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Ein Favorit Olaf Pahls im Kreis ist der Radweg zwischen Heiligenthal und Südergellersen. Bei der Tour mit LZ-Redakteurin Emilia Püschel erklärt er, warum. Foto: phs
Ein Favorit Olaf Pahls im Kreis ist der Radweg zwischen Heiligenthal und Südergellersen. Bei der Tour mit LZ-Redakteurin Emilia Püschel erklärt er, warum. Foto: phs

Auf Tour mit dem neuen Kreisradverkehrsbeauftragten Olaf Pahl

Olaf Pahl nimmt als ehrenamtlicher Radverkehrsbeauftragter des Landkreises Lüneburg seit 1. Juli die Verkehrssituation für Radfahrer im Kreis in den Blick. Doch der Häcklinger ist nicht angetreten, um Missstände mit dem erhobenen Zeigefinger anzuprangern. Er will die Freude am Fahrradfahren wecken und träumt von Verhältnissen wie in Kopenhagen. Sein Credo: Wenn mehr Menschen in den Sattel steigen, wird sich die Situation automatisch verbessern. LZ-Redakteurin Emilia Püschel hat es ausprobiert und sich mit Olaf Pahl auf eine 25-Kilometer-Radtour begeben.

emi Lüneburg. Olaf Pahl erscheint mit einem eleganten Eingangrad auf dem Platz Am Sande. Ledersattel und Reifen haben dieselbe hellbraune Farbe wie seine Sneakers. Der cremefarbene Fahrradrahmen passt zur beigen Hose und dem weißen Hemd. „Wenn ich mit einem schlecht aussehenden Fahrrad unterwegs bin, würde ich am liebsten eine Tarnkappe aufsetzen“, sagt der 49-Jährige. „Ich achte auf Aussehen und Qualität.“ Seiner Meinung nach spielt der fahrbare Untersatz eine entscheidende Rolle, wenn auch Radfahrmuffel sich in den Sattel schwingen sollen: „Wer Wert auf Ästhetik legt, sollte sich auch ein sexy Rad zulegen.“ Olaf Pahl steigt auf und fährt Richtung Heiligengeiststraße. Die Tour beginnt.

Deutschland, 2015: Rund 80 Prozent aller Haushalte besitzen mindestens ein Fahrrad, in 30 Prozent der Fälle sind drei oder mehr Fahrräder vorhanden. Damit kommen 78 Millionen Fahrräder immer öfter zum Einsatz.

Am Kreisel beim Lüneburger Klinikum geht es den Anstieg am Oedemer Weg hinauf. Es sind fast 30 Grad, die Sonne brennt, selbst der Fahrtwind ist warm. Olaf Pahl tritt leichtfüßig in die Pedale. Der Mann hat Routine. Zwischen 100 und 200 Kilometer pro Woche legt er mit seinen vier Fahrrädern zurück: Neben dem Eingangrad, auch Single-Speed genannt, besitzt er ein Rad mit Gangschaltung, ein Faltrad und ein Rennrad. „Vor acht Jahren hat mein Fachhändler mich aufs Rad gekriegt, weil er mir ein Fahrrad auf den Leib gezaubert hat“, sagt der ehemalige Schulleiter. „Mit einem guten Fahrrad fängt alles an, ähnlich wie mit guten Wanderschuhen.“

In Deutschland werden zurzeit rund 10 Prozent aller Wege mit dem Fahrrad erledigt. In Dänemark beträgt der Radverkehrsanteil etwa 18 Prozent, in den Niederlanden sogar 27.

Kurz hinter dem Ortsausgang Heiligenthal Richtung Südergellersen bremst Olaf Pahl ab, bleibt auf dem Radweg entlang des Südergellerser Weges stehen. Die Sonne wirft durch Bäume hindurch ein Relief aus Licht und Schatten auf den Asphalt. Es ist ein Radweg ganz nach Pahls Geschmack: „Er passt sich der Natur an, führt nicht stumpf an der Straße entlang, sondern schlängelt sich durch die Landschaft“, lobt er. Die guten Beispiele unterstreichen, nicht die schlechten verteufeln das ist seine Devise. Den Ansatz, erst alle Wege schön zu machen und dann die Menschen aufs Rad zu bringen, hält er für falsch. „Das muss umgekehrt laufen.“

Der Landkreis Lüneburg ist für den Bau und die Unterhaltung eines 172 Kilometer langen Radwegenetzes im Kreis zuständig. Für die Sanierung gibt der Kreis laut Sprecherin Elena Bartels jedes Jahr etwa 100000 Euro aus.

Weiter geht es über Südergellersen nach Oerzen, vorbei an Wiesen, Wald und Feldern. Olaf Pahl empfindet den Kreis Lüneburg radverkehrstechnisch schon als „recht gut aufgestellt: An vielen Stellen merkt man, dass die Gemeinden an die Bedürfnisse der Radfahrer denken.“ Dennoch träumt er von Verhältnissen für Radfahrer, wie sie in Kopenhagen herrschen. Auch wenn sich die Metropole mit mehr als einer halben Million Einwohnern kaum mit dem landwirtschaftlich geprägten Kreis Lüneburg (knapp 177000 Einwohner) vergleichen lässt, könne man sich eines von den Dänen abschauen: „Die vielen Signale an Radfahrer, die zeigen: Ich habe dich im Blick.“

Mehr als die Hälfte der Kopenhagener fuhr 2013 täglich mit dem Fahrrad zur Schule, zur Ausbildungsstätte oder zur Arbeit. Selbst die Mehrzahl der Mitglieder des dänischen Parlaments, etwa 63 Prozent, fuhr mit dem Rad zu seinem Arbeitsplatz im Schloss Christiansborg in der Kopenhagener Innenstadt.

Auch diese Lehre aus Kopenhagen sei übertragbar, erzählt Olaf Pahl, während er über Oerzen weiter nach Rettmer radelt: „Wenn wir im Kreis Lüneburg möglichst viele Menschen aufs Rad kriegen wollen, dann müssen zuerst die Politiker aufs Rad steigen.“ Sie könnten als Vorbilder für einen positiven Effekt in der Bevölkerung sorgen und würden als Betroffene von selbst Schwachstellen aufdecken. „Wenn mehr Menschen in den Sattel steigen, wird sich die Situation automatisch verbessern“, glaubt der 49-Jährige. Die kleine Fahrrad-Tour endet in Lüneburg. Olaf Pahls Mission hat gerade erst begonnen.

One comment

  1. Toller Artikel Hat mir gut gefallen und mich an meine Schulzeit erinnert. Jeden Tag bin ich einmal den Hasenburger Berg und Häcklinger Berg gefahren von Embsen zur Wilhelm Raabe Schule und zurück