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Das Rechteck-Pflaster ist so verlegt, dass Regenwasser an den Seiten des Radweges versickern kann, sagt die Stadt bezüglich des Themas Versiegelung. Foto: t&w
Das Rechteck-Pflaster ist so verlegt, dass Regenwasser an den Seiten des Radweges versickern kann, sagt die Stadt bezüglich des Themas Versiegelung. Foto: t&w

Lösegraben-Radweg soll erweitert werden

as Lüneburg. Der im Frühjahr gepflasterte Radweg am Lösegraben im Bereich von der Wandrahmbrücke bis zur Altenbrückertorstraße hat für Zustimmung und Kritik gesorgt. Die einen finden die breite Pflasterung klasse, die anderen sprechen zum Beispiel von einer Piste mit Landebahn-Charakter. Nun will die Stadt weitermachen, ein nächster Bauabschnitt ist im Herbst dran. Der Lüneburger Hans-Christian Schimmelpfennig hält die Pflasterung nicht nur optisch, sondern auch ökologisch für unsinnig. Denn dadurch werde weiter Boden versiegelt. Dabei hätten sich seiner Kenntnis nach doch Umweltverbände und Grüne für Entsiegelung im Stadtgebiet ausgesprochen.

Laut Daniel Gritz, Pressesprecher der Stadt, soll in diesem Jahr der Lösegraben-Radweg im Bereich zwischen der Bockelmannstraße und der Lünertorstraße Rechteck-Pflaster erhalten wie dieses schon im ersten Bauabschnitt verlegt wurde. Der Ausbau des Radweges auf der Westseite des Lösegrabens sei dazu gedacht, eine Alternative zum fehlenden Radweg auf der Ostseite der Schießgrabenstraße zu schaffen und die durchgängige befestigte Wegeverbindung von der Ilme-naugartenseite (Wilschenbruch) bis zum Behördenzentrum herzustellen. „Bei dem jetzt ausgeschriebenen Teilstück zwischen den Brücken Lünertorstraße und Bockelmannstraße ist die Oberfläche wegen herausragender Ziegelbruchsteine so schlecht, dass diese als Erstes neu befestigt werden muss.“

Da künftig mit mehr Radverkehr auf dem Weg zu rechnen sei, müsse sichergestellt sein, dass dort auch Winterdienst geleistet werden könne. Zum Thema Versiegelung sagt die Stadt, dass das Regenwasser rechts und links vom Radweg in den Boden versickern könne. Ein weiterer Lückenschluss ist im Rahmen eines dritten Bauabschnitts geplant. Für die Pflasterung des ersten Bauabschnitts hat es einen einstimmigen Beschluss des Bauausschusses gegeben. Für den zweiten Abschnitt gab es einen einstimmigen Beschluss bei zwei Enthaltungen im Verkehrsausschuss.

Die Lüneburger Umweltverbände BUND und Nabu setzen sich für die Entsiegelung von asphaltierten Flächen ein, die sei vielerorts grundlos. Mit der Unterstützung der Lüneburger Bürger habe man inzwischen eine umfangreiche Sammlung von asphaltierten oder gepflasterten Flächen erstellt, bei denen die Bodenversiegelung inzwischen überflüssig sei, heißt es seitens der Verbände. Thomas Mitschke vom Nabu spricht sich gegen eine weitere Pflasterung des Lösegraben-Radweges aus. „Die vielerorts vorangetriebene Versiegelungswut konterkariert längst besprochene, geplante und auch notwendige Entsiegelungsziele für die Stadt Lüneburg. Besagter Abschnitt auf dem Lösegrabenweg war noch nie gepflastert, es gab dort noch nie Kapazitäts- oder sonstige Probleme.“

Allerdings sind aus seiner Sicht auch Alternativen, wie der Einsatz von Sabalith (wassergebundene Decke) in Ilmenaunähe, nicht zielführend. Unstrittig sei, dass Rechteck-Pflaster besser als Bitumen sei. „Aber warum überhaupt? Ich sehe keine Notwendigkeit.“ Das Geld könne man besser sparen, es sei besser zum Beispiel in Kitas angelegt. Karl Wurm vom BUND bringt es knapp auf einen Nenner: „Keine Versiegelung, wo es nicht unbedingt lebenswichtig ist und Entsiegelung überall da, wo es möglich ist.“
Ulrich Löb (Grüne), Vorsitzender des Verkehrsausschusses und Mitglied im Bauausschuss, sagt: „Letztlich war es eine Abwägungsgeschichte, ob man dem Anspruch, alles zu entsiegeln, entgegenkommt oder für Radfahrer einen Weg schafft, der sicher und angenehm zu befahren ist.“ Da es zurzeit schwierig sei, oben an der Straße einen Radweg herzustellen, „ist das da unten eine gute Alternative“.

