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Inga Niederhausen und Karl Wurm wollen verhindern, dass die Grünflächen am Hasenburger Mühlenbach zu Bauland umgewandelt werden. Foto: t&w
Inga Niederhausen und Karl Wurm wollen verhindern, dass die Grünflächen am Hasenburger Mühlenbach zu Bauland umgewandelt werden. Foto: t&w

Sorge um die Pufferzone — Werden Grünflächen in Oedeme zu Bauplätzen?

us Lüneburg. Man sieht es ihm nicht gleich an, doch das Gebiet um den Hasenburger Mühlenbach ist ein wahres Umweltparadies. Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, darunter auch bedrohte Geschöpfe, gedeihen in dem Lebensraum, der Ende der 90er-Jahre zum sogenannten FFH-Gebiet erklärt wurde und seitdem unter besonderem Schutz steht. Weil angrenzende Flächen im Bereich Oedeme ihren Status als Landschaftsschutzgebiet verloren haben, sehen Umweltverbände diese Idylle inzwischen als gefährdet an. Schlimmer noch: Sie befürchten, dass damit ein erster Schritt zu einer möglichen Umwandlung dieser Grünflächen zu Bauland vollzogen werden könnte.

„Lüneburg braucht Wohnraum. Der Druck auf Freiflächen in und um Lüneburg nimmt stetig zu“, sagt Karl Wurm vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Lüneburg. Er ist Mitunterzeichner eines Schreibens an den Landkreis Lüneburg, der vom AK NABUND, einem gemeinsamen Arbeitskreis von Naturschutzbund (Nabu) Lüneburg und BUND, verfasst wurde. Darin fordern sie, die 2011 erfolgte Herausnahme des betreffenden Gebietes zu korrigieren und ihm wieder einen verbindlichen Schutzstatus als Landschaftsschutzgebiet zuzubilligen. Ziel sei es, die Nutzung der Fläche als Bauland zu verhindern, erklärt Nabu-Mitglied Inga Niederhausen.

Das betreffende Gebiet zwischen der Oedemer Siedlung am Butterberg und dem Verlauf des Hasenburger Mühlenbachs wird teils als Acker- und teils als Brachfläche genutzt und grenzt an das FFH-Gebiet an. Als neues Baugebiet aber würde es den „Nutzungsdruck“ auf den Schutzraum „dramatisch erhöhen“, wie die Unterzeichner des Schreibens glauben.

Ihre Befürchtungen, dass dort schon bald ein Baugebiet entstehen könnte, gründen indes auf bloßen Vermutungen. „Uns wurde zugetragen, dass ein Teil der Fläche an einen namhaften Investor veräußert worden sein soll“, erläutert Nabu-Mitglied Thomas Mitsch­ke. Zwar sei den Umweltschützern auch von möglichen Bauplänen bislang noch nichts bekannt, für die Rückumwandlung in ein Landschaftsschutzgebiet sehen sie dennoch „dringenden Handlungsbedarf“, da Investoren derzeit versuchten, jede freie Fläche für Bebauungen zu finden. Hinzu komme, dass das Areal eine wichtige „Pufferfunktion“ für das FFH-Gebiet habe. Außerdem gebe es die erklärte Absicht der Stadt, am westlichen Stadtrand von Lüneburg einen Grüngürtel zu schaffen. Die Ausweisung von Bauland würde diesem Ziel aber entgegenwirken. Zudem habe für den Arbeitskreis ohnehin „kein nachvollziehbarer Grund“ vorgelegen, dem Gebiet den Schutzstatus zu entziehen.

Das sieht der Landkreis anders. „Viele Landschaftsschutzgebiete waren kurz nach dem Krieg entstanden, unter anderem, um etwaige Ansprüche der Alliierten abzuwenden“, erklärt Stefan Bartscht, Fachdienstleiter Umwelt beim Landkreis Lüneburg. Da aber viele dieser Gebiete nicht mehr den heutigen Schutzkriterien entsprachen, habe man eine Bereinigung vorgenommen. In diesem Zuge habe auch die Fläche in Oedeme ihren Schutzstatus verloren. Im Rahmen der üblichen Beteiligung von Trägern öffentlicher Belange seien dabei auch die Umweltverbände einbezogen worden, deren Vertreter aber keine Einwände gehabt hätten, wie Bartscht erklärt.

„Wir schauen uns das aber fachlich nochmal an und werden die Stadt um eine Stellungnahme bitten“, erklärt Bartscht. Etwaige Bauvorhaben auf diesem Gelände seien ihm nicht bekannt. Sollte es diese geben, müsste die Stadt ohnehin eine Verträglichkeitsprüfung vornehmen. Sollte es diesen „hypothetischen Fall“ geben, wie Bartscht sagt, könnte er sich vorstellen, dass die Schaffung eines Puffers, wie er jetzt von Nabu und BUND gefordert wird, sinnvoll sei. „Einfacher wäre natürlich, das Gebiet wieder als Landschaftsschutzgebiet auszuweisen.“ Dann wäre das Bauen dort untersagt.

Entwarnung kommt dazu von der Stadt selbst. „Mit dem jetzigen Status ist dort keine Bebauung möglich“, erklärt Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck. „Uns sind auch keine dahingehenden Pläne oder Absichten bekannt.“ Selbst eine Bauvoranfrage oder ähnliches liege nicht vor und es sei auch nicht beabsichtigt, einen Bebauungsplan aufzustellen.