für 71000 Deutsche Mark gekauft hat, hat damals ein Schnäppchen gemacht. Dabei sollte auch zu berücksichtigen sein, dass das Häus’chen gar nicht so klein ist, denn immerhin beherbergt es zwei Familien ! Und wer noch Möglichkeiten zum Vermieten hat, sollte auch ehrlich sein, dass er vor langer Zeit ein günstiges Angebot hatte.

    Viele Hauseigentümer haben in den vergangenen Jahrzehnten tausende DM und später Euro investiert. Schon allein durch die Gesetzeslage gezwungen Wärmeschutzmaßnahmen durchzuführen.