Löb weist darauf hin, dass der Lösegraben-Radweg bereits eine Bitumendecke gehabt habe, die abgängig war. „Die Alternative wäre eine wassergebundene Decke gewesen wie am Treidelweg. Die hat aber den Nachteil, dass sie sich bei Hochwasser lösen würde.“ Rechteck-Pflaster könne man wasserdurchlässig herstellen.

4 Kommentare

  1. Lieber Nabu, lieber BUND,

    vor kurzem bin ich den betroffenen Radweg vom Bahnhof kommend entlang gefahren. Es war dunkel, ich bin diesen Weg einige Jahre nicht mehr entlanggekommen. Das bedeutet, dass bereits die Fahrt zum Weg hinunter über die steile Rampe – statt an der Straße entlang wie noch vor einigen Jahren möglich – für ein erstes Umwohlsein sorgt. Es geht dann weiter über einen halb zugewachsenen schmalen Kiespfad, schlecht beleuchtet, über herausgespülte Abwasserrinnen. Gegenverkehr sorgte für eine heikle Situation kurz vor der Brückenunterführung. Im Nachhinein hielt ich es für die beste Lösung, ich hätte mich gleich an die vorausfahrende Radfahrerin gehalten, die auf der falschen Seite die Schießgrabenstraße weiterfuhr.
    Ich habe mich in diesem Moment über die vermeintliche Fahrradstadt Lüneburg sehr geärgert, die sich in den letzten Jahren in dieser Hinsicht kaum weiterentwickelt hat. Umso mehr hatte mich die Nachricht in diesem Artikel gefreut.
    Was wollen Sie nun? Als Umweltverbände den umweltfreundlichen Radverkehr fördern oder jede weitere Entwicklung in dieser Hinsicht im Ansatz zunichte machen?
    Muss ich davon ausgehen, dass Sie zu Ihren Vereinstreffen ohnehin per Auto fahren?
    Eine Stadt ist kein Wald, und wenn die Stadt bereits Versickerungsmöglichkeiten bedacht hat, ist das löblich und gut.

    Es gibt dringendere Beschäftigungsfelder für den Umweltschutz als Radwege zu verhindern!

    • Ich kann mich diesem Kommentar vorbehaltlos anschließen. Der bisher schon gepflasterte Teil lässt sich sehr gut befahren, vor allem ist er breiter und ausweichen bei Gegenverkehr ist kein Problem mehr.
      Das Weiterführen der Pflasterung ist m.E. unbedingt erforderlich und sinnvoll, denn in der Weiterführung über die neue Überquerung des Ilmenau-Wehrs mit daran anschließendem Fußgänger-/Fahrradweg nach Wilschenbruch schafft die Strecke eine schöne Nord-Südverbindung quer durch unsere Stadt, ohne das man durch den Innenstadtbereich fahren muss.
      Also bitte weiterbauen! Ich wundere mich schon, dass BUND/NABU sonst immer die fahrradfreundliche Stadt fordern, aber hier auf einmal blockieren. Unverständlich…

  2. ….Karl Wurm vom BUND bringt es knapp auf einen Nenner: „Keine Versiegelung, wo es nicht unbedingt lebenswichtig ist und Entsiegelung überall da, wo es…..
    Herr Wurm, wann ist denn eine Versiegelung unbedingt lebenswichtig? Mir fällt nichts ein. Man kann mit dem Auto und Fahrad auch über Feldwege fahren und in der Steinzeit ist auch keiner gestorben wegen fehlender Versiegelung. Also was ist ihr Kriterium? Lebenswichtig kann es nicht sein!

  3. Ich bin diesen ‚tollen‘ Weg ein einziges Mal gefahren. Mal abgesehen von der extrem steilen Rampe an der Ecke Altenbrückertorstraße/Willi-Brandt-Straße (selbst mit angezogenen Bremsen über die gesamte Rampe wäre ich unten fast nicht um die Kurve gekommen) kommt man an der Lünertorstraße als Radfahrer nicht hoch.

    Man muss also bis zur Reichenbachkreuzung durchradeln – völliger Blödsinn.

    Warum man die Radfahrer nicht einfach auf die Straße führt ist mir ein einsames Rätsel. (Und wer jetzt damit kommt das da ja soviel Verkehr ist: Es geht um eine kurze Wegstrecke die auf beiden Seiten von Ampeln begrenzt sind die man nicht beide bei grün ‚erwischt‘)

    Mal ganz abgesehen davon frage ich mich, wie ein Anwohner mit seinem Fahrrad zu seiner Wohnung dort kommen soll?!