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Auch Wickinger müssen essen, damit sie nicht vom Fleisch fallen:  Sascha sorgt dafür, dass der Braten nicht anbrennt, Björn und Diana (v.l.) freuen sich auf die deftige Mahlzeit. Foto: t&w
Auch Wickinger müssen essen, damit sie nicht vom Fleisch fallen: Sascha sorgt dafür, dass der Braten nicht anbrennt, Björn und Diana (v.l.) freuen sich auf die deftige Mahlzeit. Foto: t&w

Mittelalterfest in Bleckede: Leben und kämpfen wie die Ritter +++ mit Fotos

In der Luft hängt der Geruch von unverbranntem Zweitaktgemisch. Freunde des alten Blechs wissen sofort: Der stammt aus dem Auspuff alter Mopeds. Denn der Festplatz hinter dem Elbschloss war am Sonntag, 9. August, wieder fest in der Hand der Oldtimerfreunde Bleckede. Die hatten zu ihrem traditionellen Oldtimertreffen geladen. Wer freilich noch weiter in die Zeit zurückreisen wollte, kam auf dem Schlosshof und im Park auf seine Kosten: Dort luden Ritter, Gaukler und Händler zum mittelalterlichen Burgtreiben ein. Mit anderen Worten: Es war viel los am Wochenende in Bleckede nicht zuletzt auch deshalb, weil die Geschäfte in der Innenstadt gestern zum verkaufsoffenen Sonntag einluden.

kre Bleckede. Beim Odin das ist eine Geschichte, wie sie dem Göttervater nicht besser gefallen könnte: „Wie ich zur Wikingerin wurde? ,,Durch einen Zufall“, berichtet Elke Mantel, die im echten Leben ihr Geld als Kauffrau verdient. Am Schaalsee sei sie vor Jahren spazieren gewesen. Da habe sie eine Lederrolle entdeckt, mit keltischen Runen beschriftet. Natürlich keine historische, aber eine gut gemachte Kopie. Die 46-jährige entzifferte die Runen und antwortete. Ganz klassisch, ebenfalls auf einem Stück Leder und natürlich ebenfalls in Runenschrift. ,,Das ging so eine ganze Weile stille Post auf Wikingerart.

Alleine das wäre wohl schon eine schöne Geschichte. Doch das Ende ist noch viel sagenhafter: Zu den Runen-Botschaften packten Elke Mantel und der Unbekannte nämlich auch diverse Armbänder ,,und an denen haben wir uns ganz profan beim Einkauf in einem Döner-Laden erkannt.“ Elke Mantels Eintritt in die Welt der Wikinger, den sie bis heute nicht bereut hat
Obs stimmt? Egal! Wikinger erzählen halt gerne Geschichten am Lagerfeuer, die auch die Besucher gerne hören beim 17. Mittelalterlichen Schlossfest in Bleckede.

„Zauberei, Gaukelei, Saufe­rei und Fresserei…“, von allem etwas eben. So stehts auf den Plakaten, die für das historische „Schloss-Spectacel“ werben. Spaß für Groß und Klein. Und den haben die Besucher. Wo sonst darf denn Mann noch Ritter sein, wenn ihn sein kleiner Sohn mit dem Holzschwert herausfordert, wenn nicht in Bleckede?

„Papa, ich möchte die Ritter sehen“, bittet Kevin und steuert zielgerichtet das Feldlager von „Viatores ad Arma“ an. Freizeitritter, die die Zeit um 1292 aufleben lassen. Mit Kettenhemd, Helm, Schild und Schwert und allem, was dazugehört. Von wegen nur gucken nicht anfassen! Was so eine Ausrüstung wiegt? Jan Stübing erlebt es am eigenen Leib! Aber schon beim Anziehen des knielangen Waffenrocks braucht der Lüneburger Hilfe. Papa Stübing ahnt: So lustig war das Ritterleben wohl nicht. Der Körper ist in den knielangen Mantel gezwängt Respekt bei schwülen 26 Grad jetzt ist das Kettenhemd dran. 25 Kilogramm wiegt das Teil. Ohne die Hilfe von Knappen, die beim Anlegen des Schutzes helfen, wären auch die tapfersten und edelsten Ritter am Ende. Wie muss sich da erst Jan Stübing fühlen? Der Mann meistert aber auch diese Anstrengung mit Bravour und ist sich damit der grenzenlosen Bewunderung seines Sohnes gewiss. Zum Schluss noch der Helm, durch den man zwar kaum etwas sieht, aber so aussieht, wie ein echter Ritter aussehen muss. Schnell noch Fotos fürs Familienalbum, dann darf Jan Stübing die Rüstung wieder ablegen. Welch eine Erleichterung im wahrsten Sinne des Wortes.

Was finden die Menschen so spannend daran, für eine kurze Zeit wie anno dazumal zu leben? Auch Mathias Piper hat sich darüber seine Gedanken gemacht: Im echten Leben ist der ehemalige Hochbau-Ingenieur als Besucherbetreuer im Hanse-Museum in Lübeck tätig. Jetzt ist er als „verarmter Land-Adeliger“ im Lager unterwegs. ,,Da steckt zweifellos auch ein Stück Verklärung der Vergangenheit dahinter“, philosophiert Piper. Kein Stress, keine Terminhetze, nicht ständig präsent sein zu müssen, das habe für viele seinen Reiz. Das einfache Leben neu entdecken. Nur auf eine neuzeitliche Errungenschaft wollen die Helden nicht verzichten: auf moderne Toiletten und Duschen.